4. Oktober
curt präsentiert: William Fitzsimmons & Joshua Radin

Kaum Haare auf’m Kopf, dafür umso mehr im Gesicht: William Fitzsimmons‘ markantes Auftreten mit Nerdbrille und Turbobart lässt ihn so manch einen Unwissenden mit dem „H“-Wort betiteln, was ihm aber so gar nicht gerecht wird. Fitzsimmons war vor dem Hype, vor der Coolness – und ist es noch immer. Authentizität schlägt Mode. Mehr ehrlich als aufgesetzt beträllert er uns mal supermelancholisch, mal schlichtweg schön und klagend, niemals aber jammernd à la „Die-Welt-ist-so-gemein-zu-mir-und-wo-bist-du-überhaupt?“ mit Lebensweisheiten und persönlichen Erfahrungen, mit Geschichten, die das Leben nun mal schreibt.

Aufgewachsen in Pittsburgh, Pennsylvania, als jüngster Sohn eines blinden Ehepaares spielt die Musik seit jeher eine wichtige Rolle im Leben des Singer-Songwriters. So kommt es, dass er (neben träumchenhafter Softy-Stimme) auch allerbestens mit Piano, Posaune, Banjo, Ukulele, Mandoline, Melodica und Gitarre umgehen kann. Eben diese Familie (sei es damals als Sohn oder nunmehr als Vater) prägt die Musik des Singer-Songwriters bis heute, so sagt er selbst: „99 Prozent meiner Songs behandeln familiäre Themen: Entweder geht es um mein Elternhaus oder meine eigene Familie. Die Familie ist Teil jedes Songs, den ich geschrieben habe, ob es nun beabsichtigt war oder nicht.“

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https://www.youtube.com/watch?v=DOhnZ2n-yQw

Der Musikerkarriere des US-Amerikaners ging zunächst eine mehrjährige berufliche Laufbahn voraus: Erst mit Veröffentlichung seines 3. Albums „The Sparrow And The Crow“ (2008) beschloss der studierte Psychologe, sich eben dieser gänzlich zu widmen. Hatte er seine beiden Erstlingswerke noch zu Hause aufgenommen und in Eigenregie veröffentlicht (beide beleuchten die ungewöhnliche Erziehung seiner Eltern ebenso wie das letztliche Auseinanderfallen der Familie im Jugendalter), begab er sich nun in die Hände des Produzenten Marshall Altman. Hierin findet er erstaunlich deutliche und höchst persönliche Worte bezüglich seiner Scheidung nach knapp zehnjähriger Ehe und wagt sich damit erstmals auch auf europäische Bühnen. Es folgt eine zweijährige Auszeit, bis mit „Gold In The Shadow“ eine nicht minder persönliche Schilderung seiner Erlebnisse nach der Trennung erscheint. Es ist von Depressionen die Rede, von Dämonen und viel, viel Düsternis, gleichzeitig sind die Zeilen aber auch getränkt von Hoffnung und Optimismus – und dass am Ende alles gut wird, is ja eh Gesetz. Auch im Folgewerk widmet sich der US-Amerikaner seiner psychischen Weiterentwicklung, während er in „Pittsburgh“ den Tod seiner Großmutter besingt. Am 21. September erscheint mit „Mission Bell“ auch schon die nächste Platte (verraten wird dazu selbstverständlich gar nischt, Ehrensache).

Wir halten fest: William Fitzsimmons’ Musik ist zutiefst persönlich, textlich nicht immer schön, aber umso echter. Die Worte simpel und kraftvoll, tief und eindringlich, die Instrumentierung meist nur zart untermalend. Das Leben is nunmal keine Einhornfarm. Echt nich.

Angst vor Schwarzmalerei und rollenden Tränchen müsst ihr dennoch nicht haben, wenn William Fitzsimmons im Oktober unser Technikum bespielt. Nicht zuletzt, weil er dabei mit Joshua Radin feinste Begleitung genießt, der Fitzsimmons’ Hang zu Melancholie mit etwas Pop und Happyness ein musikalisches STELL DICH MAL NICHT SO AN! entgegenbrüllt, was zusammen ganz wunderbar funktioniert. Überzeugt euch selbst!

Unsere Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden informiert.


curt präsentiert: William Fitzsimmons & Joshua Radin // 4. Oktober // 20.30 Uhr // Technikum // VVK 25 Euro zzgl. Gebühren
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