19. März
Kollegah @ TonHalle

Julius Gaius Boss

Deutsch-Raps breitgebauteste Antithese hat die Sandalen geschnürt, den Brustpanzer poliert und freut sich auf eine Phalanx kampfeslüsterner Jünger, die sich zum Auftakt der Imperator-Tour vom Blingbling des Double- bis Triple-Time Weltwunders blenden lassen wollen.

400 Millionen Streams machen den gebürtigen Kanadier und Godfather of Zuhälter-Rap nicht nur auf seinem neuen Album hierzulande zum unangefochtenen Imperator. Während Spotify unter der schieren Last des Boss’ zusammen zu brechen droht, freuen sich das hauseigene Label Alpha Music Empire feat. Warner Music über die vierte Nummer 1 in Folge sowie anhaltende Verkaufszahlen des neuen Tonträgers von Kollegah. Kaiseraura eben und q.e.d.

Tatsächlich ist dem King auf seinem Weg zum obersten Anführer der Rap-Streitkräfte auch musikalisch ein gewisser Coup gelungen. Während Felix Blume in Sachen Reimtechnik, Tempo und verspielte Wortketten nur wenige das Wasser reichen können, sah es im Bereich der Beats und der Produktion aus Sicht vieler lange Zeit eher mau aus. Mit Imperator legt die fleischgewordene Kathedrale nun ein Album vor, das auch produktionstechnisch zu überzeugen weiß und vor allem bei Tracks wie „Nero“ oder „Hardcore“ ordentlich den Bizeps pumpt.

Uneinigkeit herrscht dennoch, wenn man von der Relevanz des Mannes im Mercedes aus Weißgold spricht. Die Formel-Kollegah droht wie die vieler seiner Mitstreiter bis Diss-Opfer austauschbar zu werden, war schon mal da, und ist mittlerweile auch den cooleren Muddis der Republik nicht nur ein Schrecken sondern auch wohl bekannt.

Die Selbstheilung übernimmt der Boss jedoch kurzerhand selbst und wickelt sich die Toga um, stilisiert sich zum Schwippschwager Kaiser Neros und bedient sich einer Bildsprache, die es so im deutschen Rap noch nie gab. Eine Mischung aus Mad Max, 300 und zumindest ästhetisch etwas von der DNA der California Love aus dem Hause 2pac feat. Dr Dre rollt, schießt und gestikuliert inhaltschwanger über den Bildschirm. Kollegah gelingt eine Selbstdarstellung, die nicht dicker hätte aufgetragen sein können, im gleichen Atemzug aber doch stimmig wirkt. Man liebt es, hasst es, oder muss doch für einen Moment lang schmunzeln.

Wo Felix aufhört und Kollegah anfängt, das ist nicht immer eindeutig. Der Boss bleibt sich jedoch treu, wischt sich Schwiegersohns charmantestes Lächeln vom Gesicht und macht sich mit einer Armada von Trucks voll mit Designer Whey und schwerem Eisen auf, auch dem letzten Skeptiker das Lichtlein auszublasen. Das Münchner-Kindl Ali As übt sich im Vorprogramm gleich mit beim Übernahmemodus in der Punchline-Schwergewichtsklasse.

Alea iacta est, und so bietet sich angesichts des unaufhaltsamen Himmelflugs des Boss‘ bald eine der wenigen Chancen, Kollegah noch einmal live zu erleben, ehe er zur Sonne emporsteigt und endgültig in der gottgleichen Transzendenz verschwindet. Deutschraps-Pharao lädt am 19. März höchstpersönlich zur kaiserlichen Balkonrede in die Tonhalle zu München. Plaudite!

Kollegah – Imperator Tour > Facebook // 19. März in der TonHalle // Einlass: 19:00 Uhr // VVK: 37,00 Euro zzgl. Geb. über www.eventim.de