Im Gespräch: Olson

An aller Anfang steht … tatsächlich eine Matthias-Reim-CD vom Flohmarkt. Ein Künstler, den Olson super fand und in Kindertagen oft zum Einschlafen hörte. Neben Eric Clapton und Michael Jackson versteht sich. Sie alle weckten in dem Drittklässler aus einer kleinen rheinländischen Stadt in der Nähe Düsseldorfs den Traum von der großen Bühne und dem Leben als Musiker im Scheinwerferlicht.

Entsprechend schmückte die Rubrik ‚Traumberuf‘ in den Freundschaftsbüchern jener Zeit eine Zeichnung von dem Grundschüler mit Lederjacke und E-Gitarre sowie dem Vermerk ‚Rockstar‘. Nach der Schule wurde das Posen mit jener, in ‚James Dean‘ besungener, „pechschwarzen Fender“ geübt. „Ich habe vor dem Spiegel immer so getan, als sei ich Campino von den Toten Hosen, obwohl ich nur drei Akkorde spielen konnte“, erzählt Olson schmunzelnd.

Die Gitarre gehört mittlerweile schon seit seinem elften Lebensjahr nicht mehr zum Repertoire. Dafür gekommen, ist die Rapmusik, zunächst rauer und aggressiver in der Inkarnation von Olson Rough. Vorbilder hierfür waren deutsche HipHop-Größen wie Kool Savas, Samy Deluxe oder Eko Fresh. Jedoch empfand der Endzwanziger das ‚Rough‘-Anhängsel als zu richtungsweisend, zu limitierend. „Schließlich kann man damit ja keine cheesige Popmucke machen,“ so Olson.

Genau hier liegt der Knackpunkt. Der Sound von Olson anno 2014 ist glatt, schlichtweg gehübscht und hat vielversprechendes Radiopotenzial – Universal sei Dank. Produzierte er früher HipHop mit leichtem Popeinschlag, findet sich auf Olsons Debütalbum Ballonherz heute von den Beatgees glatt produzierte Popmusik mit weicheren Rap-Elementen und düsteren 808-Drums. Diese Pop-HipHop-Gewichtung wird als Innovation verkauft und ist im deutschsprachigen Raum tatsächlich verhältnismäßig neu. Der softere Sound spricht eine breitere Masse an, die sich zunehmend aus der Mittelschicht zusammensetzt und das alte Klientel zurücklässt.

Mit seinen Songs über das Erwachsenwerden in der Kleinstadt, Perspektivlosigkeit, Fernweh und der Sinnsuche im Alltag thematisiert er die Belange der Generation Y, zu denen all jene zählen, die zwischen 1990 und 2000 Teenager waren. Olson erkennt das gut. Er sagt: „Ich mache ernstere Popmusik. Sie ist nicht leichtfüßig oder klischeeumgreifend und weist auch keine Phrasendrescherei auf, sondern ist [textlich] schon sehr sperrig. Sie ist auch nicht für jeden von elf bis 70 nachvollziehbar.“

Dies mag auch an den vielen Anglizismen liegen, die ihren Weg in die Songtexte des Wahlberliners gefunden haben. Olson erzählt, dass seine „Gang“ viele englische Wörter aus Spaß in ihren Sprachgebrauch übernommen habe und dass da ein „totally awesome“ oder „Worst Case Scenario“ in einem Umfeld, in dem alles „gebrieft“ wird, ganz natürlich gekommen sei.

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Nichtsdestotrotz können sich seine Fans aufgrund von Olsons autobiografischen Lyrics und deren modernem ‚Teenage-Angst-Charme‘ mit ihm identifizieren. Ziemlich irritierend ist jedoch, dass die Videos zu den Singles ‚Mein kleines Hollywood‘ und ‚James Dean‘ teilweise vor einer riesigen Skyline oder im sonnigem Villenambiente in Amerika gedreht wurden und damit nicht nur der persönliche Bezug von Seiten der Daheimgebliebenen direkt wieder schwindet, sondern alles auch ziemlich aufgesetzt wirkt. Vielleicht sogar ein wenig bei Casper abgeschaut wurde. Olson passt da nicht so recht hin. Die Videoszenen wirken sehr künstlich, seine Gestik zaghaft und nicht im Moment. Natürlich hätte „der Küchentisch bei ihm daheim nicht so geil ausgesehen“, aber dafür vielleicht authentischer.

Obwohl er die Videodrehs als sehr positiv empfand, gibt Olson zu: „Das Einzige, wobei ich mich nicht so wohlfühle, ist, wenn man mir sagt: ‚Wir können die Straße nicht sperren lassen, weil das drei Milliarden Euro kosten würde. Du musst Dich jetzt einfach hier in die Menge stellen und performen.‘ Das ist mir immer ein bisschen unangenehm, weil die Leute, die dann vorbeilaufen, schon mal komisch kucken oder lachen.“

Zu Olson-Rough-Zeiten sang er einst: „Auch ich will nur meinen Platz an der Sonne.“ Mit seinem Drang, „immer irgendwie Hörer zu finden“, seinem „Dickkopf“ und der perfektionistischen Ader in Sachen Musik, hat er das geschafft: Direkteinstieg auf Platz 5 der deutschen Albumcharts.

Ein Leben ohne Kunst wäre für ihn schließlich „ziemlich langweilig, weil [er] sonst nichts kann und es wahrscheinlich auch ziemlich am Existenzminimum wäre.“

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