Im Gespräch: Ragamatic

Ein Mann und seine gezupfte Langhalslaute. Reiner Heidorn aka RAGAMATIC spielt seit 8 Jahren Sitar. Er ist nicht etwas Inder, sondern kommt aus Weilheim, arbeitet als freischaffender Künstler mit großformatigen Ölgemälden und hält Kurse für pädagogische Fachkräfte in Kunst.

Im Rahmen unserer Ausstellung 70 plus 1 im Feierwerk Farbenladen im März 2012, gab Reiner uns bereits ein paar Kostproben seiner trancigen Musikstücke. Sitar mit unterlegten Beats. Ein Traum.

Der ursprünglich geplante Livetermin am 20. Juni beim Kulturstrand. wurde wegen schlechtem Wetter gecancelt, aber das Konzert von Ragamatic wird am 1. August dort nachgeholt.

Wie er zum Sitar spielen kam und was seine Musik so besonders macht, hat er uns im Vorfeld erzählt.

Wie kamst Du zur Sitar?
Ich habe immer schon Musik gemacht und in Musiker-Kreisen war bei der Erwähnung von indischer Musik und dem Instrument Sitar immer eine große Ehrfurcht und die Aussage “zu schwierig” vorhanden, das hat mich von je her fasziniert. Schließlich hatten Bekannte eine im Dachboden, ein fürchterliches Dekoinstrument, aber dennoch, ich hab´s ausgeliehen, mir Lehrer gesucht, ein anständiges Instrument erworben und dann das komplette indische Lehrsystem jahrelang kompromisslos hinter mich gebracht. Ich spiele auch Sarasvati Veena, eine südindische Basslaute.

Was fasziniert Dich besonders an dem Instrument?
Die Sitar ist – anders als westliche Instrumente – mit einem gewissen Auftrag verbunden. Eine sinnvolle Bedienung des Instruments kann nur in Verbindung mit klassischer hindustanischer Musik und der Darbietung von Ragas stattfinden. Ohne dieses Hintergrundwissen und eine intensive technische Schulung ist es einfach eine große, klimpernde Laute ohne Wert.

Welche Affinität hast Du zu Indien? Oder hast Du gar keine?
Das Erlernen der indischen Ragas und die fachgerechte Darbietung des Materials bringt es mit sich, dass man auf diesem Gebiet ein absoluter Spezialist wird, sich somit zwangsläufig mit den indischen Begriffen, ihrer Bedeutung, dem kulturellen Hintergrund auseinandersetzen muss; somit ist nach all den Jahren ein Großteil indischer (Musik-)Kultur zu einem völlig selbstverständlichen Teil meines Lebens geworden. Ich kenne alle aktuellen Maestros der indischen Musikszene, habe Vorbilder aus der indischen Geschichte (ich spiele im Vilayat Khan-Stil)und kann neben den klassischen Ragas viele leichtere indische Stücke (Bhajans, Thumris) ebenfalls vortragen.

Wurdest du schon mal auf einer indischen Hochzeit gebucht?
Leider nein – aber es ist übrigens so, das selbst nicht alle Inder automatische Ragas hören oder verstehen, wie bei uns auch nicht jeder Bach hört. Auf den indischen Hochzeiten gibt es dann eben indische Helene Fischer Musik.

Welche speziellen Skills hast Du noch so in petto?
Neben der klassischen indischen Ragamusik auf der Sitar habe ich zur Entspannung in den letzten Jahren das elektronische Programmieren von Sound erlernt und programmiere passend zu der jeweiligen Sitarstimmung und zu den Ragas elektronische Bordunflächen, Beats, verschiedene Sounds und spiele dann ausschließlich Auszüge aus klassischen Ragas darüber. Das ist jedes Mal ein Erlebnis und die Stücke sind vor allem mit Kopfhörern echte Knaller zum Abheben.

RAGAMATIC live am 1. August am Kulturstrand.  >> Homepage >> Facebook


 


About Melanie Castillo

view all posts

curt München Art Direktion, Redaktionsleitung & Master of Self-Exploitation.

1 Kommentare

  1. […] Informationen Interview mit Reiner Heidorn: https://www.curt.de/muenchen/ragamatic/ Reservieren auf Facebook Reiner Heidorn auf YouTube: […]

Comments are closed.