Gehört: Snorre Schwarz – Berlin Gumbo

Chillige Voodoo-Verwünschungen aus der Hauptstadt. Schlagzeuger, Komponist, Kiezphilosoph und Wortschmied in Personalunion. Snorre Schwarz aus Berlin ist Grenzgänger, Tausendsassa und seit 2009 solo unterwegs. Dabei entkam Snorre Ende der 80er dem beschaulichen Göttingen, roch am Klebstoff aus Punk und widmete sich nach vielen weiteren musikalischen Stationen schließlich der Weltmusikszene und den ewigen Weiten der Polka-Mucke. Der passionierte Musiker blickt dabei über den Tellerrand hinaus und auf zwei Alben namens Petit Berlinois und Piepen & Zinnober zurück. Aber Moment … Ist Weltmusik neben der dunkelsten Ecke im Mediamarkt nicht auch irgendwo eine Beleidung des guten Musikgeschmacks? Keineswegs, denn Snorre Schwarz schneidet tief ins Fleisch, legt sich unter der Haut ab und infiziert den Hörer mit einer betörenden Mixtur aus Sprechgesang, Stand-Schlagzeug und einer ganz eigenen Würze diverser Einflüsse. Nun steht seine EP Berlin Gumbo im Regal und klingt trotz aller Lautmalerei erfrischend wenig unaufdringlich nach Berlin.

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https://www.youtube.com/watch?v=aMAI1UbQsCM

 

Als Snorre den Fahrstuhl zum Haus betritt, betritt er eine andere Welt. Ist das ein Traum oder ist das Erinnerung? Halluziniert er oder hört er tatsächlich Stimmen, in welcher Zeit, in welchem Raum ist er hier. Ist das hier?

Musik gegen den derzeit grassierenden Stubenkoller, voller Witz, Charme und verspielter Weirdness. Peter Fox in gutartig, ein wenig Deichkind’scher Nebel und doch ganz eigen. Snorre Schwarz überrascht mit sechs Voodoo-Zaubern auf 20 Minuten. Der perfekte Soundtrack gegen forcierte Selbstoptimierung und den Drang in zwangsweise ruhigen Zeiten unnötig emsig zu sein. Füße hoch und sich einfach mal dem Flow hingeben, von Kreuzberg bis nach Damaskus. Versiert an den Knöpfchen gedreht und an den Saiten gezupft, so kommt das Ganze sympathisch melancholisch daher und macht den Müßiggang zum Abenteuer.

Gewerkelt hat Snorre Schwarz auf jeden Fall genug! Seine Diskographie mit Bands wie Di Grine Kuzine, Die Fremden oder den Polkaholix ist nicht gerade klein, auf Tour ging es u.a. mit Maximilian Hecker bis nach Asien, und auch Katharina Frank und Rotfront Emigrantski Raggamuffin erwies er seine Dienste. Sein neuester Streich mit Namen Berlin Gumbo wurde in enger Kooperation mit Bastian Ernicke im Peter Miese Studio in Berlin Buchholz produziert und öffnet jedem das Dritte Auge, der bereit ist, sich seiner tiefschwarzen Snorre-Magie hinzugeben. Gumbo, das ist nicht nur ein feines Süppchen aus der Cajun-Kitchen, auch auf dem heimischen Plattenteller weiß dieser szeneignorante Eintopf zu gefallen.

Poetisch, knarzig, stylisch – als hätte sich Tom Waits in der Dreigroschenoper verirrt. Da fließt dem Haifisch keine Träne vom Gesicht, da wird um Nachschlag gebeten!


Gehört: Snorre Schwarz – Berlin Gumbo // Fisimatenten Records // VÖ: 06. März 2020 > Homepage