Gehört: Penguin Cafe – Handfuls of Night

So sehr die Antarktis für den Menschen eine lebensfeindliche Umgebung darstellt, so faszinierend wirken die Abgeschiedenheit, die extremen Witterungsverhältnisse, die einzigartige Tierwelt sowie die natürliche Architektur dieser riesigen Eiswüste. Arthur Jeffes hat sich auf dem zweiten Streich seines Penguin Cafe Projekts den extremen Lebensbedingungen im ewigen Eis angenommen. Inspiriert von einer Reise, die an die letzte Expedition des legendären Antarktis-Forschers Robert Falcon Scott angelehnt war, beschäftigt sich der eine Teil von Handfuls of Night mit den unwirklichen Weiten der tieffrostigen Polarkappe, die durchzogenen ist mit gigantischen Tafeleisbergen, Schelfeis und meist unsichtbaren antarktischen Vulkanen.

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https://www.youtube.com/watch?v=HNLWJxMD67c&feature=youtu.be

 

Der andere Teil der Stücke ist den tierischen Bewohnern dieses Landstrichs gewidmet. Den Pinguinen nämlich. Majestätisch und erhaben, dabei irgendwie auch immens putzig. Der faszinierende flugunfähige Seevogel sieht sich zunehmend durch den Verlust seines ungestörten Lebensraums bedroht. Auf die Einzigartigkeit dieser Tiere aufmerksam machen wollte ein Projekt von Greenpeace, für das Arthur Jeffes sich musikalisch mit vier Pinguinarten, die in der Antarktis heimisch sind, auseinandergesetzt hat.

Der Komponist, Arrangeur und Musiker hat sich Geschichten ausgedacht, die die unterschiedlichen Wesenszüge der einzelnen Arten wiedergeben und darüber vier Stücke geschrieben. Dank zahlreicher Infotainment- und Dokumentarfilme bekommt man schnell ein Bild in den Kopf von den aufrecht stehenden Vögeln im Frack. Weil so ein Tierleben aber nicht nur aus süß aussehen Tieren besteht, sondern ein täglicher Kampf um Nahrung, Nachwuchs und gegen die natürlichen Feinde ist, fallen die Kompositionen höchste abwechslungsreich aus. Vom mitreißenden Folksong über stoische Klänge hin zur Schwermut oder großer Sehnsucht.

Durchzogen wird die Platte aber auch noch von den musikalischen Panorama-Aufnahmen über die eisige Landschaft. Mit zwei Ambient-Klavierstücken beginnt und endet Handfuls of Night. Dazu gibt es Melancholie, Breitwandsounds und Folktronica-Klänge. Höchst komplex und doch federleicht. So bezaubernd wie ein Eiskristall, so ästhetisch wie eine Winterlandschaft, so wärmend wie eine Kolonie Pinguine.


Penguin Cafe – Handfuls of Night // Erased Tapes / Indigo // VÖ: 04.10.2019 > Homepage