The Virgins
im STRØM

„We’ll walk around pretending we’re all grown up – hey rich girl!“ Erinnert ihr euch? Dieser Ohrwurm mit Suchtfaktor geisterte 2008 durch sämtliche Radios, Clubs und Kopfhörer und schoss weltweiten Indierock-Junkies direkt in die Venen. Danach war erstmal Funkstille – bis sich The Virgins 2013 an ihrem neuen Album „Strike Gently“ verkünstelt haben. Mit ihrem Record Release am 26. April haben die Entzugserscheinungen ein Ende und als Entschädigung für den musikalischen Turkey kehren die vier New Yorker Jungs am 18. Juni auf ihrer Europa-Tour auch bei uns ins Münchner STRØM ein.

Ihre Unschuld haben The Virgins schon lange verloren. Und zwar an die Stadt, aus der sie kommen: Ihr New Yorker Garagen-Sound klingt im einen Moment ebenso rough, urban und kosmopolitisch wie das akkustische Ebenbild der Stadt, die niemals schläft. Im nächsten Moment klimpern uns verzerrte Gitarrentöne in eine Welt, die so oldschool ist, dass sie eigentlich schwarz-weiß sein müsste: Musikalischer Vintage-Charme, der dem sagenumwobenen Nachtleben des 70er-Jahre-New-Yorks entsprungen sein könnte, das sich in samtig-schillernden Nachtclubs tummelt und ebenso mystisch wie verrucht an Margaritas und Zigarettenhaltern à la Tiffany nippt, trifft auf unbarmherzigen und ehrlichen Indie-Rock aus den Straßen des 21. Jahrhunderts.

Und diese Umschreibung ist gar nicht mal so weit hergeholt: Donald Cumming, Frontsänger und Gründer der Virgins, war bereits als Halbstarker in genau dieser verruchten Szenerie unterwegs. Inspiriert von der dort verkehrenden Künstler-Szene und infiziert vom musikalischen Flair des Großstadtdschungels gründet er 2007 zusammen mit den zwei damaligen Bandkollegen Wade Oates und Nick Zarin-Ackermann The Virgins und legt einen sauberen Senkrechtstart hin. Nach zahlreichen Auftritten und Tourneen, aber umso weniger neuen Ideen erfolgt schließlich der Bruch der Virgins, wie wir sie kannten.

Seit 2012 gibt es drei neue Gesichter an der Seite Cummings. Sie tragen die Namen Max Kamins (Bass), Xan Aird (Gitarre) und John Eatherly (Drums), und gaben den Virgins nicht nur eine neue Besetzung, sondern auch neue Energie für ein Album, das facettenreicher nicht sein könnte: Vom guten alten Indie-Rock über New Wave, Funk, Blues und hardrockverwandten Gitarrensymphonien sind wohl aus jedem Jahrzehnt, das seit den 70er-Jahren vergangen ist, ein paar Musikfetzen hängen geblieben, die sich jetzt in „Strike Gently“ wie ein stimmiges Mosaik zusammenfügen, als hätten sie nur darauf gewartet.

Dieses ebenso raue wie betörende Album ist natürlich auch den alten Hasen des Musikbusiness nicht verborgen geblieben: The Strokes-Frontmann Julian Casablancas ließ es sich nicht nehmen, „Strike Gently“ unter seinem neuen Label CULT RECORDS herauszubringen. Kult ist es schon jetzt.

Wir dürfen Großes erwarten!

TEXT: Carina Neumann