Im Kino: Lux – Krieger des Lichts

Torsten Kachel (Franz Rogowski) ist ein netter, zuvorkommender, aber doch recht unscheinbarer junger Mann, der noch bei seiner Mutter (Eva Weißenborn) wohnt und tagsüber in einem Lager arbeitet. Nachts verwandelt er sich jedoch in den großen, kostümierten Helden Lux. Zumindest wäre er das gerne. Anstatt Verbrecher zu jagen, teilt er jedoch Essen an Obdachlose aus. Für die beiden Dokumentarfilmer Jan (Tilman Strauß) und Lina (Anne Haug) hat die Geschichte tatsächlich Potenzial. Und auch Produzent Brandt (Heiko Pinkowski) lässt sich breitschlagen, die Geschichte ins Fernsehen zu bringen – gesetzt den Fall, dass sie da noch ein bisschen mehr Spannung herauskitzeln können. Da trifft es sich doch gut, dass Torsten eines Nachts der Stripperin Kitty (Kristin Suckow) über den Weg läuft und sich in sie verliebt.

Helden braucht das Land! Den Eindruck könnte man zumindest gewinnen, wenn man das Kinoprogramm regelmäßig verfolgt. Eskapismus war ja schon immer eines der Hauptanliegen von der Traumfabrik – neben dem Geldverdienen natürlich –, Filme, in denen die Welt oder zumindest ein hübsches Fräulein von einem muskelbepackten Strahlemann gerettet wird, gehören zum festen Repertoire. So manch einer schaut da auf die Leinwand und wünscht sich, selbst so jemand zu sein.

Nun hat Torsten aber relativ wenig von den Übermännern, die uns andauernd vor der Nase herumstolzieren. Körperlich ist er ganz gut beisammen, wie wir bei seinen Trainingseinheiten sehen. Von der Persönlichkeit her passt es aber weniger. Und sein selbst gebasteltes Kostüm würde selbst bei irgendwelchen Fan Conventions kaum ernstgenommen werden. Am schlimmsten ist aber der Gegensatz zwischen den Rettungsfantasien und seinem bescheidenen Alltag. Nicht dass etwas falsch daran wäre, Obdachlose mit Essen zu besorgen. Vielmehr erzwingt dies die Frage, was es eigentlich bedeutet, ein Held zu sein. Ist es wichtiger, böse Buben auszuschalten oder sich um die Leute zu kümmern, die an der Fußsohle der Gesellschaft kleben?

Regisseur und Drehbuchautor Daniel Wild, der hier sein Spielfilmdebüt abgibt, nimmt diese Frage auch durchaus auf. Aber es ist nur einer von vielen Aspekten in „Lux“. Zunächst einmal glaubt man hier, eine Komödie vor sich zu haben, die pseudodokumentarischen Aufnahmen zeigen mit viel Humor einen nicht ganz alltäglichen Alltag. Dazu gehören dann auch Interviews mit der Mama und sonstige Ausschnitte aus dem Privatleben. Gleichzeitig ist „Lux“ aber auch ein Drama. Wild erzählt die Geschichte eines Mannes, den kaum einer wahrnimmt. Ein Mensch, der gern so viel mehr hätte als sein kleines, unbedeutendes Leben und sich dafür in Fantasien stürzt. Und das geht durchaus zu Herzen, umso mehr, da Torstens Auftritte von den Medien aufgebauscht und ausgenutzt werden. Die Gier nach Sensation und Kohle, sie ist wichtiger als das Individuum.

Und so wandelt sich die Mischung aus traurigem Porträt und alberner Fake-Doku zum Ende hin in eine beißende Mediensatire. Andeutungen dazu gab es zuvor natürlich nicht zu knapp, nicht zuletzt weil Produzent Brandt ein wandelndes Klischee ist. Allgemein greift „Lux“ zu oft auf Stereotype und bewährte Elemente zurück – beispielsweise die totkranke Mutter. Was originell beginnt folgt anschließend lange, zu lange, bekannten Pfaden, nur um zum Schluss auf einmal komplett aufzudrehen und übers Ziel hinauszuschießen. Die Balance stimmt an der Stelle nicht so wirklich, da kommt so viel zusammen, dass nicht ganz klar wird, worauf es denn jetzt eigentlich ankommen sollte. Diesen Schwächen zum Trotz ist diese eigenwillige Genremischung aber ein interessantes Debüt, das sich nicht davor scheut, Themen anzugehen und auch mal etwas zu sagen.

Fazit: Ein Niemand versucht ein Held zu sein, möchte die Welt retten und ist am Ende doch nur eine Witzfigur im Kostüm. „Lux – Krieger des Lichts“ packt eine Menge von Themen an, ist Mockumentary, rührendes Drama und Mediensatire in einem. Das stimmt von der Balance her nicht immer, ist zeitweise zu lang oder auch zu vorhersehbar. Aber es ist eine interessante Genremischung, die einiges zu sagen hat und dabei enorm von Franz Rogowskis Leistung profitiert.

Wertung: 7 von 10

Regie: Daniel Wild; Darsteller: Franz Rogowski, Heiko Pinkowski, Eva Weißenborn, Kristin Suckow, Anne Haug, Tilman Strauß; Kinostart: 4. Januar 2018


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