2. Mai
La Dispute @ Technikum

Die verschwitzen Fans drängen dicht an die Band. Die Begeisterung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Die Luft ist geladen. La Dispute, kaum von den Kids im Publikum zu unterscheiden, lassen sich nicht ablenken. Ziehen ihr Ding durch. Geben alles. Roh, laut, ehrlich. Ein flüchtig eingefangen Konzert-Moment, der für die US-Band La Dispute zumindest hier in Deutschland viel ändern sollte. Denn die Musik-Zeitschrift Visions wählte diesen schwarzweiß Schnappschuss im Herbst 2011 als ihr Cover und titelte: Die Zukunft des Hardcores. Wie zum Beweis gab es noch Wildlife, die zweite Platte von La Dispute, mit dazu. Und die hielt was die Visions versprach. Und wie!

Neun Jahre  sind seit dem vergangen und Wildlife lässt sich noch immer unglaublich gut hören. Das Album hat nichts von seiner Intensität und Energie verloren. Und damit ist nicht Krach gemeint, mit dem man das schwierige Genre Post-Hardcore vielleicht gerne in Verbindung bringen mag. La Dispute sind harmonisch, schlagen eher ruhigere Töne an. Sie sind mehr Storyteller als Krawall-Haudegen. Geschichten aus ihrer Heimatstadt Grand Rapids in Michigan hat die Band zu Wildlife inspiriert. In den Texten thematisiert Sänger Jordan Dreyer die schwierige und emotionale Seite des Lebens. Es geht um psychische Erkrankungen und schmerzhafte Verluste.

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https://www.youtube.com/watch?v=ExaL3xH0IiI

 

Ihre neuen Songs sind zwar sphärischer, den schweren Themen und auch ihrer Heimatstadt sind La Dispute aber bis heute treu geblieben. So inspirierten Sänger Jordan Dreyer die Kreuze, die für Verunglückte am Straßenrand aufgestellt wurden, zum aktuellen vierten Album Panorama. Jedes Mal wenn er von Grand Rapids zu seiner Freundin fuhr, beschäftigen ihn diese bedrückenden Denkmäler. “All the crosses for the accidents / All the photos and the flowers by the street / Will I ever put flowers by the streets” heißt es daher im Song Fulton Street I. Und dabei ist dem Musiker schon fast unangenehm, das vielen Fans, die schreckliches erlebt haben, Trost in seinen Songs finden. Schließlich hat er die Dramen von den die Songs handeln, nicht selbst durchgemacht, sondern sich nur ausgedacht.

Trotz aller Schwerer und Düsternis sind die Konzerte von La Dispute alles andere als ein Trauerspiel. „Wenn ich auf irgendetwas stolz bin, dann ist es die Leistung und das Gefühl, mit Menschen verbunden zu sein und zu sehen, wie sie emotional berührt sind von der Stimmung die Punk und Hardcore erschaffen kann”, sagt Dreyer über die Live-Shows seiner Band.


La Dispute > Facebook > Instagram // 2. Mai 2020 // Technikum // Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr // VVK 26 Euro zzgl. Gebühren