15. Oktober
The Jesus and Mary Chain

„I hate my brother and he hates me / That’s the way it’s supposed to be”. Weit her scheint es nicht zu sein mit der Bruderliebe auf der Insel. Während sich München knapp 16 Jahre nach dem Zahnverlust der Gallagher Brüder im Bayerischen Hof endlich in Sicherheit wähnt, machen sich zwei Brüder aus Schottland in die Stadt der Weißwurst auf, um eben diese im Kessel erstarren zu lassen. Niemand Geringeres als die Rotzlöffel der 80er, Jim und William Reid – besser bekannt als The Jesus and Mary Chain, nehmen mit ihrem ersten Album seit 19 Jahren Mitte Oktober Kurs auf die Theaterfabrik.

Und noch eins haben die Bengel, die den Shoegaze mit ihrem Überalbum „psychocandy“ (1986) salonfähig gemacht haben, mit den Arschgeigen aus Manchester gemeinsam: Mastermind und Chef des für den Brit-Pop so wichtigen Labels Creation Records, Mr Alan McGee, der die Band seit 2014 wieder managed.

Just like honey scheint in Great Britain wahrlich nichts über die Bühne zu gehen. Oasis sind tot und trotz Kraftklub, wie es scheint, auf ewig zerstritten. Doch die Gebrüder Reid, die sich ihrerseits 1999 auflösten, thronen um keine Pöbelei verlegen, obwohl sichtlich gealtert, auf „damage and joy“ auf einem mehr als gelungenen Comeback. Die alten Fans von damals, die sich in darklands entführt haben lassen und zu automatic in der Schummerdisko geschwooft haben, wird es freuen. Die jüngeren Semester freuen sich darüber, die Urgesteine in Sachen ballernden Shoegaze doch noch mal vor die Live-Flinte zu bekommen. Für die Produktion zeichnet sich dabei auch niemand Geringeres verantwortlich als Martin Glover alias Youth persönlich, dem zwar keine Kopfbedeckung zu peinlich ist, der seinerseits aber die mächtigen Killing Joke seit Jahren relevant und druckvoll hält.

Beste Voraussetzungen also für eine Tour, die es in sich hat, alte Zeiten aufleben lässt und bei der die beiden Alt-Raufbolde wieder kräftig am Verzerrer drehen können. Ein Comeback in tonnenschweren Feedback-Gewittern, das mit 394.829 Facebook-Freunden (Stand: September 2017) so gar nicht um Relevanz kämpfen muss. Ihre Kämpfe tragen The Jesus and Mary Chain Gott sei Dank da aus, wo sie am fruchtbarsten sind, nämlich in der eigenen Bruderschaft, die so lange schon zum Surfen auf der Lärmwelle einladen. An Coolness kaum zu übertreffen, spielen sie am 15. Oktober dann nicht wie zu ihren Anfangstagen selbstbewusste 25 Minuten, sondern verteilen reichlich Psychocandy aus drei Jahrzehnten Bandgeschichte. Und wenn Liam und Noel schon nicht mehr zusammen frotzeln wollen, haben wir immerhin noch die Reid-Brüder, ihren unverkennbaren Noise-Pop und ganz vielleicht auch einen Satz Schneidezähne vorm Hotel.
Auf euch, Jim und Will, und ein herzliches slàinte mhath!


The Jesus and Mary Chain // Support: Cold Cave // 15. Oktober // Beginn: 20 Uhr // Theaterfabrik // VVK 34 Euro zzgl. Gebühren
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