13. April
Walk Off The Earth @ Zenith

Stell dir vor, du bist Musiker und lädst die Coverversion eines weltbekannten Hits bei YouTube hoch und bekommst dafür über zweiundzwanzigTAUSEND Dislikes (im Gegensatz zu Facebook gibt‘s bei YouTube auch den gesenkten Daumen). Dein Ego wäre vermutlich ziemlich angekratzt. Es sei denn, du verlierst das Gesamtbild nicht aus den Augen. Denn dann wirken diese Abertausenden Menschen, die offensichtlich nicht gut finden, was du machst, wie ein kleines Häufchen armer neidischer Würstel. Dein Video wurde nämlich nicht nur 181 MILLIONEN Mal angeschaut (35 Millionen Klicks in weniger als zwei Wochen), sondern auch von über 1,6 Millionen Menschen für gut befunden und mit einem Like belohnt.

Willkommen in der Welt von „Walk Off The Earth“!

Seit die Band, die ihre Homebase in der Nähe vom kanadischen Toronto hat, mit besagtem Cover von „Somebody That I Used to Know“ vor ein paar Jahren quasi über Nacht weltberühmt wurde, ist einiges passiert. YouTube-Star ist inzwischen ein so gebräuchlicher Berufswunsch bei Minderjährigen wie noch vor Kurzem Feuerwehrmann, Pilot oder Astronaut. Mit dem Unterschied, dass sich die Kinder, für die sich dieser Wunsch erfüllt, schon als Minderjährige zum Teil mehr Geld mit hochgeladenen Videos (und den Werbeverträgen, die daran geknüpft sind) verdienen, als ihre Eltern in klassischen Berufen. Die Band, die sich der Kürze halber selbst als WOTE und ihre Fans als WOTElings bezeichnet, wird wohl für immer auch mit YouTube in Verbindung gebracht werden, obwohl die Zahl der hochgeladenen Videos mit 165 recht überschaubar ist für einen Kanal, der seit zehn Jahren existiert. Es kommt eben nicht auf die Masse, sondern auf die Qualität der Inhalte an und was diese betrifft, halten die Kanadier die Messlatte seit Jahren sehr hoch. Nicht als Influencer, sondern als Musiker.

Nicht nur mit immer neuen äußerst kreativen selbstgedrehten Videos, wie zum Beispiel dieser Coverversion für „Hello“ inklusive zwei Gästen, deren Reißverschlüsse und ein Surfboard mit eingebunden wurden:

Wer WOTE nicht aufmerksam folgt und so den Eindruck bekommen hat, dass Sarah, Gianni, Ryan, Joel und Mike nur bekannte Hits covern, die dann jeweils Klickzahlen im zweistelligen Millionenbereich auf YouTube erzielen, dem sei gesagt, dass in den letzten Jahren auch das eine oder andere recht erfolgreiche Album mit selbstgeschriebenen Songs veröffentlicht wurde. WOTE ist mehr als die kleine, familiäre Band mit dem „Hippie-bis-Hipster-Look“, als die sie sich sehr glaubhaft auf allen erdenklichen Social-Media-Kanälen von Instagram bis Snapchat präsentieren. In den Worten ihres Managements: „A band that is obsessed with making killer music in all its forms.“ Womit auch die schwierige Frage nach dem Genre elegant umschifft wäre. WOTE ist inzwischen eine „Brand“. Berühmt und bekannt genug, um die Halbzeitshow, eines der denkwürdigsten Playoffspiele der diesjährigen NFL-Saison live rocken zu dürfen:

Die erste USA-Tour seit drei Jahren, auf der sich die Kanadier im Moment befinden, ist übrigens nur Teil einer „Worldtour“, auf der die Weltstadt München natürlich nicht fehlen darf. Der zweite von vier Tour-Stops in der Bundesrepublik ist hier im Zenith und die Tickets vermutlich schnell vergriffen, denn live ist WOTE noch besser als am Bildschirm.


Walk off the Earth // 13. April // 20.30 Uhr // Zenith // VVK 33 Euro zzgl. Gebühren


About Christian Gretz

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Jahrgang 1980, geboren und aufgewachsen im Allgäu. Nach dem BWL-Studium erster Job in München in einer Marketingagentur mit ausschließlich spanischen Kunden, die unwillig waren, Englisch zu reden – letztlich der Grund dafür, dass er heute fließend Spanisch spricht. Den Projektmanagerjob nach sieben Jahren an den Nagel gehängt, gegen einen Rucksack getauscht und den Globus umrundet. Seit Sommer 2011 wieder zurück (in der curt-Redaktion und) im geliebten München und damit beschäftigt, das selbstgegründete Stadtführungsunternehmen „ui muenchen“ (www.ui-muenchen.de) zum Erfolg zu führen. Mit jeder Menge Liebe für – und detaillierten Infos über – die schönste Stadt weit und breit. Nicht nur für Touristen. Auch für Münchner!