Im Kino: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

Während einer Forschungsmission auf dem Mars gerät das Astronauten-Team der Ares-3-Mission unter der Leitung von Kommandantin Lewis (Jessica Chastain) in einen gefährlichen Sandsturm. Ohne zu zögern gibt sie daraufhin den Befehl, sofort aufzubrechen und auch den tot geglaubten Botaniker Mark Watney (Matt Damon) zurückzulassen.

Erst sehr viel später sollen sie erfahren, dass Mark aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz überlebt hat und nun mutterseelenallein auf dem fremden Planeten hockt. Der zeigt sich glücklicherweise recht erfinderisch und nutzt sein Wissen, um auf dem unwirtlichen Boden Nahrung anzubauen. Zeitgleich hat die NASA unter Direktor Sanders (Jeff Daniels) begonnen, eine Rettungsmission für den gestrandeten Wissenschaftler zu entwerfen.

Der Marsianer Kino Rezension curt München

Kein Planet hat wohl ähnlich stark unsere Fantasie angeregt und die Hoffnung auf fremdes Leben befeuert wie der Mars. Anders als man vielleicht angesichts des Titels erwarten könnte, gibt es hier jedoch keine Aliens, keine Marsmännchen, der Marsianer ist vielmehr ein Mensch. Wenn Vergleiche mit anderen filmischen Weltallexpeditionen anstehen, dann sind es auch weniger die actiongeladenen Reißer als vielmehr „Gravity“. Hier wie dort erleben wir ein Quasie-Einfigurenstück über einen Astronauten, der nach einem Unglück allein zurückbleibt und nun versuchen muss, heil zurückzukommen.

Im Gegensatz zum hochdramatischen Auftritt Sandra Bullocks vor zwei Jahren ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Andy Weir jedoch deutlich witziger angelegt. Mark Watney, der eine Mischung aus Robinson Crusoe, MacGyver und Showmoderator ist, nimmt sein Schicksal auf jeden Fall mit einer Menge Humor. Unterhaltsam ist das, etwa seine wiederholt abfälligen Kommentare über die von Lewis zurückgelassene Musik. Und auch seine Videoaufzeichnungen, die ihm als eine Art Blog dienen, lassen einem als Zuschauer oft die Tränen in die Augen schießen.

Spannend ist „Der Marsianer“ jedoch weniger. Das hängt zum einen mit dem besagt hohen Comedyfaktor zusammen: Auch wenn Mark später zugeben wird, eine Todesangst gehabt zu haben, im Film selbst ist davon so gar nichts zu spüren. Zum anderen folgt die Geschichte so peinlich genau traditionellen Genremustern, dass man nie wirklich von einem Ereignis überrascht wird, nie wirklich den Eindruck hat, hier könnte etwas auf dem Spiel stehen.

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Und auch sonst machte man um jede Form von Düsterkeit einen weiten Bogen. Ein bisschen werden hier die großen Behörden angegriffen, denen ihr Image wichtiger ist als ein Menschenleben. Dafür wird an anderen Stellen die Sehnsucht nach Helden und einem Zusammenrücken der Welt so groß, dass man sich so gar nicht mehr darum scherte, ob das Gezeigte noch plausibel ist – „Der Marsianer“ wird zu einem Vorweihnachts-Wohlfühlmärchen, das auch vor absurder Dramatik und Kitsch nicht zurückschreckt. Aber darüber lässt sich recht leicht hinwegsehen, des Humors wegen, der tollen Darstellerleistungen des absurd hochkarätig besetzten Films und auch der wunderbaren Aufnahmen des Mars, der zwar denkbar schlechte Voraussetzungen für einen Kartoffelanbau bietet, dafür aber majestätisch-raue Bilder, bei denen es überhaupt keine Geschichte gebraucht hätte.

Fazit: Spannend ist das Marsunglück weniger, dafür ist die Geschichte zu vorhersehbar und zu humorvoll angelegt. Der Unterhaltungsfaktor ist dafür hoch, dazu gibt es absurd viele bekannte Gesichter und wunderbare Marsbilder zu bestaunen.

Wertung: 8 von 10


Regie: Ridley Scott; Darsteller: Matt Damon, Jessica Chastain, Kristen Wiig, Jeff Daniels, Chiwetel Ejofor, Donald Glover, Sean Bean; Kinostart: 8. Oktober 2015