Bis 16. März
„Maria Stuart“ in den Münchner Kammerspielen

Wer wie gewohnt in den Münchner Kammerspielen auf einen Abend modernen Theaters hofft, wird bei dieser Inszenierung enttäuscht – keine nackten Menschen, kein Gekotze und auch keine Pop-Musik.

Andreas Kriegenburg inszeniert Maria Stuart von Friedrich Schiller klassisch, nah am Originaltext und mit historischen Kostümen, was auf den einen oder anderen Zuschauer mittlerweile befremdlich wirkt.

Zwei Frauen stehen sich gegenüber, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Elisabeth I. (Annette Paulmann), Königin von England und Protestantin, wirkt schillernd, stark und machtgierig. Das gefällte Todesurteil unterschreibt sie nicht, lässt ihre Erzrivalin Maria Stuart stattdessen jahrelang im Kerker einsitzen.

Maria Stuart Münchner Kammerspiele curt

Annette Paulmann (Elisabeth, Königin von England), Walter Hess (Amias Paulet, Ritter, Hüter der Maria), Oliver Mallison (Robert Dudley, Graf von Leicester), Brigitte Hobmeier (Maria Stuart, Königin von Schottland), Max Simonischek (Mortimer, sein Neffe), Wolfgang Pregler (Georg Talbot, Graf von Shrewsbury) Foto: Judith Buss

Maria Stuart (Brigitte Hobmeier), Königin von Schottland und Katholikin, dagegen wirkt schwach und resigniert. Mit kahlgeschorenem Kopf und Leichenhemd wandelt sie beinahe wahnsinnig anmutend auf der Bühne.

Doch der Schein trügt. Beide Frauen sind auf ihre ganz eigene Art und Weise gefangen. Gefangen in einem Netz aus Politik, Glaube, Liebschaften und Intrigen. Vor allem durch das Bühnenbild, ebenfalls von Kriegenburg gestaltet, gelingt dieser Vergleich. Eine Mauer aus Steinen umgibt die Bühne, mal die in grelles Licht getauchten Gemächer der englischen Königin, mal die erdrückend dunklen Mauern des Kerkers. Lediglich eine knirschende, lichtregulierende Stahlluke bestimmt den Ort des Schauspiels.

Kriegenburgs Inszenierung lebt vom Text und lässt die Mimiken und Gesten der Figuren beinahe nebensächlich erscheinen. Gerade durch die eindrucksvollen Monologe und Dialoge gelingt es den Figuren, die vermeintlich bestehenden sozialen Verbindungen aufzuheben und die Isolation eines jeden Einzelnen darzustellen. Es bestehen trotz gemeinsamen Königshauses, familiärer Verbindungen und Liebschaften keine zwischenmenschlichen Beziehungen. So wie jeder für seine eigenen Ziele kämpfte, muss auch jeder Einzelne an diesem Egoismus und der individuellen sozialen Isolation am Ende zugrunde gehen.

Fazit: Die Inszenierung lädt ein zu einem klassischen Theaterabend, wie ihn die heutige Theaterlandschaft teilweise vermissen lässt. Kriegenburg gelingt es durchaus, die Zuschauer in den Bann der Figuren und ihrer Geschichten zu ziehen, wobei allerdings die eine oder andere Stelle etwas langatmig wird. Nichtsdestotrotz entsteht ein stimmiges Bild aus Text, Schauspiel, Bühnenbild und Kostümen. Wer sich also wieder nach einer klassischen, nicht „zwangs-modernen“ Aufführung sehnt, sollte sich schnellstens Karten sichern: Die Februar-Termine sind bereits ausverkauft, evtl. gibt es Restkarten an der Abendkasse.


„Maria Stuart“ von Friedrich Schiller // Münchner Kammerspiele //
Nächste Aufführungen: 15.02./19 Uhr; 26.02./19.30 Uhr; 12.03./19 Uhr; 16.03./19.30 Uhr

Regie: Andreas Kriegenburg, Bühne: Andreas Kriegenburg, Kostüme: Andrea Schraad, Licht: Jürgen Tulzer, Dramaturgie: Tobias Staab

Mit: Walter Hess, Brigitte Hobmeier, Oliver Mallison, Jochen Noch, Annette Paulmann, Wolfgang Pregler, Max Simonischek, Edmund Telgenkämper, Vincent zur Linden