Im Kino: Magie der Moore

Nicht Land, nicht Wasser, nicht Wald – das Moor entzieht sich unserer klaren Definitionen, gab mit seinen fließenden Übergängen schon immer Anlass zur Faszination, aber auch zur Furcht. Denn wer weiß schon, was da in den dunklen Tiefen auf einen lauert? Viele Legenden ranken sich um dieses doch sehr eigene Biotop, erzählen von seltsamen Wesen und auch davon, dass Menschen immer wieder dort verloren gehen. Früher in Europa recht weit verbreitet, fielen sie zunehmend dem Streben nach Wirtschaftlichkeit zum Opfer, schließlich lässt sich dort nichts anbauen. Und auch Siedlungen sind schwierig. Also wurden zahlreiche Gegenden trockengelegt und damit umgewandelt.

Welcher Verlust das ist, das wollten Naturfilmer Jan Haft und sein Team zeigen, legten sich mehrere Monate in „Magie der Moore“ auf die Lauer, um Tier- und Pflanzenwelt auf Kamera festzuhalten. Und die hat es in sich: Durch die Abgeschiedenheit und die vielfältigen Lebensräume haben sich die unterschiedlichsten Lebewesen hier niedergelassen. Ob Schlangen oder Bären, Frösche oder Wölfe, sie sind ebenso hier zu finden wie viele, zum Teile auch seltene Vogelarten. Über mangelnde Abwechslung braucht sich hier deshalb auch niemand zu beklagen, ständig werden andere Aspekte der Moore beleuchtet.

Nur begnügt sich Haft nicht damit, einfach nur das Vorhandene zu dokumentieren, er lässt es sich auch nicht nehmen, das Ganze richtig in Szene zu setzen. Mal wählt der Zeitraffer, um die Verwandlung einer Raupe in einen Schmetterling festzuhalten, dann greift er zur Zeitlupe, um kaum oder gar nicht zu sehende Vorgänge zu veranschaulichen. Das ist natürlich legitim, manchmal verliebt sich der Film aber etwas zu sehr in die eigene Kunstfertigkeit, zusammen mit dem prominenten Einsatz von Musik verliert sich irgendwann der Eindruck, tatsächlich in einem Moor unterwegs zu sein, vielmehr meint man, durch eine kunstvoll arrangierte Vernissage zu laufen.

Authentisch wirkt „Magie der Moore“ dadurch nicht, verwöhnt aber mit betörenden Bildern, die tatsächlich wie aus einer anderen Welt anmuten und einen, wie der Titel es bereits andeutet, mit ihrer fremden Schönheit bezaubern. Dazu passt die gewählte Stimme aus dem Off, die auch beim Vorlesen eines Gutenachtmärchens für Kinder nicht fehl am Platz wäre. Selbst die wenigen grausameren Momente – Haft vermied es größtenteils, die Wildheit der Natur zu zeigen, zeigt lieber Wölfe und Bären beim Aasfressen anstatt beim Jagen – werden so zu samtweichen, fast surrealen Erfahrungen.

Magie der Moore

Vereinzelt reißt Haft seine Zuschauer aus diesem Zauber jedoch wieder heraus, wenn er seine Aufgabe als Bewahrer der Moore mit einem gewissen Sendungsauftrag verbindet: Er warnt davor, was das Verschwinden der Landstriche bedeutet, zieht naturwissenschaftliche Zahlen aus dem Zauberhut – 30 % des CO2 werden in den Mooren gespeichert –, appelliert an die Weltgemeinschaft. Das ist gut gemeint, gleichzeitig aber auch recht belehrend, gibt dem Ganzen einen nicht mehr ganz so schönen Nachgeschmack. Ansonsten aber überwiegt der positive Eindruck, „Magie der Moore“ nimmt einen mit auf eine beeindruckende Reise durch uns im Alltag unbekannt gewordene Gegenden, zeigt uns deren Bewohner und deren clevere Taktiken, in diesem Umfeld zu überleben.

Fazit: „Magie der Moore“ zeigt uns mit Fachwissen, vor allem aber betörenden Bildern die Vielfalt der Moore. Manches davon ist schon etwas zu kunstvoll arrangiert, am Ende wird es auch recht belehrend, dennoch lässt einen die Dokumentation fasziniert von den selten gewordenen Landstrichen zurück.

Regie: Jan Haft; Kinostart: 24. September 2015