30. Juli
Ministry & Grave Pleasures

Welcome to the Twilight Zone.

Als eine Art Rolling Stones des Industrial Metal begibt sich Ministry mal wieder auf Tour, die soundsovielte post-Abschiedstour, genannt ’MeriKKKant’, siehe Wortspiele mit Rechtsradikalen. Es scheint also nicht mal der Tod von Bandmitglieder kann die alte Dampflock Ministry vom Gleis werfen. Oder das war eh nie angemacht, und Al und Co. hatten einfach die Fresse voll ob der Presse die natürlich schon wissen wollten ob die Band am Ende ist, obwohl Gitarrist Mike Scaccia noch nicht mal unter der Erde war … siehe Al’s “Fuck Ministry and fuck you for asking”. Zudem wirkte ein gewisser oranger Pussygrabber bestimmt motivierend auf Al und Kumpanen, und so wurde der musikalischen Vorschlaghammer doch noch nicht eingegraben.

Somit erheben sich die totgeglaubten abermals aus der industriellen Asche und erlärmen sich am 30. Juli im Backstage in München. Das wohl dort zum Besten zu gebende neue Album “AmeriKKKant” ist dabei ein wenig ein throwback zu den ‘Old school’ Ministry Alben der 1980er und 90er, mit vielen Samples und weniger heftigen Metal-anteilen. Wer Al’s 593tes Sideproject ‘Surgical Meth Machine’ von 2016 gehört hat, weiß in etwas was gespielt wird. Titel wie ‘I Know Words’, ‘Wargasm’ und ‘Victims of a Clown’ sind wenig überraschend direkt aus den Headlines der derzeitigen Trumpzeiten gehoben, und obwohl Ministry vielleicht nicht mehr die brutale Kraft entwickelt wie zu ihren Hochzeiten – Al kratzt auch schon an den 60 – kann man sich als runzeliger Fan doch ganz gut reinhören.

Und ein paar Knaller haben sie dann doch wieder draufgepackt; mal davon abgesehen dass viele ihrer älteren Lieder heute wieder mehr ‘on topic’ sind als man sich damals erfürchtet hätte. Zudem ist Ministry live immer ein Ohrenschlackerer und spielen normalerweise ein Potpourri aus inzwischen vier Jahrzehnten, da sollte für jeden was dabei sein, vom altgedienten, unterernährten Synth-waver, über den verschwitzten Kuttenmetaller bis zum Tennissocken-Hipster mit Musikgeschmack. Sozusagen eine musikalische Aufarbeitung von Reagan, Bush I, Clinton, Bush II, Obama und als eine Art manifestierte Übersteigerung der Präsidentensatire, nun Trump. Ministry im Spiegel der Zeit, laut, lauter, Lautsprecher kaputt. Wer also vorübergehend mal das Getöse der Weltenverdummung alltenthalben ausblenden will; Backstage is the place to be. Gut mosh.

Ministry & Grave Pleasures // 30. Juli // Backstage Werk // Beginn: 20 Uhr, Einlass: 19 Uhr // Tickets: 30 Euro zzgl. der üblichen VVK-Gebühren 

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