SLUT im Freiheiz

The next big thing will be followed by the hell of a thing instead. Fünf Ingolstädtern ist etwas gelungen, wovon viele Bands aus deutschen Gefilden nur träumen. Mit bereits 7 Studioalben schwanger gewesen und zahlreichen EPs und Nebenprojekten unter der Kappe, blicken Slut (ausgerechnet aus dem sonst eher musik-spärlich besäten Bayern) auf eine ernstzunehmende Karriere. „The next big thing“, so der Titel der ersten Singleauskopplung, waren sie nie, aber sie sind immer noch da. Und spielen am 31. Januar in der Freiheizhalle.

Seit nun 20 Jahren schreibt die Band ihre eigene Geschichte, kleckert selten, klotzt dafür aber mit jedem Album in neue Richtungen und knüpft stets an ihre Wurzeln an. Weiterentwicklung ist auch das Rezept womit Slut seit Jahren eine treue Fangemeinde er- und bespielen, auf wohlwollende Kritikerohren treffen und stets neue Wege gehen. Und all das mit sympathischer Bescheidenheit.

Zwar sind Slut trotz all ihrer Ideen und Einfälle vor allem durch ihre eingängigen und geradlinigen Rocker bekannt. „Time is not a remedy“, „easy to love“ oder „why pourquoi“ gehören ebenso zu den Live-Staples, wie Experimentelles und Stücke der ollen „Dreigroschenoper”, die sie 2006 vertonten.

Auf „Alienation“, das auf ein für eine Indierock-Band nicht weniger alien-eskes Projekt, gemeint ist die „Schallnovelle“ featuring der viel bepreisten Autorin Juli Zeh, folgt, melden sich Slut mit Balance zurück.

Die Drums sind weiterhin treibend, der Gesang von Christian Neuburger bleibt gewohnt melancholisch bis leicht heiter und die Songs weisen stets ein gewisses 80er-Flair auf, ohne allzu gewollt Retro-Staub aufzuwirbeln. Und so verbinden die Bayern gekonnt kernige Rocknummern mit exotischen Stücken wie dem sitar-beschwingten „silk road blues“ oder dem nervös bleependen „broke my backbone“ oder eben der ingoldstädt’schen Heimatode mit Augenzwinkern „Alienation“.

„Braucht’s des?“ Eine Frage, die sich Slut nie gestellt haben. Einfach los!

Die Freude am Experimentieren hört man aus jedem der 12 Tracks heraus. Ob das nun aber an sage und schreibe fünf Produzenten, die sich für Sluts „Neue“ verantwortlich zeigen, liegt, weiß man jedoch selbst nach dem Album-Closer „holy end“, das so auch locker von Thom Yorke hätte spendiert worden sein können, nicht so genau.

Klar ist aber: Slut gehören ohne Umschweife zu den interessantesten und energetischsten Bands im deutschen Sektor. Und das zu Recht!

Dass sich Christian, Rainer, Gerd, Matthias und René trotz ihres lautmalerischen Bandnamens nie unter Wert verkauft haben, wollen sie mit „Alienation“ unterm Arm auch auf dieser Tour unter Beweis stellen. Die ersten Shows wurden bereits gefeiert und am 31. Januar wagen Slut dann schließlich auch wieder den Trip von IN nach MUC in die Freiheizhalle.

„Braucht’s des?“ Unbedingt!

TEXT: TIM BRÜGMANN