28. März
Skyharbor @ Backstage > ABGESAGT

Wenn man es schafft, einer seit Jahrzehnten etablierten und international dermaßen erfolgreichen Band wie den Deftones ein wenig die Show zu stehlen, kann man das getrost als Qualitätskriterium heranziehen. So geschehen im April 2017, als die Kalifornier zuletzt in München vorstellig wurden und sich die indisch-amerikanische Prog-Metal-Truppe Skyharbor ins Boot holten, um den Abend anzuheizen. Das taten die Mannen um Bandgründer Keshav Dhar dann auch so überzeugend, dass Chino Moreno & Co. sich schon ziemlich strecken mussten.

Damals stand Sunshine Dust, das dritte Studioalbum des Quintetts nach Guiding Lights und Blinding White Noise: Illusion & Chaos, bereits kurz vor dem Release. Aber irgendwie passend zu den personellen Umwälzungen, die die Band seit 2015 mit dem Austausch von Sänger und Drummer durchgemacht hatte, kam während der Aufnahmen irgendwann Unzufriedenheit auf, alles wurde zurück auf Los gesetzt und das gesamte Album nochmals neu eingespielt.

Was auch immer genau die Gründe für die Extrarunde waren, herausgekommen ist letzten Endes mit Sunshine Dust ein Album, welches Freunden des atmosphärisch-melodischen, modernen Progressive Metals ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürfte – und das durch die nochmals gesteigerte Zugänglichkeit auch das Potenzial hat, dem Genre neue Fans hinzuzugewinnen. Verglichen mit dem Vorgänger rangieren die 12+1 Songs im Durchschnitt bei ein bis zwei Minuten weniger Laufzeit, prog-typische Long Tracks à la Guiding Lights oder The Constant, die die 9-Minuten-Marke knacken, fehlen gänzlich. Dafür sind die Melodien noch größer, die Läufe noch tighter, die Refrains noch hymnischer, das Songwriting klarer und strukturierter. TesseracT lässt nicht von Ungefähr grüßen, ist doch – Stichwort personelle Umwälzungen – Leadsinger Eric Emerys Vorgänger kein Geringerer als das neue TesseracT-Goldkehlchen Dan Tompkins, der vor seinem Zwischenspiel bei Skyharbor bereits das alte TesseracT-Goldkehlchen gewesen war. Trotz der recht hoch hängenden Trauben gelingt es Emery dabei, Tompkins Erbe würdig anzutreten und der Band neue, eigene Impulse zu geben. Wenn Skyharbor gegen Ende des Albums unter anderem mit einem Song wie dem djentigen Dissent zeigen, dass sie trotz der Einsteigerfreundlichkeit Sunshine Dusts immer noch eine gewisse Härte an den Tag legen können, überzeugen die Vocals mit kurzen Scream-Parts und stilistischer Abwechslung, die die Genre-Könige auf ihrem Neuling Sonder zuletzt ein wenig vermissen ließen. Zweifelsohne: Mit Sunshine Dust zementieren Skyharbor ihren Platz im Oberhaus des Modern Prog Metals.

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https://www.youtube.com/watch?v=OoyC7j7M03U

 


Skyharbor – Sunshine Dust Europe Tour 2019 > Homepage // 28. März // Beginn: 20 Uhr // Backstage/Club // VVK 18 Euro zzgl. Gebühren // Das Konzert wurde abgesagt