Gehört: Trans Am – Volume X

Ist es ein Raumschiff auf dem Weg ins Nirwana, ein defektes Unterwassermikro oder doch nur eine Eismaschine? Das kann man bei Trans Am nie so genau sagen. Muss man aber auch nicht, so lange das Ergebnis so launig ausfällt wie hier.

Anthropozän, so lautet der Vorschlag, könnte man doch das Erdzeitalter nennen, in dem der Mensch zum größten Einflussfaktor wurde. Doch trotz seines Titels, sonderlich irdisch wirkt Albumopener „Anthropocene“ nicht gerade. Und menschlich auch nicht unbedingt. Schon möglich, dass die Vocals vor tausenden von Jahren tatsächlich humanen Ursprungs waren. Doch mehr als ein Echo, das hallend über die gleichmäßigen aufstampfenden Drums hinwegzieht, ist nicht geblieben. Und auch bei Track zwei „Reevaluations“ halten wir uns nicht länger als nötig im Alltag auf. Außer der Alltag besteht aus verfremdeten Stimmen, Loops, einem unterschwelligen Brummen und lustigen Geräuschen.

Und so geht es jetzt schon seit über zwanzig Jahren. Seit 1990 loten Nathan Means (Bass, Gesang), Philip Manley (Gitarre) und Sebastian Thomson (Drums) die Grenzen zwischen Rock und Elektro aus, zwischen Shoegazing und 80er Jahre Synthie. So richtig entscheiden wollten sich die Mitbegründer der ursprünglichen Post-Rock-Bewegung nie. Und das gilt dann auch für „Volume X“, der – wie der Name schon verrät – zehnte Longplayer in der Bandgeschichte. Die Roboterstimmen auf „K Street“ hätten auch von Kraftwerk stammen können, der megabedrohliche „Megastorm“ von Frontline Assembly und Kollegen.

Trans Am – I’ll Never from Thrill Jockey Records on Vimeo.

Trotz der vielen Synthesizereinlagen ist es dann auch oft das härtere Ende des Spektrums, an dem sich die drei Jungs aufhalten. Vor allem auf „Backlash“ geht es richtig zur Sache, wenn wir mit hohem Tempo durch ein Elektrogewitter jagen, verfolgt von einem jaulenden Gitarrensolo. Und auch „Ice Fortress“, dessen Titel eher auf starre, in stiller Ewigkeit eingeschlossene Klangstrukturen schließen lassen würde, überrascht mit treibenden Rhythmen. An jeder Ecke fiept es, überall blubbern Soundblasen aus dem eisigen Gemäuer, sodass klar wird: Unter dieser kühlen, menschenfeindlichen Oberfläche, da ist der Einfluss von Leben, wie rudimentär und fremd es auch erscheinen mag.

Nirgends wird das besser deutlich als in „I’ll Never“, der gelungenen ersten Singleauskopplung. Gerade wenn man sich damit abgefunden hat, dass wir auf den zehn Liedern alles finden, was der Computer so ausspuckt, nur eben kein Herz, dann das. „Come a little bit closer/where you can brighten the sky“ singt Nathan hier. „Please save me from frustration/it’s true/I’ll never get over you“. Immer und immer wieder. Das ist ebenso minimalistisch und monoton wie das dazugehörige Video, dessen Handlung zum größten Teil daraus besteht, ein Glas Wasser zu trinken.

Und doch, vielleicht ist es genau das. Vielleicht gibt es nicht wirklich mehr zu sagen, nachdem dein Herz gebrochen wurde und du nur noch in der Dunkelheit verschwinden möchtest. Du nach dem 22. Schluck – oder war es doch der 23.? – feststellst, dass alles Wasser der Welt nicht ausreicht, um den Kloß in deinem Hals hinunterzuspülen. Und so ist dann auch das Album mehr Stimmung, mehr diffuses Gefühl, weniger Inhalt oder Aussage, ein Soundtrack, in den man sich werfen und mittreiben lassen kann. Wirkliche Antworten findet man auf der Reise zwar nicht, aber doch genug Kurzweil, um das Hier und Jetzt zu vergessen. Und das ist ja manchmal auch schon schön.

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TEXT: OLIVER ARMKNECHT