Bis 29. Juli
4. KloHäuschen-Biennale

Kunst und Klo passen ganz wunderbar zusammen. Das wissen wir spätestens seit Kathrins Kuturklo (Folge curt & Radio München). Darum waren wir sehr gespannt auf die Vernissage, mit der am 19. Juli die diesjährige KloHäuschen-Biennale eröffnet wurde.

Die Münchner Künstlerin Anja Uhlig entdeckte das ehemalige Herrenpissoir, als sie in Sendling nach einem Atelier suchte. Sie fragte bei den Markthallen nach und durfte mal hineinschauen. Zum Arbeiten, so viel war schnell klar, eignet es sich nicht. Doch Uhlig fand den Ort so spannend, dass sie beschloss, das „KloHäuschen” sichtbar zu machen, und mietete den Raum an. Seit 2009 lädt sie im Zuge der „Maßnahmen zur Beseelung des Klohäuschens an der Großmarkthalle“ wechselnde Kuratoren, Künstler und Gäste ein, in dem Raum etwas Neues entstehen zu lassen. Unterstützt wird sie bei der vierten KloHäuschen-Biennale von Kunsthistoriker Pietro Tondello, der die Ausstellung kuratiert, Prof. Dr. Matthias Castorph, der die Ausstellungsarchitektur gestaltet hat, und der charmanten Kina Deimel, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

Klohäuschen Biennale curt München

Organisatorin Anja Uhlig und Kurartor
Pietro Tondello

Und so kam es, dass letzten Donnerstagabend ein bunter Haufen Kunstinteressierte vor einem öffentlichen WC in Sendling stand und sich auf die Vernissage freute. Den Auftakt bildeten vier Live-Performances teilnehmender Künstler. Es ging um Graffiti für Blinde, Vernetzung ohne Internet, Revolution ohne Pathos und – unser persönlicher Favorit – um verführerische Versprechen auf Lastwagen, die hier jeden Tag ihre Waren anliefern. Das Ganze natürlich vor der Tür, denn mehr als eine Handvoll Leute passen nicht in das stille Örtchen.

Innendrin geht es ordentlich zur Sache: Sage und schreibe 34 Künstler zeigen hier ihre Arbeiten. Außerdem haben die Veranstalter dieses Jahr eine Brücke zu einer weiteren Off-Location geschlagen. Mit der Gartenlaube der Kunst in Ottobrunn (Link) hat die Biennale nämlich erstmals einen zweiten Spielort. Zu der Idee hat sich Anja von der letzten documenta inspirieren lassen, die in Kassel und Athen stattfand. „Orte vernetzen und nach Athen gehen. Das hat etwas von einem Wunschbild in sich und gleichzeitig etwas Größenwahn. Vor allem für ein altes Klohäuschen“, erzählt sie.

Inhaltliche Klammer ist das Konzept „Displaying Strategies“: Nicht die fertigen Arbeiten werden ausgestellt – sondern der Weg dorthin (in der Gartenlaube) oder Ausschnitte des fertigen Ganzen, die eigentlich am Ende aussortiert wurden. Die fertigen Arbeiten kann man nur im Katalog sehen, der für 8 Euro zu haben ist.

Unser Fazit: Kunst in einem Klohäuschen tut irgendwie einfach gut. Weil sie vor allem eines ist: zugänglich. In einer Stadt, in der Gentrifizierung und Elfenbeinturm-Denken Hochkonjunktur haben, braucht es unbedingt mehr davon.


4. KloHäuschen-Biennale // 20.–29.07.2018 // KloHäuschen München, Großmarkthalle Westtor, Thalkirchner Str./Ecke Oberländerstr.
(Google Maps-Link) > Homepage

01.–22.07.2018 // Gartenlaube der Kunst Ottobrunn, Denkmalsplatz, Am Bogen 21

 


About Julia Fell

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Exilsaarländerin, in jungen Jahren nach England verpflanzt, über einen Zwischenstopp im beschaulichen Passau in München gelandet, um irgendwas mit Medien zu studieren. Will entweder für immer hier bleiben oder doch noch nach Amsterdam ziehen. Mag Reggae, Rap, spleenige Menschen, große Männer mit schönen Augenbrauen und großer Schnauze, Gruselstreifen, Stinkekäse, Biografien und flache Witze. Mag nicht, dass ihr ständig jemand eine Berufsunfähigkeitsversicherung andrehen will. Im 9-to-5-Leben Fotoredakteurin.