10. November
curt präsentiert: Orville Peck

Welcome to Queer Country. Orville Peck reitet mit seinen psychedelischen Crooner-Songs durch die laue Abendsonne Nevadas und fängt mit seinem Lasso vor allem Cowboys ein. Mit Pony veröffentlicht der bescheidene Mann mit der Western-Latexmaske sein einzigartiges Debüt voll Liebe und Verlust beim Qualitätslabel Sub Pop. Seine erste Headline-Tour in Europa führt ihn am 10. November auch nach München in den folks! club. Doch was genau hat es mit dem maskierten Romantiker, der den Country retten will, auf sich?

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https://www.youtube.com/watch?v=q3esGD6lcMM

 

Der Mix aus wiegendem Ambient, ein wenig Shoegaze und den ikonischen Melodien und stimmlichen Feinheiten der klassischen amerikanischen Country-Musik resultiert bei Orville Peck in einem ganz eigenen Sound. Und es ist sein eigener, denn er entführt den Hörer auf rosafarbene Streifzüge durch eine Welt, in der erschöpfte Glücksspieler, Road-Dogs und liebeskranke Stricher seinen maskierten Blick kreuzen. Peck zeigt einem Country Music durch seine Linse und  überschreitet bewusst die konventionellen Grenzen. Herzschmerz, Einsamkeit, Mühsal und Abenteuer sitzen auch in seinem Saloon dicht gedrängt beieinander. Doch Pony bricht mit sämtlichen Stereotypen, Song für Song:

„For a long time people still hold onto this idea of America as just apple pie and the white picket fence. That’s not the real America anymore.“

Die Maske, so bescheinigt er, ermöglicht ihm nicht nur Anonymität, sondern auch wesentlich offener über Dinge zu singen, für die es ihm sonst an Selbstvertrauen mangeln würde. Denn vor allem steht seine sexuelle Orientierung im Rampenlicht, was ihn zu einem der wenigen homosexuellen Performer in diesem Genre macht. Was in seinen Videos zunächst obskur erscheinen mag, hat, wie er selbst sagt, wesentlich mehr mit Americana zu tun, als jener Apple Pie oder gar der 4th of July. Auf 12 Songs gelingt es ihm, ein längst eingefahrenes Genre zu öffnen. Neue Perspektiven braucht das Land und Pony ist eine längst überfällige Country-Verjüngungskur. So galt auch Johnny Cash, der straight white male des Countrys, nie als Blaupause für Orvilles Sound. Seine Einflüsse sieht er vielmehr bei Dolly Parton, Patsy Kline oder Tammy Wynette. Gerade mit deren Perspektive konnte sich Orville Peck schon in seiner Kindheit weitaus mehr identifizieren:

„I always kind of liked the villain in stories, or the sidekick more than the hero. I think that’s probably how I ended up like this.“

Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass sein Publikum sowohl aus Drag-Queens als auch Hockey-Spielern besteht, die gleichermaßen etwas aus seiner Musik ziehen. Ein Kompliment, das Orville Peck mit am meisten freut: die Diversität seiner Fans. Dass ihm seine eigene Dualität zwischen Wild-West-Zorro und queerem Subtext recht gibt, bescheinigen ihm restlos ausverkaufte Konzerte im ganzen Land. Sowohl seine Stimme als auch seine Songs sind dabei so facettenreich wie seine Storys. Im Tauziehen aus Liebe, Verlust, Abenteuer und Rache entführt er einen zwischen Lana Del Rey und Chris Isaac in die weite Prärie. Wir folgen endlosen Highways und dringen tief ins Herz der Badlands vor. Ja, Pony ist nicht nur ein Augenöffner, sondern auch ein ganz besonderes und wichtiges Stück Musik.

Unsere Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden informiert.


curt präsentiert: Orville Peck > Homepage // 10. November 2019 // folks! club // Beginn 21 Uhr // VVK 16 EUR zzgl. Gebühren