Im Gespräch: Maidenhead
Live: 20. Dezember

Tribute To Monsters of Rock

See the people, feel the power / There was sixty thousand there / Just like thunder the crowds began to roar / Where you there, did ya know, did ya see all the show / There was magic in the air (And The Bands Played On – Saxon)

Die 80er – kaum ein anderes Jahrzehnt ist so stark mit dem weltweiten Siegeszug des Heavy Metal verbunden wie dieses. Welcher Metalfan bekommt beim Gedanken an die NWOBHM, die legendären Monster of Rock Festivals oder die Bay Area keine glasigen Augen und eine noch durstigere Kehle. Die Erinnerung an dieses goldene Jahrzehnt halten Maidenhead mit ihren Shows aufrecht. Diese fünf Heavy Metal Manics aus München spielen sich seit einigen Jahren mit ihrer Classic 80s Metal Show durch die Clubs der Stadt und in die Herzen der Fans. Anlässlich der für den 20. Dezember angekündigten Tribute to Monsters of Rock Show im Backstage traf sich curt unter dem Motto Fight hard / Live fast / Play loud mit Wolfgang (Gesang), Nick und Roland (Gitarre), Chris (Bass) und Vrön (Drums) auf einen messerscharfen Plausch rund um alles, was den Heavy Metal so groß- und einzigartig macht.

Lasst uns mit der originellen Frage nach der Bandgeschichte starten. Wann ging’s los, wie ging’s los und warum ging es los?
Wolfgang: Für Fragen in Sachen Bandgründung bin ich der falsche Auskunftsgeber. Da müssen wir wohl die Gründerväter befragen.

Nick: Das ist schon eine ganze Weile her. Ich hatte mit einem Kumpel eine Coverband am Laufen, aber wir kamen nicht wirklich weiter. Vrön war schon dabei und Chris auch. Im Programm hatten wir so Zeug wie Wolfmother, Foo Fighters oder Danko Jones. Bei einem Gig hatte Chris keine Zeit und ich hab den Roland angehauen, ob er nicht Bock hat auszuhelfen. Ich hatte ihn zu einem Konzert von meiner Motörhead-Coverband Motörblock eingeladen. Chris hat mit seiner damaligen Band Black Blitz an dem Abend auch gespielt. An diesem Abend hat Roland also den Chris kennengelernt und sein Okay geben. Roland hatte obendrein den Vorschlag im Gepäck, ob wir nicht 80er-Metal machen wollen. Diese Idee hat bei mir sofort gezündet.

Vrön: Mit unserem alten Sänger hatten wir zunächst nur auf einer Geburtstagsfeier von einem Freund gespielt. Viel mehr ist dann erst mal nicht passiert. Bis wir den Wolfgang gefunden hatten, ging einige Zeit ins Land.

Wolfgang: Eines Tages bekam ich eine E-Mail von einem der Herren hier. Nach dem Ende von Serum Anfang der 200oer-Jahre war ich über 10 Jahre lang komplett raus, hatte keinen Bock mehr und habe nichts mit Musik gemacht. Eine gemeinsame Freundin hat allerdings Wind davon bekommen, dass Maidenhead einen neuen Sänger suchen, sich dabei an die „Glanzzeiten“ von Serum erinnert und meinen Kontakt vermittelt. Sie war der Meinung, dass ich das bestimmt ganz gut hinbekommen könnte. Und so bin ich quasi reingerutscht. Auf die Aussicht, nur fremde Songs zu machen, hatte ich zwar keine Lust ,aber als ich das erst mal hier in den Proberaum gekommen bin und die Songauswahl gesehen habe, ist der Funken direkt übergesprungen.

Verneigt ihr euch mit eurem Bandnamen tiefer vor Iron Maiden oder vor Motörhead?
Nick: Ich komme aus England und bin in einem Dorf in der Nähe der Stadt Maidenhead aufgewachsen. Da ist dieser Name natürlich nichts Besonderes. Jahre später, als ich mit dem Sänger von Motörblock von München nach London zu einem Motörhead-Konzert gereist bin, kam spontan die Erleuchtung. Wir haben bei diesem Trip auch meine Eltern besucht und mussten mit dem Zug in eben jenem Maidenhead umsteigen. Die Jungs sind beim Anblick des Ortschilds völlig ausgeflippt und ich dachte nur, what the fuck, das ist doch ganz normal. Zurück in München hat es dann klick gemacht, wie genial der Name für uns ist.

Were you wearing denim, wearing leather / Did you run down to the front / Did you queue for your ticket through the ice and snow (Denim And Leather – Saxon)

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=TOyekG0fFJY&feature=youtu.be

 

Wo kommt die Liebe zum 80er-Jahre-Metal bei euch her? Was waren eure ganz persönlichen Heavy-Metal-Erweckungserlebnis?
Wolfgang: Als mir die Jungs damals ihre erste Setlist geschickt haben, dachte ich, verdammt, das ist ja nur geiles Zeug. Gleich zum Einstieg Rainbow in the Dark (Dio) und noch jede Menge anderer Klassiker. Damit bin ich aufgewachsen, die Stücke haben mich jahrelange begleitet, ich kann die Songs im Schlaf mitsummen. Wo die jungen Leute das herhaben, kann ich natürlich nicht sagen.

Roland: Mein erstes Konzert war 1992 das Super Rock in Mannheim. Iron Maiden, Black Sabbath mit Dio, Slayer, Helloween, Testament, W.A.S.P., The Almighty. Das lässt dich einfach nie mehr los. Als ich angefangen habe, selber Musik zu machen, habe ich in vielen Bands gespielt und diverse Stile ausprobiert. Meist eigene Stück geschrieben oder auch in einer Elvis,Band gespielt. Mit Maidenhead kam dann die Gelegenheit, die alten Dinger zu zocken.

But we both know what memories can bring / They bring Diamonds and Rust (Diamond And Rust – Judas Priest)

Nick: Es muss 1985 oder so gewesen sein. Ich stand mal wieder auf einer dieser Schuldiscos rum und fragte mich, was mit mir los sei, weil ich alles scheiße fand, was der DJ aufgelegt hat. Bis mir ein Kumpel eine Kassette mit The Number Of The Beast in die Hand drückte. Ich bekomme noch immer Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment zurückdenke. Das war das, was mir immer gefehlt hat. Schnell wurde das Hammersmith Odeon zum zweiten Wohnzimmer und die Monster of Rock Festivals in Donnington habe ich im Anschluss auch alle besucht.

Chris: Ich glaube, das ist doch bei allen irgendwie gleich. Meist kommt man über einen Schulfreund damit in Kontakt. Das Schöne am Metal ist, dass es keine Modeerscheinung ist. Egal wie alt die Musik ist, die du dir anhörst, sie bleibt dir ein Leben lang. Es ist ja nicht so, dass man das irgendwann nicht mehr geil findet. Du findest das immer geil und es wird zu einem Lebensweg, zu einer Konstante, die sich von vorne bis hinten durchzieht. Und deswegen geht das auch nie unter, deswegen spielen wir auch heute noch die alten Schinken und die werden wir auch noch in 20 Jahren spielen.

Trotz der Treue zu den Klassikern, denkt ihr auch hin und wieder darüber nach, ein wenig fremd zu gehen, musikalisch zumindest?
Nick: Wir gehen schon ein bisschen fremd. Fear Of The Dark ist aus dem Jahr 1992. Der Song von Rainbow ist aus den 70er-Jahren und Symphony Of Destruction von Megadeth ist auch Anfang der 90er veröffentlicht worden.

Wolfgang: Überlegungen in diese Richtung gibt es hin und wieder. Es sind ja zu jeder Zeit gute Songs geschrieben worden. Auf der anderen Seite haben wir zigtausend Sachen aus den 80ern noch nicht in unserem Fundus.

Nach welchen Kriterien sucht ihr die Stücke für euer Programm aus?
Nick: Puh, schwer zu sagen. Wir spielen das, worauf wir Bock haben. Mittlerweile haben wir 80 Songs, auf die wir zurückgreifen können.

Vrön: Jeder hat die Möglichkeit, Vorschläge zu machen. In der letzten Probe hatten wir von fünf Leuten je einen Song und alle sind geprobt worden. Da gehen wir demokratisch vor. Ich möchte, dass wir uns permanent entwickeln und uns stetig neue Stücke draufschaffen. Sonst wird es irgendwann langweilig, wenn wir immer die gleichen 80 Lieder runternudeln.

Chris: Aber es gibt auch Songs, die sich schnell wieder aus dem Programm verabschieden. Die wir nur einmal spielen, weil sie letztlich doch nicht zum Kernrepertoire des Genres gehören.

Wie stellt ihr die Setlisten für eure Konzerte zusammen? Die Auswahl ist ja das eine, die perfekte Reihenfolge das andere.
Nick: Da warten wir auf Wolfangs Inspirationen – meistens bis auf den letzten Drücker!

Wolfgang: Ja, ich bin einer, der das relativ später macht. Meist vergesse ich, dass meine Mitmusiker den einen oder anderen Song noch ein paarmal proben wollen oder sich mit ihrem Equipment vorbereiten müssen. Welche Gitarre brauche ich, welche Effektgeräte muss ich programmieren? Sie hätten gerne vier Wochen vor dem Gig die fertige Liste.

I hear the sound in a metal way / I feel the power rolling on the stage / ‘Cause only one thing really sets me free / Heavy metal, loud as it can be (Metal Daze – Manowar)

Das klingt ja so, als ob ihr euer Programm regelrecht kuratieren würdet?
Wolfgang: Wenn du das so ausdrücken möchtest. Du musst dir vorstellen, dass ich wie ein Schuljunge vor diesen 70 oder 80 Songs sitze und mir Gedanken mache, wie was zusammenpassen könnte, damit ein perfekter Spannungsbogen entsteht. Wie ist die Location, in der wir spielen, wie sieht das Publikum aus, in welchem Kontext findet die Show statt? Darüber vergesse ich dann gerne die Zeit und die Jungs und Mädels fangen an nervös zu werden.

Vröni: Nick hat sich angewöhnt, fiktive Setlists zu entwerfen und als Druckmittel rumzuschicken. Nach dem Motto: Wenn du bis morgen nicht mit deinem Vorschlag am Start bist, dann spielen wir das!

Wolfgang: Ehrlich gesagt, solche Sets haben wir auch schon gespielt und es hat funktioniert. Aber es braucht schon Zeit, Vorbereitung und Mühe, um eine wirklich gute Show zusammenzustellen. Wir experimentieren auch viel rum. Es ist ein Unterschied, ob wir den Gig in einem Stück spielen oder auf 2 oder gar 3 Blöcke verteilen. Da sind die Konzerte bei den Bikerclubs eine gute Schule. Hier bekommt man sehr unmittelbar mitgeteilt, was funktioniert oder eben auch nicht.

Gibt es Bands oder Stücke, die sich beißen, die ihr auf gar keinen Fall miteinander kombinieren würdet?
Wolfgang: Lass mich nachdenken – nein, eher nicht. Viel wichtiger ist, die Spannung zu halten und den passenden Moment für das jeweilige Stück zu finden. Im letzten Drittel einer Show braucht man mit Killer of Giants (Ozzy Osbourne) nicht mehr zukommen.

Die Antworten zum folgenden Soundcheck gingen leider in dem irrwitzigen Versuch, sich bei brüllend lauter Musik über Musik unterhalten und das Ganze parallel auf Band aufnehmen zu wollen, komplett unter – sorry folks. Der Vollständigkeit halber, angeregt diskutiert wurde über diese Songs: Angel Witch – Angel Witch; Riot – Swords and Tequila; Tokyo Blade – Heaven Is Hell; Def Leppard – Photograph; Running Wild – Chains And Leather; Dokken – Unchain The Night; Savatage – Strange Wings; D:A:D – Sleeping My Day Away; Skid Row – Youth Gone Wild.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=YFi2Al4YK-c&feature=youtu.be

Was macht für euch die Faszination dieser Musik aus? Was ist die Essenz des Heavy Metal, das was andere Musik nicht hat?
Chris: Es ist ein gewisses Maß an Aggressivität dabei, die man sonst nicht findet. Das ist schon ein ziemlicher Unterschied zu vielen anderen Musikstilen

Vörn: Energie und Aggressivität, in der Musik steckt ganz viel Power.

Roland: Der Metal aus den 80er-Jahren ist noch nicht überproduziert. Man kann die Songs wirklich gut reproduzieren und nachspielen. Wir arbeiten mit Verstärkern und Effekten, die auch damals benutzt wurden. Damit kämen wir an den Sound aktueller Bands überhaupt nicht ran. Ein aktueller Song Def Leppard? Wir hätten keine Chance, auch nur annähernd so zu klingen. Damals gab es auch noch nicht so viel Zeug. Es gab eine Handvoll Verzerrer, man konnte ein paar Gitarrenamps kaufen und alle haben den gleichen Kram im Studio benutzt. Heute sind die Produktionen bis ins Unendliche komprimiert und mit Doublebassdrums zugeknallt und nach zwei Songs ist die Geschichte erzählt.

I’ve got Heavy Metal Music in my blood /And I’d like to get it to you if I could. (Heavy Metal Mania – Holocaust)

Chris: Der Sound der 80er ist einfach einzigartig und hat einen absoluten Wiedererkennungswert. Egal ob Popmusik, Rock oder Metal – auch wenn du das Lied nicht kennst, du erkennst den Jahrgang sofort. Auf der Fahrt hierher lief Kayleigh von Marillion. Nach 3 Sekunden bist du mitten im Song und glücklich.

Was sind eure Pläne für das kommende Jahr, wo soll es mit der Band hingehen?
Nick: 2020 werden wir voll durchrocken. Wir wollen so viel wie möglich live spielen.

Vrön: Vor dem Tribute to Monsters of Rock Gig mit den beiden Regensburger Bands im Backstage gibt es ja noch eine kleine Premiere. Maidenhead spielen zum ersten Mal auf dem Winter-Tollwood (29.11. im Hexenkessel). Ein Highlight wird hoffentlich der Gig im Rockmuseum auf dem Olympiaturm werden. Der ist aber erst 2021. Bis dahin gilt es, durchzuhalten und jede Menge Spaß zu haben.

Besten Dank für eure Zeit und let there be rock! Streng nach der Devise „Wer sich erinnern kann, kann nicht wirklich dabei gewesen sein“ schmeißen wir für das Konzert 5 x 2 Gästelistenplätze in den Verlosungs-Moshpit. Einfach Mail mit Betreff Tribute to Monsters of Rock an ichwillgewinnen@curt.de. Wir ziehen die Gewinner circa eine Woche vor dem Konzertabend. Viel Glück!


curt präsentiert: Tribute To Monsters Of Rock mit MaidenheadHomepage + MystericA >Facebook  + Black Purple > Homepage // 20. Dezember 2019 // Backstage Halle // Beginn: 20:00 Uhr / Einlass: 19:00 Uhr // VVK: 15 € + Gebühr