27. Dezember
Lesung: Max Goldt @ Volkstheater

„Werfen wir mal einen Blick auf den typischen Tag eines Prokrastinierers. Es handelt sich um einen Tag, an dem eine Schreibarbeit zu erledigen ist. Sei sie nun technischer. wissenschaftlicher, journalistischer oder literarischer Art. Um 8 klingelt der Wecker. Ein Faulpelz würde im Bett liegen bleiben. Der Prokrastinierer hebt sich wohlgelaunt aus den Federn und fasst auf der Stelle folgenden Entschluss: Um 9 Uhr fange ich endlich an zu schreiben. Er nimmt sich vor, exakt um 8:30 Uhr mit den Morgen-Prozeduren fertig zu sein, und verwendet dabei einen alten Selbstdisziplinierungstrick. Er legt sich eine CD ein, die er gut kennt, und sagt sich: Am Ende von Track 1 bin ich rasiert, nach Track 2 mit Duschen fertig, nach Track 3 mit Zähneputzen und wenn Track 4 verklungen ist, dann bin ich angezogen. (…) Es ist nun 9:03 Uhr. Um 10 nach 9 fange ich an. Schnell Mails checken. Es ist bestimmt gleich 10 nach. Dann fange ich an. Es ist 9:17 Uhr. Na gut. Um halb. Dann aber wirklich.“

So oder so ähnlich geht es uns allen zwischendurch und genau so gekonnt beobachtet der Schriftsteller und Kolumnist Max Goldt das Leben und seine Mitmenschen. Der 1958 in Weende bei Göttingen geborene Niedersachse schreibt nun seit 25 Jahren mit Humor und scharfem Auge und begeistert so seine Leser. Man fühlt sich unterhalten und ertappt und meist beides zugleich.

Aufmerksamkeit erregte Goldt Ende der 80er mit seinen Kolumnen, welche bis 1998 in der „Titanic“ erschienen. Zusätzlich veröffentlichte er über 30 Bücher, schreibt als Comic-Autor und absolvierte unzählige Lese-Auftritte. Was ihn ausmacht? Die Kunst, abzuschweifen und merklich unwichtige Nebendinge als wichtige Details auszuschmücken, sodass gefühlt auch er den Faden verliert. Genauso kritisch und auf den Punkt ist er jedoch auch in seinen Feststellungen.

„Das Publikum klatscht doch nicht, weil ein Lied besonders gut ist, sondern weil es ein Lied bereits kennt. Es beklatscht sein eigenes Gedächtnis.“

So soll es sein, man ist jedoch auch eingeladen, zu unbekannten, gar noch nie vorgetragenen Texten zu applaudieren, wenn Max Goldt eine seiner berühmten Abende im Volkstheater verbringt.


Max Goldt – Lesung: Weltstars im Nadelwald > Homepage // 27. Dezember // 20 Uhr // Münchner Volkstheater // Tickets 17 Euro > Spielpan Volkstheater