Auf DVD: Mary und die Blume der Hexen

Es ist doch wirklich zum Verzweifeln. Egal was Mary Smith anfasst, es geht schief. Nicht einmal Blumen binden kann sie! Vor allem aber hasst sie ihre roten Haare, die ihr das Gefühl geben, anders zu sein als alle anderen. All das soll sich ändern, als sie eines Tages im Wald eine seltsame Blume und einen Besen entdeckt. Mit diesem reist sie urplötzlich zu einer fernen Universität, in der die Hexen von morgen ausgebildet werden. Zumindest dafür scheint Mary Talent zu haben, sie beweist in mehreren Situationen eine große magische Macht. Doch das eigentliche Abenteuer beginnt erst noch. Denn die Leiterin und Doktor Dee verfolgen heimlich unheimliche Ziele, in die auch Mary unwissentlich hineingezogen werden.

Das Erbe ist schwer: „Mary und die Blume der Hexen“ soll die Lücke füllen, welche Studio Ghibli (>> Infos) hinterlassen hat. Schließlich war Regisseur Hiromasa Yonebayashi einer der Letzten, der für das legendäre Animestudio gearbeitet hat. Beispielsweise haben wir ihm das wunderbare Coming-of-Age-Drama „Erinnerungen an Marnie“ (>> Filmkritik) zu verdanken. Aber ist sein neuer Film auch so gut wie die berühmten Quasi-Vorgänger? Ja und nein. Die Geschichte, die auf einem Kinderbuch der englischen Autorin Mary Stewart basiert, ist so ungewöhnlich nicht. So groß die Überraschung für Mary ist, als sie das erste Mal die Hexen-Akademie betritt, als Zuschauer bleiben einem größere Überraschungen verwehrt. „Mary und die Blume der Hexen“ folgt den üblichen Pfaden eines solchen Abenteuers, kündigt auch immer rechtzeitig genug an, was als Nächstes passieren wird.

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https://www.youtube.com/watch?v=jKs2cXjPbtw

 

Zudem ist es ein bisschen schade, dass Mary als Charakter nicht so wirklich spannend ist. Ihre Probleme, einen Platz in der Welt zu finden, die sind natürlich sehr universell und dürften gerade auch bei einem jüngeren Publikum auf offene Ohren stoßen. Dass sie die ungewohnte Aufmerksamkeit an der Universität so genießt, das sei ihr auch vergönnt. Ihre Bereitschaft, alles für andere zu riskieren, die kommt in dem Abenteuer aber sehr plötzlich, ist weder durch ihr Verhalten zuvor noch ihre Beziehung zu den anderen zu erklären. Sie macht eben das, was von einer Figur in einer solchen Position erwartet wird, egal ob das nun zu ihr passt oder nicht.

Aber es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen, als Einstandswerk ist „Mary und die Blume der Hexen“ auf jeden Fall sehr vielversprechend. Visuell ist Studio Ponoc schon einmal auf einem guten Weg. Selbst wenn die Animationen noch nicht ganz auf dem Niveau von Ghibli sind, die schönen Hintergründe und die wundersamen Wesen, denen wir in der Magiewelt begegnen dürfen, die wären es schon allein wert, sich den Anime einmal anzusehen.

Fazit: Die Erwartungen an das Debüt der Ex-Ghibli-Künstler waren gigantisch, insgesamt schlägt sich „Mary und die Blume der Hexen“ glücklicherweise auch recht gut. Geschichte und Hauptfigur können es nicht mit den besten Werken der Animealtmeister aufnehmen. Das fantasievolle Abenteuer um eine Hexe wider Willen ist aber charmant, bezaubert durch schöne Bilder und wundersame Wesen.

Wertung: 7 von 10


Regie: Hiromasa Yonebayashi; VÖ: 4. Dezember 2018