10. Dezember
Zhrine @ Feierwerk

In Island geht inzwischen die Sonne schon wieder unter, kaum ist sie irgendwann kurz vor Mittag aufgegangen. Es ist also eh nicht lange dämmrig oder gar hell. Und aus diesen düsteren Gefilden schiebt sich gerade eine weitere, mächtige Welle über den Atlantik, die uns mit Wucht erfasst und Dunkelheit umhüllt. Die Welle heißt Zhrine und dunkel ist ihr Erstlingswerk Unortheta fürwahr.

Dabei kommt die sieben Tracks umfassende Scheibe gar nicht mal so typisch schwarzmetallisch daher. Der Opener Utopian Warfare lässt sich mit sphärischen Gitarren Zeit, baut eine bedrückende, aber nicht unbedingt bedrohliche Klangwelt auf, härtet dann aber zur Mitte des Songs hin deutlich aus. Wenn schließlich die ersten Doublebass-Salven die gutturalen Growls des Sängers Þorbjörn unterfüttern, wissen wir, dass sich Zhrine mühelos in die Black-Metal-Phalanx ihrer großartigen Landsleute wie Auðn, Sinmara oder Misþyrming einreihen.

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https://www.youtube.com/watch?v=U_SLL3-NEMM

Was das Quartett jedoch von so manchem anderen Vertreter der dunklen Zunft abhebt, ist die Tatsache, dass sich Zhrine nicht nur auf musikalische Brutalität und gnadenlose Geschwindigkeit beschränken möchten. Phasenweise wird der Puls zwar wirkungsvoll nach oben getrieben. Aber auch die anderen sechs Songs halten ruhige, melodiöse Phasen bereit, die für anregende Spannung und Abwechslung sorgen, gerade weil sie häufig als verknüpfendes Element zwischen zwei Tracks fungieren. Unortheta entwickelt dadurch einen unglaublichen Sog, als bestünde das Album aus einem einzigen, knapp 40-minütigen Song. Episch erscheint das Werk daher, und – eine im extremen Metal wahrscheinlich selten gebrauchte Vokabel – tatsächlich zugänglich. Das mag dem gelegentlichen Pop-Konzertgänger nicht viel helfen. Aber wer grundsätzlich einer etwas härteren Gangart nicht abgeneigt ist, und sei es bisher auch noch kein Black Metal gewesen, dem sei Zhrine als Blick über den Tellerrand hinaus wärmstens ans Herz gelegt, wenn sie auf ihrer Europa-Tour am 10. Dezember im Feierwerk gastieren. Für Freunde des Genres ist es hingegen ein Pflichttermin.


Zhrine live > Bandcamp // Support: Ulsect > Homepage // 10. Dezember // Feierwerk, Kranhalle // Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20 Uhr // VVK: 15,00 Euro zzgl. Gebühren