Wenn der Vorhang fällt –
Im Gespräch mit Michael Münch

Wenn der Vorhang fällt ist ein Film,  der uns an unsere Jugend erinnern wird. An gute Zeiten mit alten Freunden. Oder an alte Zeiten mit guten Freunden. Denn Michael Münch feilt gerade an seiner Doku über die Hip-Hop- und Rap-Helden von damals und heute. Er sprach mit Größen wie Sido, Samy Deluxe und Marteria. Und wir sprachen mit ihm.

Der Regisseur und Produzent des Dokumentarfilms ist geborener Heidelberger, Teilzeit-Münchner und Selbstständiger in der Filmindustrie. Er bewegt sich zwischen Produktion, Regie und Schnitt, ist 26 Jahre jung, legt Wert auf gutes Essen und lebt derzeit in Frankfurt, wo ihn die Liebe hinverschlagen hat.

Der Vorhang fällt nicht, weil die Vorstellung vorbei ist. Im Gegenteil: Sie fängt gerade erst an. Besser gesagt, wieder. Es geht um Hip-Hop. Um Deutsch-Rap. Denn der ist wieder im Programm, auf großen und kleinen Bühnen, in Clubs und im Radio, mit alten Hasen und jungem Blut. Michael beleuchtet in seinem Film sowohl das Revival der deutschen Hip-Hop-Szene als auch die Frage, inwiefern sie sich durch die enorme Medienpräsenz unserer Zeit verändert hat: „Wie ordnet man sich gleichzeitig als Mensch, Künstler und Werbeträger in die Musikindustrie ein? Ist Selbstdarstellung via Facebook, Twitter und Co. wichtiger geworden als die Authentizität der Künstler?“ Denn „viele heutige Künstler betreiben Charakter-Comedy und verkaufen ihre Rolle, aber nicht sich selbst. Das wird von den Kids manchmal falsch aufgefasst. Die wissen ja nicht, dass der Zuhälter, der da im Videoclip Koks vertickt, im echten Leben ein ganz normaler netter Typ ist. Nicht, dass koksende Zuhälter nicht nett sein können, aber … ihr wisst, was ich meine!“

vorhangfaellt

Ehrlich und ungeschminkt soll die Doku werden: „Ich will mit Paul Würdig reden und nicht mit Sido. Ich will nicht mit dem Rap-Charakter reden, sondern mit der Person, die sich mit zwölf Jahren dazu entschieden hat, auf Deutsch Gedichte zu verfassen.“ Der Vorhang fällt also auch, um hinter die Kulissen zu blicken. Hinter die Fassade. „Es ist das erste Zeitdokument, das Hip-Hop im Kinoformat darstellt“, sagt Michael. „Der Film beruht auf tiefer Freundschaft, viel Herzblut und großem Vertrauen darin, dass er am Ende auch gelingt. Wir sind ein eingefleischtes Team und niemand aus der Crew hat Geld für seine Arbeit bekommen.“

19 Künstler kommen in der Doku zu Wort, darunter Sido, Prinz Pi, Roger und Schu von Blumentopf, Samy Deluxe, Afrob, Fatoni, Roger Rekless, Denyo und DJ Mad von den Beginnern, Marteria und Smudo von Fanta Vier.

Vielleicht berichten wir soeben über die beste deutsche Doku des Jahres. „Ein Film für alle soll es werden, von 0 bis 90 Jahren.“ Na dann: Film ab!

Lange haben wir auf den Film gewartet, wo doch das Interview mit dem jungen Regisseur bereits ein Jahr her ist … WENN DER VORHANG FÄLLT läuft ab 30.03.2017 in den deutschen Kinos!

Der Arikel ist in unserer Ausgabe curt #80 erschienen. Fotos: Adrian Leeder

 


About Carina Neumann

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Studentin an der Hochschule für Angewandte Sprachen. Außerdem leidenschaftliche Sonnenanbeterin, Langschläferin, Fernwehinfizierte und Teilzeitchaotin. Ich liebe laue Abende an der Isar, das Knistern von Lagerfeuer, den Geruch von frischer Wäsche, spontane Aktionen mit unerwartetem Ende, Pistazieneis und Sand an den Füßen. Ich hasse Schneeregen, das Monatsende und die Konsistenz von Wackelpudding. Seit zwei Jahren schreibe ich für curt über Kultur, Kurioses, Kunst und Musik.