curt liest: Marc-Uwe Kling – Die Känguru Apokryphen

Das Gute an einer guten Trilogie ist: Man hat doppelt plus einmal Spaß und Freud am Produkt. Das Schlechte: Nach dem dritten Mal ist halt auch Schluss. Sonst wäre es am Ende ja keine Trilogie.

Nur amerikanische Regisseure sind in der Lage, diese Logik außer Raum und Zeit zu setzen. Marc-Uwe Kling ist aber kein Amerikaner, sondern ein in Berlin lebender Schwabe und tut von daher gut daran, erst gar nicht so zu tun, als ob ihm mit seinem neuen Känguru-Buch ein marktrevolutionierender Einfall gelungen wäre. Unter dem staatstragenden Titel Die Känguru Apokryphen sammeln sich Geschichten, die es irgendwie dann doch nicht in eines der drei Bücher geschafft haben oder die sogar erst später, des Nächten nach einem Auftritt an der Hotelbar vielleicht, geschrieben wurden. Musiker würden von Studio-Outtakes sprechen (merken: mal wieder die Randy-Rhoads-Outtakes anhören), bei Schriftstellern sagt man ungekürzte Originalausgabe, bei Marc-Uwe Kling ist es dann eine Zugabe.

Die in diesem Band zusammengefassten Geschichten folgen keiner erkennbaren Ordnung, lassen aber alle liebgewonnen Charaktere vom asozialen Netzwerk über Axel Krapotke bis hin zu Sarah und Gott auftauchen. Die Kapitel sind so angenehm kurz, dass man sie bequem zwischen zwei U-Bahnstationen weglesen kann. Dazu erscheint das Buch als praktisches Taschenbuch und lässt somit auf einen passablen Return on Invest hoffen. Die Jurymitglieder des Krawall-TV-Formats „Die Höhle der Löwen“ frohlocken: „Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte.“ Solch Despektierliches lässt sich das Känguru natürlich nicht bieten. Es beruft eine Pressekonferenz ein, verweist auf den Artikel 1 des Grundgesetzes und fordert mehr Respekt. Nur um wenige Augenblicke später rauszuhauen, dass Kling in den letzten vier Jahren nur noch einen Dreck geschrieben und gespielt hätte. Das war dann auch fürs Känguru zu hart und es zeigt sich versöhnlich, dass man besser Dreck sagen solle, und zum Schluss wird es gar philosophisch: „Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.“

Fazit: Wo Känguru draufsteht, ist auch Känguru drinnen. Nach Chronik, Manifest und Offenbarung sind die Apokryphen eine sehr unterhaltsamer Aufguss der Geschichte. Fortsetzung folgt?


Marc-Uwe Kling – Die Känguru Apokryphen // UIlstein Taschenbuch // VÖ: 12.10.2018 // > Homepage