curt war da: Wandern mit Alpakas

Es ist ein heißer Sonntagmorgen, von denen es in diesem Jahr zum Glück so viele gab. Eine bunt gemischte Frauen-Gruppe macht sich auf den Weg nach Thalhausen. So verschieden sie sind, so verschieden auch die Gründe ihrer morgendlichen Müdigkeit. Trotzdem liegt ein Hauch Vorfreude in der Luft. Heute besuchen sie die Weilachmühle bei Altomünster. Gleich nach der Ankunft erst einmal Erstaunen: In jedem Eck ist ein liebevolles Detail versteckt, kleine Herzerl, Figuren und Sprüchlein zwischen bunt gemischten und gut gehegten Pflanzen und Tieren. Ja, Tiere gibt es so viele hier! Lotti, der Hirtenhund, springt durchs Bild, Hühner gackern, hört man nicht auch Gänse? Der morgendliche Biergarten liegt ruhig und friedlich, der schöne Saal zeugt noch von der Hochzeit, die gestern hier bis zwei Uhr betanzt und gefeiert worden ist.

Alpakas curt München

Und dann geht es endlich in den Stall! Ehe wir uns versehen, stehen wir inmitten von vielen, so kuschligen Alpakas. Es ist jetzt schon herrlich! „Nicht anfassen!“ – Na gut, noch nicht. Eine Viertelstunde sollten sie schon haben, die lieben Viecherl, sie müssen sich schließlich auch erst an uns gewöhnen. Einige tragen Namensschilder um den Hals, hilfreiche Hinweise im sonst so unübersichtlichen flauschigen Gewusel. Franz fällt sofort auf. Er besticht durch Optik. Andere durch stürmischen Charakter oder auch einfach durch auffälliges G’schau.

Alpakas curt München

Ein altes Sprichwort aus den Anden warnt den geneigten Alpaka-Neuling: „Wer einem Alpaka zu lange in die Augen schaut, der …“ Nein, wird nicht angespuckt, das waren doch Lamas! Alpakas spucken nicht, na ja, nur selten zumindest. Die Weibchen wehren sich so schon einmal gegen aufdringliche Verehrer, aber Menschen sind vor Spotz-Attacken sicher. Nein, also viel romantischer: „Wer einem Alpaka zu lange in die Augen schaut, wird sich für immer verlieben.“ Genauso ist es Christian Tesch vor nun rund acht Jahren ergangen. Bei einer Reise nach Nordamerika ging er zum ersten Mal auf Tuchfühlung mit der besonderen Kamelart. Zurück in München wird aus der Schnapsidee ernst und Christian machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Ort für seine Zucht. Fündig wurde er im Dachauer Hinterland. Eine Mühle sollte das neue Zuhause für ihn, seine Familie und rund 40 Alpakas werden. Berti Well, ein Mitglied der großen Musikerfamilie, bot die Weilachmühle in Thalhausen zum Verkauf. Die Teschs griffen zu und übernahmen nicht nur den Stall für die neue Tierschar, sondern belebten auch den wunderbaren Biergarten für Ausflügler und Ortsansässige und den Saal für Hochzeiten. Im ersten Jahr war es nur ein einziger, mittlerweile sind alle Termine für die nächsten zwei Jahre ausgebucht.

Für die Alpaka-Zucht ließ Christian Tesch einige Muttertiere mit exzellentem Stammbaum aus Australien und Neuseeland einfliegen. Die stammten aus riesigen Herden und haben vermutlich nur einmal im Jahr einen Menschen zu Gesicht bekommen. Spucki zum Beispiel beschäftigt vier kräftige Helfer zum Festhalten, wenn die Wolle geschert werden soll. Und ja, sie beweist (wie der Name schon sagt), dass Alpakas doch manchmal spucken. Die geht sicher nicht mit auf Wanderungen. Genauso wenig Enzo, der Zuchthengst, ein Juwel der Alpaka-Zucht mit ausbalanciertem Körperbau und hervorragenden Faserwerten.

Alpakas curt München

Die Ausflüge bestreiten eher die Jüngeren. Franz ziert sich erst, wird aber doch auch mit einem Halfter ausgestattet. Am Karabinerhaken hängt die lange robuste Leine. Jetzt ist also jede Frau unserer Gruppe mit einem tierischen Begleiter verbunden. Regeln gibt es wenige, der Haufen sortiert sich selber, man muss nur manchmal die trantütigen Exemplare etwas animieren. Gefahr liefern die paar Autos, die an manchen Teilstücken auftauchen können, oder Gullideckel. Klar, die sind in den Anden, der Alpaka-Urheimat, auch eher selten. Die ersten Meter des Weges werden also zum fröhlichen Sortieren genutzt. Vorneweg marschiert Charly, der Größte der Wandergruppe. Wenn der freche Feivel probiert, ihn zu überholen, dann bekommt er schon mal eins auf die Nuss. Auch das Ende ist definiert. Drogo, ein weiteres imposantes Exemplar, macht das Schlusslicht, und zwar sehr konsequent. Die Herde bleibt immer zusammen und läuft im Gänsemarsch. Während im Stall die Alpaka-Frauen herrschen, sind es beim Ausflug die Alpaka-Männer, die die wichtigen Positionen belegen. Zwischen Charly und Drogo also sortiert sich alles ein: Franz, Feivel, Frieda, Fee, Edgar und wie sie alles heißen, überholen sich anfangs oft, bringen die Leinen in Chaos, bis dann endlich eine für alle passende Reihenfolge gefunden ist.

Alpakas curt München

Und jetzt wird marschiert. Das Dachauer Hinterland liegt schön zwischen Maisfeldern, Wäldern, Bach und Wiesen. München scheint gerade unendlich weit weg. Egal wie wild oder kurz die letzte Nacht war, hier kommt nun jede zur Ruhe. Eine angenehme Entspannung geht von den gemächlich dahinstampfenden Tieren aus und überträgt sich auch ans andere Ende der Leine. Christian erklärt dabei allerhand, zum Beispiel dass die Alpakas einmal pro Jahr geschert werden und ihre Wolle für Allergiker super geeignet ist. Strickwaren oder auch Bettzeug sind daher sehr gefragt. In der Weilachmühle wohnen nur weiße Alpakas. Die sind besonders praktisch, weil sich aus ihrer Wolle alle denkbaren Farben herstellen lassen. Außerdem gibt es in Thalhausen auch ein paar im wahrsten Wortsinn ausgezeichnete Exemplare. Die schönsten dürfen auf Alpaka-Schau und haben schon zahlreiche Preise heimgebracht.

Weil die Alpaka-Zucht immer gefragter wird, verkaufen die Teschs auch jedes Jahr einige Tiere. Schweren Herzens natürlich! Wenn die erst einmal einen Namen haben, will man ja keins gern hergeben. Aber das ist auch notwendig, damit die Herde nicht zu groß wird. Ansonsten sind sie recht pflegeleicht, fressen Heu oder Gras und würden auch nie in ihr „Wohnzimmer“ oder auf Wanderung kacken, sondern tatsächlich nur in einem „Klo-Bereich“. Anfassen darf man die Alpakas dann natürlich doch noch, aber vor allem an der Seite und auf dem Rücken. Die Puschel auf dem Kopf sehen zwar verlockend aus, aber da mögen die Tiere leider nicht gern angefasst werden. Überhaupt sind sie keine richtigen Schmuser.

Auf einmal zieht die Truppe, die grad noch so gemütlich unterwegs war, ordentlich im Tempo an. Die Alpakas kennen den Wanderweg und wissen, dass gleich eine Stelle mit herrlichem Klee wartet. „Logisch, das ist genauso wie wenn wir auf Wanderung einen Biergarten sehen“, sagt eine aus unserer Gruppe und hat natürlich recht. Doch vor der verdienten Futterpause wird es noch einmal spannend. Der örtliche Jäger ist unterwegs und seine zwei Hunde laufen ohne Leine durchs Gelände. Die Alpakas sind unter Höchstspannung! Und wir sorgen uns gleich um unsere wuschligen Begleiter. Alle halten ihr Tier fest am Karabiner. Das ist auch gut so, allerdings ist die Gefahrenlage eher umgekehrt. Alpakas sind auf Hunde nicht so gut zu sprechen. Wenn ihnen einer zu nahe kommt, machen sie den schon mal fertig. Gemeinschaftlich versteht sich, sind ja soziale Tiere. Auch Lotti, die Hündin, die den Wandergang immer begleitet, weiß das. Sie provoziert schon manchmal, hat aber auch Respekt vor den Wollknäulen.

Alpakas curt München

Endlich ist der Klee da! Wir sind auch sehr froh über die Rast im Schatten. Die Sonne brennt ganz schön runter. Nach dem Klee-Auftanken geht es weiter durch den Wald. Wer nicht ganz trittsicher ist, hat hier schon Schwierigkeiten. Vor allem weil dein tierischer Partner am Ende der Leine eisern weitermarschiert. Alpakas haben mit keinem Untergrund ein Problem. Als es dann doch etwas unübersichtlich wird, ist Loslassen das einzige Mittel. Keine Angst, die Jungs und Mädels bleiben eh immer zusammen, da büxt niemand aus.

Nach der Wanderung sind wir einfach nur glücklich. Die Alpakas bekommen noch eine kleine Belohnung und freuen sich über ihre Kumpels im Stall. Nicht jedes Tier ist für die Wanderung geeignet. Klar, die ganz Dominanten pfeifen eh auf diese Art der Belustigung und lassen sich schon gar nicht halftern. Aber es gibt auch die Sensiblen. Ein kleines Alpaka sollte einmal mit auf seine erste Wanderung, ist aber nach wenigen Schritten schlagartig stehen geblieben, hat hyperventiliert und lag – schwupps – seitlich in der Buchshecke, mit verdrehten Augen, bewusstlos, das volle Programm! Das blieb fortan besser im Stall. Es ist eben nicht jeder ein Ausflugstyp.

Alpakas curt München

Wir dagegen haben den Spaziergang sehr genossen. Der Biergarten, der jetzt auf uns wartet, ist dabei die Krönung. Die Hitze hat uns ganz schön zugesetzt. Mit Alpakas kann man übrigens das ganze Jahr und bei jedem Wetter wandern. Sie straucheln auch bei herbstlich-matschigen Rutschpartien nicht und stellen sich im Winter bei eisigen Temperaturen wärmend als wollige Gruppe zusammen.


Weilachmühle, Am Mühlberg 5, 85250 Altomünster
> Weilachmühle auf Facebook
> Tickets für die Wanderung gibt es bei eventim.

Fotos: Lara Freiburger