8. November
TWENTY ØNE PILØTS

Adieu, ihr journalistischen Grundprinzipien. Objektivität, Neutralität, Sorgfaltspflicht – drauf geschissen. Ich kann nicht anders, nicht bei dieser Band, eher sage ich frank und frei: Ich. LIEBE. Twenty-one Pilots. Ich kann alle Texte mitsingen. Ich möchte sie essen.

So, Fakten her. Twenty-one Pilots sind zwei Jungs aus Ohio, multiinstrumentelle Autodidakten, schreiben schlaue Lyrics und machen live richtig Rabatz. Allerdings muss man sich auf ihren Sound erstmal einlassen. Die meisten Songs haben eine ungewohnte Struktur, fangen in einem Genre an, hüpfen leichtfüßig ins nächste und wieder zurück. Fast so, als könnten sich die beiden nicht zwischen Folk, Rap, Reggae, Emo, Indie und Pop entscheiden. Auch textlich oszilliert es wild, zwischen Tiefgrund und Humor, Weltschmerz und Lebensfreude. Schwierig, die Band in einer musikalischen Ecke zu verorten – das Echolot reicht einfach nicht weit genug. Mit „Stressed out“ wurde das Duo quasi über Nacht bekannt. Eine Hip Hop-Nummer, die so gar nicht Hip Hop ist. Denn es geht um Muttis, die Schlaflieder singen, um small twon tristesse und das Spannungsfeld zwischen Kindbleibenwollen und Erwachsenwerdenmüssen.

Markenzeichen der Band die Chamäleonstimme von Tyler Joseph, mit der er sowohl zart-baladig singt, als auch rappt und, in dramatischen Momenten, aus vollem Herzen brüllt. Nebenbei spielt er Klavier, Bass, Ukulele, Keyboard und bounct über die Bühne wie ein eleganter Flummi. Josh Dun, der Ruhepol an den Drums, veredelt das Ganze mit auf den Punkt gespielten Beats und mühelos abgerufener Energie. Fast schon legendär sind sein Backflip vom Piano und sein zweites Schlagzeug auf einer Trageplatte, mit dem er zwischendurch crowdsurft. Und ja, hot sind sie auch. Kurzum: TOP sind geiler Scheiß. Kein Wunder, dass ihre Gigs im Nu ausverkauft sind.
So auch in München. Leider!

TWENTY ØNE PILØTS // 08. November // Zenith // Einlass: 18:30, Beginn: 20:00 // Tickets: VVK 35,00 Euro zzgl. Geb. // AUSVERKAUFT!


About Julia Fell

view all posts

Exilsaarländerin, in jungen Jahren nach England verpflanzt, über einen Zwischenstopp im beschaulichen Passau in München gelandet, um irgendwas mit Medien zu studieren. Will entweder für immer hier bleiben oder doch noch nach Amsterdam ziehen. Mag Reggae, Rap, spleenige Menschen, große Männer mit schönen Augenbrauen und großer Schnauze, Gruselstreifen, Stinkekäse, Biografien und flache Witze. Mag nicht, dass ihr ständig jemand eine Berufsunfähigkeitsversicherung andrehen will. Im 9-to-5-Leben Fotoredakteurin.