curt war da: The Paper Kites im Feierwerk

Ganz im Sinne des neuen Konzeptalbums „Twelvefour“  der Paper Kites sichtete ich die Bilder vom allerersten Deutschlandkonzert des australischen Quintetts zwischen 12 Uhr nachts und 4 Uhr morgens. „Das kreative Hoch eines Künstlers (liegt) in den Stunden zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens“, erklärte der Frontmann und Gitarrist Sam Bentley und entschloss sich dazu, sich zwei Monate lang jeden Abend nach Mitternacht hinzusetzen, um die Songs für das neue Album zu schreiben. Produziert wurde es anschließend in Seattle vom Grammy-nominierten Produzenten Phil Ek, der bereits mit Father John Misty, Manchester Orchestra, Fleet Foxes und The Shins gearbeitet hat. Dabei entstand ein Album mit starken Texten, mehr Melancholie, durchdringenden Drums und eingängigen Melodien sowie dreckigen E-Gitarren und einem eindeutigen 80er-Jahre-Einfluss.

Den Abend des ausverkauften Konzerts am 27. Januar eröffnete Lùisa aus Hamburg, eine kleine Frau mit großem Potenzial. Sie sprühte vor Lebensfreude und das simple, in kräftigem Rot gehaltene Bühnenlicht unterstrich ihre selbstbewusste und leidenschaftliche Ausstrahlung. Bewaffnet mit einer Akustikgitarre, einer Loopmaschine und einer Stimme, die kraftvoll und rauchig ist und mich an Florence Welch erinnerte, zog sie alle spätestens mit ihrem zweiten Song in ihren Bann. Selten habe ich ein Publikum so hellauf begeistert von einem Support-Act erlebt.

Luisa

Mit „Electric Indigo“, einem ihrer stärksten Songs aus dem neuen Album „Twelvefour“, eröffneten The Paper Kites ihr Set und lieferten erstmal einige der neueren und schnelleren Songs aus ihrem Repertoire. Gegen Mitte des Konzerts ging die Band dann zu älteren, sehr viel verträumteren und leichtherzigen Werken wie „Bloom“ über und genau dann wurde die Atmosphäre im Raum fast magisch. Jegliches Getratsche im Publikum verstummte, jeder lauschte der jugendlich-weichen Stimme des Sängers und der luftig-leichten Stimme der Keyboarderin Christina, welche nur von einer Akustikgitarre und einigen Klaviertönen begleitet wurden. Es schien, als würden sowohl Band und Publikum 2 cm über dem Boden schweben, aber von den melancholischen Texten davon abgehalten werden, total abzuheben.

Das gesamte Konzert über ging von der Band eine gewisse Spannung aus; die Musiker waren ruhig und machten den Anschein, Respekt vor ihrer Musik zu haben und diese aufgrunddessen mit einer liebevollen Perfektion wiedergeben zu wollen. Egal, ob in einem Song das Banjo und die Mundharmonika in den Vordergrund gerückt wurden oder der Song sehr gitarrenlastig und düster war, man hatte durch und durch das Gefühl, dass sich ein roter Faden durch das Set zog.

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Zu den Highlights des Abends zählte mit Sicherheit die Interaktion zwischen Band und Publikum. So erzählte Sam Bentley nicht nur die Geschichte hinter dem Song „Paint“ und brachte das Publikum somit gefühlsmäßig näher an seine Musik, sondern er verwandelte das Publikum kurzerhand in einen Chor, der dreigeteilt wurde und Töne in diversen Stimmlagen sang. Das Konzert ließ die Band anschließend wieder mit neueren Songs wie „Relevator Eyes“ ausklingen. So wurde dem Publikum kurz vor Schluss noch mal richtig eingeheizt.

Text und Fotos: Mirja Kofler >> Homepage