20. November
Mudhoney @ STROM

The poor man’s Nirvana? Weit gefehlt! Zwar sind Mudhoney nie aus dem Schatten des großen Bruders herausgetreten, waren aber lange Zeit genau das Gegenteil, nämlich die Vorreiter in Sachen Grunge. Die Nirvana, die nie hatten sein sollen, gelten bis heute als eine der richtungsweisenden Bands des Grunge-Genres, und tragen auch heute noch die Flanell-Hemden mit Stolz. Als eines der nun leider wirklich letzten Überbleibsel einer revolutionären Musikrichtung erscheint nach 5-jähriger Wartezeit mit “digital garbage” ihr mittlerweile zehntes Studioalbum. Höchste Zeit also, auch in München mit dem neuen Klangstoff unterm Arm am 20. November im STROM Halt zu machen.

Ob Mudhoney, das ewige Stiefkind, den großen Durchbruch überhaupt wollten, bleibt zu bezweifeln. Viel zu sehr ist die Band stets dem Punkrock-Lifestyle verschrieben gewesen und bei Weitem nie emsig genug gewesen, wie Frontmann Mark Arm ungeniert zugibt. So machte sich dessen erste Band Mr. Epp and The Calculations Anfang der 80er im vom Grunge noch unberührten Seattle schnell einen Namen als die schlechteste Band der Welt. Fun Punk hieß damals die Maxime, ehe 1983 mit Steve Turner auch ein Gründungsmitglied der späteren Mudhoney hinzustößt. Zusammen mit dem Ducky-Boys-Gitarristen Stone Gossard und Jeff Ament am Bass war die Kombo Green River geboren, die zusammen mit den Melvins ein völlig neues Genre gründeten. Schnoddrige Punk-Attitüde und eher leidliche Fähigkeiten an ihren   Instrumenten vereinten sie mit dunklen Heavy-Metal-Sounds und lieferten den Prototypen des großen Genres namens Grunge.

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https://www.youtube.com/watch?v=_nGsT_qFMBs

Nach diversen kleineren Veröffentlichungen, reichlich Tumulten und Trennungen vereinte man sich schließlich auf dem legendären Label Sub Pop und mit Drummer Dan Peters und dem Melvins-Bassisten Matt Lukin im Kader als Mudhoney komplett neu. Am 1. Januar 1988 entert die Band zum ersten Mal den Proberaum und geht schon ein Jahr später als Support mit Sonic Youth auf große England-Tournee.

Unbeirrt, unbeeinflusst und frei von auferlegten Zwängen treten Mudhoney ihren Siegeszug im Untergrund an und stehen auch 30 Jahre später noch auf der Bühne. Lediglich Matt Lukin wich Guy Maddison an den vier tiefen Saiten, ansonsten sah man sich auch von diversen weiteren Umbrüchen relativ unbeindruckt. Ein gutes Indiz also, dieses fast-vegessene Urgestein am 20. November im STROM dennoch mit Beifall zu versehen. Denn ohne Mudhoney hätte es vielleicht nie nach Teen Spirit gerochen.


Live: Mudoney > Homepage // Support: Please the Trees // 20. November 2018 // STROM // Beginn 20.30 Uhr // VVK 27,40 EUR zzgl. Gebühren