Gehört: Motorpsycho – The Crucible

Nach einem „albumfreien“ Jahr melden sich Motorpsycho 2019 mit einer neuen Studioveröffentlichung zurück. Wobei „albumfrei“ tatsächlich nur bedeutet, dass die Norweger keinen regulären Dreher rausgebracht haben. Sammelfreudige Psychonauten durften sich letztes Jahr gleich zwei neue Livealben des Trios in die Sammlung stellen. Jetzt heißt es, die Aufmerksamkeit auf das pressfrische Werk The Crucible zu richten. Von der Ästhetik und dem klanglichen Erscheinungsbild her, kann man die Platte als direkte Fortführung des auf The Tower eingeschlagenen Weges verstehen. Die Band selber hat damit auch kein Problem, wie sie im Vorfeld der Veröffentlichung verlauten ließ.

Entsprechend klingt The Crucible wie der Schmelztiegel aus Prog, Stoner, Doom, Jazz, Pop, Folk, Orchestermusik den Motorpsycho seit Jahren immer wieder mit ihren Werken befeuern. Sie beherrschen dabei die ganz hohe Kunst, sich es so zwischen allen Stühlen bequem zu machen, dass es keines der Genres nur im Ansatz schafft, sich die Band vollständig vor ihren Karren zu spannen. Gut so, denn hier steckt doch der Sinn von Progressivität, Experimentierfreude und Punkrock.

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https://www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=FOZIGd_jGN4

The Crucible wartet mit drei überlangen Songs auf, die im August 2018 in einem Waliser Studio von Hans Magnus Ryan (guitars, vocals), Bent Sæther (bass, vocals, sundry) und Tomas Järmyr (drums) mit freundlicher Unterstützung der beiden Co-Produzenten Andrew Scheps und Deathprod eingespielt wurden. Psychotzar – mit 8:44 Minuten Spielzeit sowas wie der potentielle Song für eine Single Auskopplung – zwinkert mit seinem Eröffnungriff fast schon unverschämt in Richtung Black Sabbath. Im ersten Moment war ich mir nicht sicher, ob ich versehentlich die Sabotage aufgelegt habe. Die Irritation ist nur von kurzer Dauer. Im nächsten Augenblick bohren die Drei das Riff in ihrer unnachahmlichen Art und Weise auf und rollen eine fette Doomwalze aus. Lux Aeterna (10:56) hat einen jazzig-verqueren Charme und der Titeltrack The Crucible lässt in über 20 Minuten ein Biest aus Noise-Rock und sanften Melodien von der Kette. Auf The Crucible spielen Motorpsycho ihren geliebten Motorpsychodelia in vollen Zügen aus, getreu ihrem Motto: Make loud, not war!

Motorpsycho – The Crucible // Stickman Records // VÖ: 15.02.2019 // > Homepage