curt war da: Münchner Buchmacher

Er ist schon ein echter Hingucker, der Pop-up-Store der Münchner Buchmacher im Rathaus. Das sehen auch die Passanten in der trotz Corona-Pandemie verdammt wuseligen Dienerstraße so. Immer wieder bleiben Leute neugierig stehen, drehen die Ständer mit den Postkarten und blicken, die Maske schon gezückt, durch das Schaufenster unter dem großen Bogen des Backsteingebäudes.

Gemütlich schaut´s drinnen aus mit dem großen Holztisch, auf dem Bücher und Buttons ausliegen, den hohen Regalen und einem Hauch urbanen Charme, der vom nackerten Betonboden kommt.

Bis Ende Januar haben die Münchner Buchmacher hier ihre Zelte aufgeschlagen. Der Zusammenschluss aus den sieben Kleinverlagen Austernbank Verlag, Edition Tingeltangel, Franz Schiermeier Verlag, Hirschkäfer Verlag, Morisken Verlag, Schillo Verlag und Susanna Rieder Verlag betrieb vor eineinhalb Jahren zwei Türen weiter schon einmal einen Pop-up-Store. Weil auch ihnen die Corona-Krise einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht hat, durften sie dank des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt München wieder ins Rathaus einziehen und ihre Bücher verkaufen.

Allzu groß ist der Laden nicht, dafür aber gut sortiert. Links stehen Romane, Lyrik-Bände und liebevoll gestaltete Kinderbücher wie „Butz und Rosi“ der Giesinger Nähkünstlerin Ruth Feile oder witzige Titel wie „Fussel und der Mutausbruch“. An der Stirnseite warten Münchner Krimis und auf der rechten Seite gib´s die Sachbücher über München. Und diese circa dreihundert Werke über die schönste und beste aller bayerischer Städte sind neben dem individualistischen Indie-Verlagsflair das Besondere hier.

„Das ist die größte Auswahl an München-Büchern, die es weltweit gibt“, sagt Thomas Peters, der in seinem Morisken Verlag mit „Besäufniserregend“ eine skurrile Krimikomödie im Umfeld von Sechzig- und Bayernfans herausgebracht hat. Oder vielmehr „Bayernkunden“, womit er grinsend Farbe bekennt – und zwar blaue.

Er selbst schwärmt vom „Münchner Bergführer“ seines Kollegen Franz Schiermeier, der sich nicht etwa mit den viel besuchten Gipfeln der Voralpenregion beschäftigt, sondern mit den verschiedensten Erhöhungen und Bergerln in der Stadt selbst. Vom Hirschkäfer Verlag gibt es Reiseführer über die einzelnen Viertel, die nicht nur prima Geschenke zum Umzug sind, sondern von denen auch Alteingesessene noch etwas über die Hood ihres Herzens lernen können.

„Es ist thematisch viel abgedeckt bei nur sieben Verlagen“, findet Thomas Peters. Die Titel der Münchner Buchmacher sind noch nicht mal alles, was es im Pop-up-Store zu finden gibt. Auch Werke anderer Kleinstverlage haben Unterschlupf gefunden, wie das von der Süddeutschen Zeitung gelobte „Cerebro Frito“. Neben dem Roman sind bei dem kleinen Verlag Sorry Press bislang nur zwei andere Bücher erschienen.

Oben, auf der Galerie, gibt´s dieses Mal auch was auf die Ohren. Hier haben der Hörbuchverlag cc live und vier Münchner Indie-Labels, darunter Trikont und Südpol, eine kleine Auswahl ihrer Platten und CDs ausgestellt.

Und da Kulturkonsum bekanntlich durstig macht, finden sich auch ein eigener Buchmacherwein und echter Rieslingsaft von einem Ökoweingut ebenfalls im gut ausgewählten Sortiment. Damit man die Neuanschaffungen auch irgendwie nach Hause bekommt, gibt´s noch München-Turnbeutel und königlich-bayerische Hipstersackerl zu erstehen.

Wer nach dem ganzen Schmackhaft machen des sehr speziellen Angebots immer noch zögert: Maske auf und rein in den Pop-up-Store der Münchner Buchmacher!


Münchner Buchmacher > Facebook  // Marienplatz 8 / Eingang Dienerstaße zwischen München Ticket und Filzladen // Öffnungszeiten Dienstag–Samstag, 11–19 Uhr