Gehört: Meanwhile Project Ltd. – Marseille

Beim ersten Hören kommt es mir nicht in den Sinn, dass hier eine deutsche Band am Werk sein könnte. Die Musik bewegt sich federleicht zwischen verschiedenen Stilrichtungen und spielt unaufgeregt mit Stimmungen und Atmosphäre. Wenn Popmusik, dann doch bitte immer genauso. Marcus Adam und Marcell Birreck kennen sich seit mehr als 20 Jahren und spielen seit dieser Zeit gemeinsam in verschieden Indiebands oder sind als Singer/Songwriter-Duo unterwegs. Auf ihrer zweiten Platte Marseille gehen die Kölner einen großen Schritt in Richtung Bandgefüge. Das Songwriting, die Arrangements, die Instrumentierung, alles wirkt ein wenig größer und weiter. Ihr Horizont wirkt dabei fast unendlich, so viele kleine und weniger kleine Schnipsel verarbeiten die beiden zu einem stimmigen Ganzen.

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https://www.youtube.com/watch?v=LjWAfzRnf8k

 

Epische Post-Rock-Kracher und folkige Singer-Songwriter-Balladen treffen hier auf staubtrockene Americana-Songs und experimentell-verspielten Indie-Rock. Einflüsse von so unterschiedlichen Bands wie dEUS, Motorpsycho, den Villagers der Calexico blitzen hier und da auf. Die beiden Freunde zeigen sich wandlungsfähig und selbstbewusst. Alles passt und nichts wirkt aufgesetzt oder ausgefranst. Die Songs fließen, die Ideen greifen mühelos ineinander und obwohl sich hier und da ein Zitat erkennen lässt, wirkt alles eigenständig, frisch und schöpferisch.

Wenn man etwas an Marseille besonders herausheben möchte, dann sicherlich die Gesangsleistung von Marcell Birreck, der mit seiner Stimme zwischen Neil Young und Matt Berninger umschwenken vermag und somit einen wärmenden Mantel um die Hörerinnen und Hörer zu legen vermag, der in seinem Revers die Worte „immer mehr davon“ eingestickt hat.

Meanwhile Project Ldt. – Marseille // Kapitän Platte / Cargo // VÖ: 17.04.2020 // > Facebook

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https://www.youtube.com/watch?v=0yydaOjATAA