Gehört: Soon – Vol. I

Aus dem Nichts taucht die Band mit dem unspektakulären Namen Soon auf und haut im Vorbeigehen ein absolut überzeugendes Debütalbum raus. Was sind das für vier Typen?

Erste Spuren im Netz führen nach Hamburg. Harte Gitarrenriffs, Darkwave-Elemente … könnte passen. Aber die Hanseaten haben schon mehrere Alben am Start. Es muss sich also um andere Soon handeln.

Diese Band hier kommt aus den USA und ist ein Projekt der beiden The Love Language-Musiker Stuart McLamb und Thomas Simpson, die mit Rob Walsh (Bitter Resolve) und Mark Connor die düsteren und schwermetallischen Ecken der Rockmusik ins Visier nehmen. Ein ziemlicher Gegensatz zu dem smithsigen Indierock der Hauptband. Mal richtig fies und doomy zu sein, macht schließlich auch Spaß.

Der Opener We Are On Your Side fräste sich mit einem repetierenden Riff tief in die Gehörgänge. Die Typen haben sich die Crossover-Plattensammlung aus den 90er-Jahren intensiv angehört. Orientalisch anmutende Klänge, die man sonst von Jane‘s Addiciton oder Tribe After Tribe kennt, lassen den auf  Vol. 1 angeschlagenen Sound wohltuend aus der Masse der Retro-Doomwelle herausstechen. Die Schönheit des Albums ist dann allerdings doch der ruhigste Track. Mauveine ist ein nur von Gitarre und Cello begleiteter, bittersüßer Klagegesang bei dem Stuart McLambs dunkle Stimme zur vollen Geltung kommt. Soon können mich mit Vol. 1 auf Anhieb überzeugen und gegen Vol. 2 oder 3 hätte ich in Zukunft auch nichts einzuwenden.


Soon – Vol. 1 // Temple Of Torturous / M-System VÖ: 04.03.2016