Gehört: The Fog Joggers – „From Heart to Toe“

Es gibt ja Dinge, bei denen ich Zeit meines Lebens nicht verstehen werde, wie sich Leute dafür begeistern können. Bollywood ist eins davon. Spargel. Und natürlich Joggen. Nicht nur, dass es sterbenslangweilig ist, ständig muss man sich mit Fahrradfahrern, Kinderwagen oder Hunden darum streiten, wem den nun der Weg gerade gehört. Immerhin, bei schönem Wetter darf man etwas frische Luft und die Natur genießen. Das Ganze aber bei Nebel zu machen, viel deprimierender kann es nicht mehr kommen.

Wer den Bitburger-Song „Waiting in the Wings“ noch in Ohren hat, weiß aber, dass The Fog Joggers trotz ihres Namens gar kein so großes Interesse an zelebrierter Depression haben. Vielmehr machen die vier Jungs aus Krefeld bodenständigen Indie-Rock, mit einem Auge auf den Popnachbar schielend und mit viel guter Laune im Herzen. Und die darf von dort aus schon mal in die Beine bis zu den Zehen weiterwanden, wenn man dem Titel ihres zweiten Albums vertrauen darf.

Und das darf man durchaus, die elf Lieder erinnern an Zeiten als die Alternativecharts noch regelmäßig von adretten, griffigen Gitarrenbands wie Third Eye Blind, Goo Goo Dolls oder Gin Blossoms bevölkert wurden. Schöne Melodien, dazu ein paar fröhlich schrammelnde Gitarren und ansprechende Vocals – mehr fehlte nicht zum Glück. Und vn diesem Weg weichen The Fog Joggers auch kaum mehr ab. Hörenswert ist das Ergebnis, gerade die unverschämt eingängige Vorabsingle „Take Away“ mit ihrer Bryan-Adams-Anmutung hat gute Chancen, ihren Weg auf so manche Radioplaylist zu finden

So wie hier ist auch der Rest des Albums nett und schnörkellos, wirklich weh tun wird sich bei dieser Musik niemand. Die mehrstimmige Mitsingnummer „Lightning in a Bottle“ würde sogar ohne großes Aufsehen zu erregen als Nummer einer Schülerband auf einem Abschlussball durchgehen. Wenn Frontsänger Jan Büttner auf „Hold On“ auch noch „I Wanna Dance the Night Away“ singt, sieht man sie auch schon vor sich, die verträumt-schmachtenden kleinen Mädels in der ersten Reihe.

Wenn The Fog Joggers doch noch vereinzelt gemeinere Tendenzen zeigen, dann durch ihre Texte. Schon der Titel „Middlefinger“ deutet an, dass es hier nicht mehr ganz so politisch korrekt und backfischkompatibel zugeht. Und das bestätigt sich auch während der nächsten nicht mal drei Minuten:

„I don’t know what I’m dreaming of
but I’m not dreaming of you
So point your middlefinger
And I point it back at you“

So wie hier sind auch die anderen Lieder recht kurz gehalten, nur drei der elf überspringen überhaupt die 4-Minuten-Marke. Dennoch hätte das alles noch ein bisschen konzentrierter sein dürfen, bei vielen Tracks verlässt sich die Band zu sehr auf leicht ermüdende Endlosschleifen des jeweiligen Chorus. Ein Beinbruch ist das aber nicht. Unterhaltsam? Ja, das ist „From Heart to Toe“ trotz allem. Gerade wenn das Wetter wieder besser wird, bietet der gut gelaunte Pop-Rock den passenden Soundtrack dazu. Und sollte es doch unerwartet noch zu gelegentlichem Nebel kommen, habt ihr mit dem Album zumindest eine Alternative, die deutlich spaßiger als Joggen ist.

TEXT: Oliver Armknecht