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Lesung von Robert Harris – München

Am 30. Oktober ist München der neue Roman von Robert Harris erschienen. Auf seiner Lesereise macht der Erfolgsautor natürlich auch in unserer Stadt Station. Das Buch trägt den Namen als Titel, ein großer Teil der Geschichte spielt in der Arcisstraße 12, der Heyne Verlag, bei dem Harris veröffentlicht, ist in München beheimatet. „Ein Buch kommt nach Hause“, mit diesen Worten begrüßt Marion Bösker vom Literaturhaus als Veranstalter die Gäste im großen Saal der Hochschule für Musik. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind alle Plätze belegt. Das gespannte Publikum in Kombination mit der prunkvollen Architektur des historisch belasteten Ortes sorgt für einen respektvollen Rahmen.

Robert Harris kehrt in diesem Roman wieder zu Themen aus der Zeit des Nationalsozialismus zurück. Hintergrund für den Plot ist das sogenannte Münchner Abkommen, welches im September 1938 von den vier Mächten England, Frankreich, Deutschland und Italien verhandelt wurde und die Eingliederung des Sudentenlandes ins Deutsche Reich zur Sache hatte. In jenen Tagen stand die Welt am Abgrund eines Krieges, dessen Ausbruch mit der Unterzeichnung am Ende lediglich einen Aufschub erhielt. Harris skizziert die vier Tage, die die Delegationen in München verweilen und fängt die Atmosphäre auf britischer und deutscher Seite ein. Neben der sehr genau recherchierten Wiedergabe der wahren Begebenheiten entwickelt Harris in dem Buch einen zweiten, fiktiven Erzählstrang. Das Schicksal der echten und der erfundenen Protogonisten wird gesickt in einander verwoben, ohne dabei die Fakten zu beugen. Diese Konferenz fand im Führerbau, jenem Gebäude in der Arcisstraße 12 statt.

Begleitet wird Robert Harris an diesem Abend von seinem langjährigen Weggefährten und Freund David Eisermann. Der Kulturjournalist, Moderator, Autor und Übersetzer führt das Gespräch mit dem britischen Schriftsteller. Gemeinsam nehmen sie die Zuhörer mit auf eine fesselnde Reise von der ersten Beschäftigung mit dem Thema bis hin zum fertigen Roman. Seit gut 30 Jahren widmet sich Harris der Geschichte des Münchener Abkommens. Besonders die kontrovers diskutierte Rolle der britischen Seite um Premierminister Neville Chamberlain hat er immer wieder neu durchleuchtet. Gespräche mit Zeitzeugen, geführt im Rahmen eine BBC Dokumentation zum 50sten Jahrestag des Abkommens, flossen in die Geschichte genauso ein wie ausgiebige vor Ort Recherchen in München, für die ein besondere Dank an den Kanzler der Hochschule Alexander Krause geht.

Wenn Robert Harris spricht, fesselt er sein Publikum genauso  wie mit seinen Büchern. Seine Sprache ist klar, die Gedanken scharf und faktenreich formuliert, gewürzt mit einer Prise feinen britischen Humors. Dafür erntet er im Verlauf des Abends immer wieder warmen und lang anhaltenden Applaus. Vervollständigt wird das Podium vom deutschen Schauspieler Thorsten Krohn, der das Lesen der Ausschnitte aus dem Buch auf Deutsch übernimmt.

Nach 90 packenden Minuten verabschiedet sich Robert Harris vom sichtlich begeisterten Publikum mit dem Hinweis auf die schon jetzt geplante TV-Verfilmung des Stoffs. Die anschließende Signierstunde dürfte angesichts der langen Schlange seiner Bewunderer fast genauso lange gedauert haben.

Robert Harris: München, Aus dem Englischen von Wolfgang Müller, 432 Seiten, € 22,00, Heyne Verlag München > Facebook