curt war da: zehner

Ein neuer Polarstern für die Münchner Szene

Ganze drei Jahre hatten wir nun seit der Schließung DES Indie-Clubs überhaupt Zeit, uns die Tränen vom Gesicht zu wischen. Und während im ehemaligen Atomic Café schon lange kein next big thing mehr über die Bühne fegt und es seit dem Ende des 59:1 auch in der Sonnenstraße 27 bestenfalls noch für ein wenig Flirt-Resterampe reicht, hat man die Hoffnung auf einen echt guten Club mit Live-Musik fast aufgeben. Doch die Hoffnung, die stirbt bekanntlich zuletzt, und wenn sich eine Saloon-Tür schließt, öffnet sich durchaus auch eine neue. Und so kann sich das verträumte München in diesem Jahr um gleich zwei weitere neue Konzert-Locations glücklich schätzen. Bis Anfang März draußen am Musenberg die Neue Theaterfabrik ihren noch jungfräulichen Glanz wahrt, ist man in der Thalkirchner Straße 10 ein gutes Stück zentraler auch schon ein gutes Stück schneller. Die Zahl 10 weist uns den Weg und frisch aus dem Herzen zweier Musikbegeisterter geschlüpft, wartet ein neuer Club auf sein erstes volles Haus – das zehner.

Für die Menükarte des zehners sind die beiden Polarfüchse Danijela „Danny“ Kufner und Patrick Oginski verantwortlich. Und als ob wir den beiden Köpfen von polarkonzerte bzw. südpolmusic nicht schon ohnehin ein fein abgestimmtes Programm in München zu verdanken haben, zaubern sie mit dem zehner eine neue Pilgerstätte für durchstartende sowie bereits etablierte Acts aus dem Hut. Diese sollen vornehmlich aus dem Bereich Singer-Songwriter kommen, wobei der Veranstaltungskalender ihrer beiden Stammhäuser ein guter Indikator für das ist, was wir und rund 120 Fans in Zukunft erwarten dürfen. Aber auch Künstler verschiedenster Couleur sollen ein paar Treppenstufen unter der ehemaligen Blumenbar (oder dem kurzweiligen Vergnügen „Deine Mudda“) ein neues Wohnzimmer finden. Ein weiteres charmantes Detail ist dabei das im grafisch anspruchsvollen Retro-Stil gehaltene Logo aus dem Handgelenk von Konzert-Poster-Shooting-Star Simon Marchner.

Trotz tatkräftiger Unterstützung und Rückendeckung durch Patrick behält jedoch Danny als Geschäftsführerin die Zügel des Club-Konzepts in der Hand und lässt dabei ein äußerst stylisches und doch angenehmes Farbenspiel im heimeligen Veranstaltungsraum auf uns wirken. Fernab vom leidigen Rot-Blau-Licht, das heutzutage so viele Konzerte heimsucht, verspricht die Atmosphäre in ihrem neuen Baby intime und unvergessliche Konzertabende. Aber auch Comedy, Poetry Slams und Lesungen wollen im zehner für Abwechslung sorgen. Eine dezent eingefasste und gut erreichbare Bar sorgt dabei für allerlei flüssige Emotionsverstärker vor der Bühne.


Und obwohl wir uns schon bald über Bands wie Haller, Black River Delta oder Nico Laska im Bauch des zehners freuen dürfen und sich einige Münchner Veranstalterkollegen bereits über die ersten „ausverkauft“-Meldungen freuen, soll das Programm stets erweitert werden. Hierbei sieht Danny ganz klar die Größe des Clubs als Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Münchner Veranstaltungslandschaft. Keine Konkurrenz also, sondern ein Lückenfüller im besten Sinne soll sich etablieren.

Diejenigen die dem Ruf der Discokugel nicht folgen, erwartet oberhalb des Bühnensaals ein liebevoll gestaltetes Barkonzept ohne Schnickschnack und Chichi. Ein wenig feiner als in der Boazn darf es für Dannys Geschmack jedoch zugehen. Denn auch wenn „mal wieder the Smiths irgendwo laufen“, soll die Bar im zehner primär zum gemütlichen Vino oder Bierchen einladen. Eine Mischung aus Bar und Kneipe und doch ein wenig gehoben? Ganz ohne jedes Anbiedern und dazu mit moderaten Preisen scheint dies an der Ecke Fliegenstraße nun wahr zu werden. Paulaner ist hier mit seinem Zwickl ebenso vertreten wie alternative Bier-Klassiker: Helles von Chiemseer und Weißbier von Gutmann gehören neben einer breiten Auswahl an rotem und weißem Bacchus-Vergnügen zu weiteren Garanten eines denkwürdigen Abends.

Gespannt und mit einem Glas Wein in der Hand lassen wir den Blick schweifen und wagen ein Gedankenspiel, bei dem wir uns in fünf Jahren wiedersehen. Dann wenn die blitzblanken Tische schon das ein oder andere Glas gesehen haben und die Bühne im Keller zur angesagten Anlaufstelle für all diejenigen geworden ist, die einfach nur gute Musik hören wollen. Unseren Soundcheck hat Dannys zehner handmade in Munich auf jeden Fall bestanden. Und vielleicht findet es ja wirklich einmal hier statt: the next big thing.

zehner // Thalkirchner Straße 10, 80337 München // polarkonzerte > Homepage

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Fotos: Achim Schmidt > Homepage


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