The Icarus Line im Atomic Café

Mit „penance to soiree“ brach fernab vom Walk of Fame und den Buchstaben, die Kino bedeuten, für die Hollywood-Chaoten von the Icarus Line in den 00ern der Sturm los. Am 12. November legen sie euch mit ihrem neuen Werk „slave vows“ im Atomic Café vor den Verstärkern an die Ketten und halten euch gesplittertes Glas an den Hals.

Schon seit 1998 scheren sich die… ja, was sind sie eigentlich? Punk, Noise oder Alternative Rocker? Auf jeden Fall scheren sie sich um nichts. Über etliche Fluktuationen innerhalb ihres Line-Ups und die kurzweilige Aufmerksamkeit der Musikpresse wohl genauso wenig, wie um ihre Platzierung innerhalb der „1001 albums you must hear before you die“.

Beweisen müssen sich die Erbarmungslosen rund um den Derwisch Joe Cardamon absolut gar nichts mehr. Irgendwo zwischen Alec Empire, den Stooges und ganz viel Chuzpe für alles, was man mit den drei Basis-Instrumenten Bass, Gitarre und Schlagzeug an geilem Krach bewerkstelligen kann, wird gerne mal der common sense überschritten. Zu viele Geschichten, zu rockig um wahr zu sein, ranken sich um die einzelnen Band-Mitglieder: Gitarristen-Spot bei den Nine Inch Nails, das viel umstrittene Musik-Portal Buddyhead, Schändung von Hard Rock Cafés, Support-Act von Killing Joke, sowie blanke Konten und Obdachlosigkeit des Frontmanns.

Auch nach fast 20 Jahren Bandgeschichte stehen the Icarus Line knietief im oft herbeiorakelten „death of rock ‘n’ roll“ und scheinen nicht müde zu werden, sämtliche Hinterteile zu treten, die es nunmal nötig haben.

Und das aufrechter denn je. Lauthals und ganz weit vorne zeigen sie dem Hipster-Rock der Neuzeit den Stinkefinger. Und gerade deshalb erobern Joe und seine Kollegen mit dem 11-minütigen Opener „dark circles“ der neuen Scheibe „slave vows“ wieder einmal die Herzen der Kritiker. Die 7 übrigen Songs tun es ihm gleich. Anders als ihr Meisterwerk, aber trotzdem mit den Reglern auf 11 gedreht: “It’s just enough to drive you wild”.

Reichlich Feedback, eine kantige Produktion und laut pulsierende Rhythmen sind Zeuge dafür, dass hier einfach nicht nur Instrumente eingestöpselt werden, sondern auch elektrifizierendem und blut-gesprenkeltem Rock’n’Roll freier Lauf gelassen wird.

Wer mit reichlich Wachs unter den Schwingen der Sonne zu nahe kommen und  gleich danach  tief in den Moshpit fallen will, das aber höchstens inmitten unbändiger Ekstase, der ist herzlich willkommen.

TEXT: TIM BRÜGMANN