Gehört: Kraut und Ruhm – Glump & Zeig

Wäre die Musik von Kraut und Ruhm ein Film, dann wohl am ehesten die grindige Rodriguez-Tarantino-Kollaboration “From Dusk Till Dawn”. Ihr wisst schon, als George Clooney noch richtig cool war. Auch wenn die Musik der sechs Bajuwaren meist nicht einmal annähend wie der Soundtrack des Vampir-Splatterstreifens klingt. Anstelle der kernigen Bart-Riffs von ZZ Top kommen die Songs von Kraut und Ruhm im entspannten Offbeat. Statt des balzenden Tenors von Mavericks-Sänger Raul Malo (“Foolish Heart”) wechseln sich auf dem Debütalbum “Glump & Zeig” der dreckige Sprechgesang von Sänger Dominik Oberhauser mit der krachenden Soulstimme von Duett-Partnerin Miriam Bettaieb ab.

“Glump & Zeig” (“Klump und Zeug” zu Hochdeutsch, ihr Saupreiß’n) ist am 1. Februar erschienen und vermengt Genres und Sprachen zu einer funkigen Emulsion. Ähnlich wie bei “From Dusk till Dawn” beginnt das Album mit dem Song “Mary Jane” und einer lockeren Luftigkeit und bissigem Humor, die sich in den Texten der folgenden Tracks wiederfindet, während der Rhythmus stets an Tempo gewinnt. So wird nicht nur der Offbeat schneller und geht in Begleitung von Gitarre, Bass und Saxophon teils zum Ska, teils zum Funk über. Auch Oberhausers Sprechgesang beschleunigt auf ein Tempo, das Busta Rhymes Konkurrenz machen könnte. Eine Zäsur setzt in jedem Stück die mächtige Stimme von Bettaieb, die nicht nur auf der Platte ein beträchtliches Volumen hat.

Eins lässt sich direkt sagen: “Glump und Zeig” ist ein solides Debütalbum mit tollen Songs. An die Live-Auftritte der Band reicht es dennoch nicht heran. Erst auf der Bühne injizieren Kraut und Ruhm ihre Songs mit einer Energie, welche die Studioaufnahme nur erahnen lässt. Hier wird aus der noch relativ lockeren Flucht vor den Cops tatsächlich das fulminante, amüsante Gemetzel mit den Vampiren: Statt Maschinengewehre feuert die Rhythmus-Sektion aus Max Schneider und Simon Seufert ein Beat-Feuerwerk ab und die schrubbenden Gitarren von Felix Schneider grenzen tatsächlich etwas an unverzerrten Punkrock. Prinzipiell ist Kraut und Ruhm nicht nur eine Reggea-Band. Sie sind eine Reggae-Band für Menschen, die keinen Reggae mögen, genau wie “From Dusk till Dawn” auch ein Vampirfilm für diejenigen ist, die Vampire hassen. In dem Sinne: “Everybody stay cool. You, be cool.”

Kraut und Ruhms Debüt “Glump & Zeig” gibt’s auf allen Streaming-Services zu hören und auf iTunes zu kaufen. Wer die Band mal live sehen will:

3.3., Distillers Bar
11.3. Emergenza Bandcontest, Backstage München
31.3. Muc-King 2017


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