10 Jahre Rote Sonne – Im Gespräch mit DJ Upstart

VERLOSUNG // Kaum ein Stern leuchtet schon so lange an Münchens Techno-Nachthimmel wie sie: die Rote Sonne. Schon seit stolzen 10 Jahren geben sich im Club auf dem Maximiliansplatz namhafte DJs die Klinke in die Hand– Zeit, um mal so richtig auf den Putz zu hauen! curt hat mit Plattenlabel-Inhaber und Clubbetreiber Peter Wacha aka DJ Upstart von der Roten Sonne über die Anfänge, kuriose Momente und das Geburtstagsprogramm gesprochen.

10 Jahre Rote Sonne – beachtliches Alter für einen Club, oder?

Kann man wohl meinen. Nur wenige Clubs wie das Harry Klein, der Pudel in Hamburg oder der Tresor in Berlin haben noch mehr Jahre auf’m Buckel! Sozusagen die Gilde der Qualitätsclubs!

Was war die Geburtsstunde?

Vielleicht wirklich das Ende des Ultraschall Clubs, wo ich fürs Booking zuständig war. Gast- bzw. Fremdveranstalter zu sein, war auf Dauer richtig unbefriedigend. Als ich von Richard Rieger und Sven vom Pimpernel angesprochen wurde, dass sie das alte Fortuna aufgerissen haben, hat es sofort gefunkt und wir haben noch Dorle, Martin und Rübe ins Boot geholt und losgelegt.

Wir suchten nach einem Namen, der nicht sofort mit Techno assoziiert wird. Der Vater unseres damaligen Bookers Gabriel Pakleppa schlug ihn vor, und der Background, dass es einen gleichnamigen 68er Revoluzzer-Film mit Uschi Obermaier gab, der auch noch in München spielt, passte in unseren Augen perfekt. Natürlich auch die Wortspielerei, die Frage der besorgten Eltern, „wo warst Du denn die ganze Nacht“ … „ja in der Sonne!“.

Upstart

Wie sah die Technoszene vor 10 Jahren aus?

Ich glaube, wir befanden uns 2005 so ein bisschen in einem Leerlauf, was die Technomusik anging. Gleichzeitig brach viel auf und es wurde stilistisch viel experimentiert. Wir wollten diese Facetten und musikalische Offenheit in unseren neuen Club beleuchten, pushen, zelebrieren.

Wir haben im August 2005 eröffnet und dabei waren das Gucci Soundsystem, Errorsmith, Fat Truckers, Sissy Disco, das Stereo Total DJ-Team, Mooner von der Zombocombo, Gretschmann´s Console, LA Williams, Jay Denham, Patrick Pulsinger, die Gomma Jungs, das Rephlex Label aus London, damals schon mit Kode9 im Schlepptau…Ne dicke, bunte, punkige Mischung!

Mit den von uns gewollten Stilsprüngen taten sich einige echt schwer! Als Riot Grrl Kevin Blechdom seine blutige Live-Performance zwischen Acid- und Techno-DJs zelebrierte, gab es Beschimpfungen und einige haben den Club wutentbrannt verlassen. Unsere radikalen Line Ups haben auch einige Puristen auf die Palme gebracht. Es ist und war spannend!

Was war der absurdeste Moment und der absolute Höhepunkt in den 10 Jahren?

Es gab so viele, da kannste Bücher schreiben. Absurd und lustig waren die Ausdruckstänzer auf den ersten Dubstep-Parties, wo auch schon mal viele Gläser zu Bruch gingen, weil sie die Bässe auf Wanderschaft schickten! Dann DJ Koze morgens unter ner Wolldecke auf der Sonne-Terrasse … Wasser Marsch bei Troy PierceUnderground Resistance live … Benga nach mehrstündigem Set blau und schlafend unterm Mischpult …

Club in der Innenstadt – Fluch oder Segen?

Wir könnten nicht dieses hochkarätige Booking fahren, wenn wir nicht auch ein wenig Laufpublikum hätten, und das prägt ja schon den Sound und kitzelt den Geist. Konflikte mit Nachbarn gibt’s glücklicherweise gar keine und die Stadt ist froh, so nen Club mit so einer starken Außenwirkung beheimaten zu dürfen.

Wie hat sich die Rote Sonne verändert in den 10 Jahren?

Bis auf das wir jetzt unsere Gäste mit einem ordentlichen Void Soundsystem beglücken können, ist fast alles so wie am Anfang geblieben. Naja, der schöne Kiosk damals musste den vormals zu kleinen Damentoiletten weichen. Ins Licht wurde immer wieder investiert aber baulich blieb alles beim Alten, weils einfach nicht besser geht ….

Auf was darf man in den nächsten Jahren gespannt sein?

Wir wollen die Terrasse verschönern und die jungen Mitarbeiter stärker einbinden. Was das Booking angeht, wird es wie gewohnt viele Highlights geben, da bleiben wir dran.

Was macht die Rote Sonne einzigartig?

Ich denke die ausgezeichnete Atmosphäre im Team. Das ist spürbar. Und natürlich, abgesehen von den Top Residents und Gast-DJs und den vielen Live-Acts – wir gewannen mit dem Milla letztes Jahr den Deutschen Spielstättenprogrammpreis – die relativ günstigen Preise, der Holzboden, die Bässe, die Flause Brause, der gute Bio-Wein und das Tegernseer!

Was treibt euch nach 10 Jahren immer noch an?

Die Liebe zu Musik und Mensch! Uns macht das alles viel Freude.

10 Tage feinstes Programm: Wie lasst ihr es krachen?

Wir haben eine Vielzahl von Helden wie 808State, Nicolas Jaar oder Acid Pauli geladen, alle unsere wirklich großartigen Resident-DJs drumrum gepackt, ein PA auf der Terrasse platziert, Geniale Dilettanten wie Mouse On Mars, F.S.K. und das Schamoni Label verpflichtet, die Bass-Gurus Schlachthofbronx und Bass-Frickler Appleblim&Storey rauschen an, George Fitzgerald und Redshape sorgen für Funky Futurism. Dazu Theater von What You See Is What You Get und queer-lockeren Candy Club-Tanztee auf der Terrasse, alles in der Mitte der Stadt!

10 Jahre Rote Sonne vom 23. Juli bis 1. August >> Rote Sonne Homepage

Wir verlosen 2×2 Gästelistenplätze für das große Finale am 1. August! Einfach E-Mail an ichwillgewinnen@curt.de mit Betreff “IchliebeRoteSonne” plus Postanschrift. Den Gewinnern werden die Tickets per Post zugeschickt. Viel Glück!