Im Gespräch
Streetlife Festival 2016

Das Festival das öffentlichen Raums auf 1,5 km Länge – veranstaltet von Green City, für mehr Umweltschutz in München – geht auch dieses Jahr wieder in eine neue Runde. Zwei Tage autofreie Zone, Zeit für Bewusstsein, Mensch und Umwelt. Und Gaudi!

curt sprach mit Tina Schmitt (oben links im Bild), verantwortlich für Projekt- und Ausstellermanagment und Sponsoring, über die Entwicklung des Festivals, Motivation der Gründer und Highlights.

Wie kam es zum ersten Streetlife Festival ever?
Das allerallererste Streetlife Festival fand vor 16 Jahren statt. Damals dachten sich ein paar Green City Gründer, dass zum Anlass des europaweiten Car Free Days auch was in München gemacht werden müsste (Green City hatte am Anfang ja noch den genialen Namen ‚Autofrei2000‘). Beim ersten Streetlife fand das ganze auch noch nicht auf der Ludwig- und Leopoldstraße, sondern vom Königsplatz zum Odeonsplatz statt. Die Idee dahinter war es, mehr Leben in die Stadt zu bringen, den Menschen die Straße wieder zurückzugeben und zu zeigen, wie eine menschenfreundliche Stadt aussehen könnte.

Was hat sich seitdem beim Festival getan?
Zum einen hat sich der Ort des Festival verändert – seit 2001 sind wir auf der Ludwig- und Leopoldstraße und fühlen uns hier richtig wohl. Wenn man sich die Geschichte der Straße anschaut sieht man auch, dass das, was wir heute als eine der meist befahrensten Straßen Münchens kennen (und hier vor allem die Porsche und Audis gerne auf 100 beschleunigen und sich richtig geil fühlen) vor 50 Jahren eine wunderschöne Promenade war. Und dieser Idee haben wir uns auch mit der Zeit immer mehr verschrieben: die Stadt anders denken, nicht so wie sie gerade ist. Als Festival des öffentlichen Raums versuchen wir das komplexe Thema der Stadtgestaltung, also der Frage, wie Städte geplant werden, wie sie sich verändern, was man braucht um in ihnen zu leben, spielerisch den Besuchern mitzugeben. Erst waren wir ein reines Umweltfestival. Heute liegt unser Fokus auch zunehmend im Umdenken des öffentlichen Raums. Der Themenschwerpunkt beinhaltet ja auch Klima- und Umweltschutz, ist aber noch mehr im urbanen Raum verortet.

Wie kann man sich die Vorbereitungen für so ein großes „Straßenfest“ vorstellen? Welchen zeitlichen Vorlauf habt ihr? ‘
Im Gegensatz zum herkömmlichen Straßenfest, das ja nur in einer Straße stattfindet, dort ein paar Bühnen aufbaut, Biertische hinstellt usw. ist der Aufwand vom Streetlife Festival um einiges größer, weil unser Anspruch ja auch ein anderer ist. Wir wollen nicht nur ein Fest in der Straße machen, sondern den gesamten Festivalraum (rund 70.000 Quadratmeter) umdenken, umgestalten, anders machen. Wir fangen so circa ein dreiviertel Jahr vorher mit der Planung an um alles auf die Beine zu stellen. Am eigentlichen Festival Tag brauchen wir gerade 4 Stunden um das Festival weitestgehend von Null aufzubauen, Bäume auf die Straße zu bringen, Stände und Bühnen aufzubauen, etc. Ich finde es jedes Mal faszinierend, wie wenig Zeit man dafür braucht etwas richtig Cooles aus der Stadt zu machen.

Wie viele Leute arbeiten mit? Wie finanziert sich das?
Im Kernteam arbeiten vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zwei Auszubildende (die aber auch noch andere Veranstaltungen im öffentlichen Raum und rund um den Klimaschutz durchführen) und dann braucht es natürlich immer wieder sehr viele engagierte Freiwillige, die uns helfen das Festival aufzubauen, es abzubauen, und mit uns die Ludwig- und Leopoldstraße am Sonntag in der Nacht zu kehren. Während des Festivals sind über 1.000 Menschen im Einsatz.

Was sind eure persönlichen Highlights auf dem Festival?
Der Moment kurz nachdem die Polizei die Straße geräumt hat und kurz bevor die Aussteller auf die Straße kommen. Da ist so eine unglaubliche Stimmung. So leise und gleichzeitig so voller Energie.

Was gibt es für Neuerungen dieses Jahr auf dem Festival?
Ganz besonders stolz sind wir dieses Jahr auf unseren neuen FairWert Basar. Zwischen Geschwister-Scholl-Platz und Siegestor findet man hier über 30 local dealers, die ihre fair und/oder ökologisch produzierten Produkte von upgecycleten Taschen über faire Klamotten anbieten. Zum ersten Mal kann man also auch richtig schöne Mitbringsel auf dem Streetlife ergattern und dabei gar kein schlechtes Gewissen haben. Mit dem Basar wollen wir nachhaltige kleine Start-Ups unterstützen und dem lokalen und fairen Handel eine besondere Präsentiermöglichkeit bieten. Wer kann schon von sich behaupten, seine ökologisch gemachte Hose mitten auf der vierspurigen Ludwigstraße verkaufen zu können.

Streetlife Festival 2016 // 11. Juni (16 bis 02 Uhr, 12. Juni (11 bis 20 Uhr) // Ludwig- und Leopoldstraße // Alle Infos zu den Themenbereichen und Bühnenprogramm findet ihr HIER

 


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curt München Art Direktion, Redaktionsleitung & Master of Self-Exploitation.