Im Kino: Why Are We Creative?

Es gibt ja so Fragen, die sind einerseits ganz einfach. Und doch ist es nahezu unmöglich, darauf eine Antwort zu geben. Oder besser: die Antwort zu geben. Denn Antworten erhält Hermann Vaske jede Menge in seinem Film. Aber sie sind widersprüchlich, sofern sie überhaupt etwas aussagen, bringen uns dem Mysterium kein Stück näher und machen uns doch auch irgendwie schlauer dadurch. Denn wie so oft ist bei „Why Are We Creative?“ der Weg das Ziel, spannend deshalb, weil er nirgends hinführt. Und doch überall hinführt.

Die Frage, wieso wir eigentlich kreativ sind, die entstand aus der Laune heraus in einer kleinen geselligen Runde. Vaske gibt diese Anekdote kurz wieder, setzt damit den Startschuss für seinen Film. Im Anschluss hält er sich jedoch nahezu vollständig heraus, überlässt lieber anderen das Wort. Vielen anderen. Vor allem Künstler hat er befragt, darunter Schauspieler (Willem Dafoe, John Cleese), Regisseure (Quentin Tarantino, David Lynch), Modedesigner (Vivienne Westwood) oder Musiker (Björk, Bono). Aber auch Politiker und Wissenschaftler dürfen eine Antwort geben. Oder auch mal keine Antwort geben.

Why Are We Creative? Kino curt München

Es ist liegt in der Natur eines solchen Dokumentarfilms, dass das Ergebnis etwas schwammig ist. Viele sind erst einmal verblüfft über diese Frage, ringen mit sich, ringen mit der Definition, was Kreativität überhaupt bedeutet. Die einen versuchen, über die biografische Schiene an ein Ziel zu kommen, andere wollen in der Antwort selbst eine Kreativität demonstrieren. Und dann wäre da noch George Bush, der von sich selbst sagt, überhaupt nicht kreativ zu sein, das für seinen Job nicht sein zu müssen.

„Why Are We Creative?“ fasziniert durch die Vielzahl dieser Stimmen, durch die unglaubliche Prominenz der Befragten. Aber auch durch die Fleißarbeit und Beharrlichkeit von Vaske: Über viele Jahre folgte der deutsche Regisseur den Stars, stellt unter den unterschiedlichsten Bedingungen immer wieder dieselbe Frage. Kommentare zu den Antworten verkneift er sich, bis auf ein gelegentliches Danke ist von ihm nichts zu hören.

Das wird nicht allen im Publikum gefallen, manch einer wird bedauern, dass der Film zwar viel Material enthält, aber so wenig konkret wird. Wer sich von „Why Are We Creative?“ erhofft, einem großen Geheimnis auf die Spur zu kommen, vielleicht gar eine Anleitung zu finden, wie man selbst kreativ werden kann, der kann und wird hier enttäuscht sein. Aber es ist doch unterhaltsam, was Vaske hier zusammengetragen hat, gibt den einen oder anderen Denkanstoß und ist ansonsten einfach ein guter Vorwand, um lauter bekannte Gesichter wiederzusehen.

Fazit: In seinem Dokumentarfilm geht Hermann Vaske der Frage nach, aus welchen Gründen wir kreativ sind und befragt dafür zahlreiche Künstler, Politiker und Wissenschaftler. Eine klare Antwort kann „Why Are We Creative?“ nicht geben. Spaß macht das Sammelsurium aus Aussagen und Ausflüchten aber auch so.


Why We Are Creative? // Regie: Hermann Vaske // Kinostart: 4. Oktober 2018