Im Kino: Under the Silver Lake

Geld hat der 33-jährige Sam (Andrew Garfield) nicht, auch keine Arbeit. Dafür aber ein schönes Auto und eine schicke Wohnung in einer vornehmen Wohnanlage. Dort verbringt er gerne seine Zeit damit, seine diversen Nachbarinnen zu beobachten. So bleibt ihm dann auch die hübsche Sarah (Riley Keough) nicht verborgen, die neu nebenan eingezogen ist. Es dauert nicht lange, bis die beiden ins Gespräch kommen, eine ganze Nacht plaudern sie durch. Doch am nächsten Morgen kommt das böse Erwachen: Sarah ist fort, komplett mit ihren Sachen ausgezogen. Für Sam steht fest, dass die Geschichte damit noch nicht zu Ende sein darf. Und so begibt er sich auf die Suche nach ihr und kommt dabei einem großen Geheimnis auf die Spur.

Under The Silver Lake Kino curt München

Nachdem David Robert Mitchell vor einigen Jahren noch für „It Follows“ (>> Filmkritik) gefeiert wurde, ist sein Folgewerk „Under the Silver Lake“ schon sehr viel umstrittener. Möglich, dass dies damit zusammenhängt, dass Mitchell eine unerwartete Richtung eingeschlägt. Wer einen hoch gelobten Horrorfilm dreht, von dem erwartet man in der Folge einen weiteren Ausflug ins Genre. Und „Under the Silver Lake“ tut ja auch immer mal wieder so, als wäre die mysteriöse Suche von Sam ein eben solcher. Schon früh erfahren wir von einem brutalen Hundekiller, später wird eine dämonische Frau die Gegend unsicher machen, es gibt grausige Tode, bei denen die Vermutung naheliegt, dass jemand nachgeholfen hat. Und doch ist das eben nur die halbe Wahrheit. Wenn überhaupt.

Was ist denn nun die Wahrheit? Was steckt hinter dem Verschwinden von Sarah? Gibt es einen geheimen Bund in Los Angeles, der die Fäden zieht, ohne dass es die Bevölkerung mitbekommt? Das sind nur der der vielen Fragen, die Mitchell im Laufe der Zeit provoziert. Hin und wieder mal gibt er auch selbst eine Antwort darauf. Er lässt es sich dabei aber nicht nehmen, dieser Antwort weitere Fragen folgen zu lassen. Denn jeder Schritt, den Sam macht, jede Begegnung, bringt einen weiteren Hinweis, eine weitere Spur. Oder tut zumindest so als ob.

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https://www.youtube.com/watch?v=jGtYpTR7JhA

 

Das erinnert an frühere Mystery-Thriller, irgendwo zwischen David Lynch und Alfred Hitchcock, auch weil der Film vollgestopft ist mit Anspielungen und Verweisen. Ein Unterschied jedoch: „Under the Silver Lake“ nimmt das alles mit Humor. Mal Hommage, dann wieder Parodie, haben die surrealen Momente trotz ihrer bedrohlichen Atmosphäre fast immer auch etwas Komisches, Übertriebenes. Die Odyssee durch Los Angeles ist ein Rätsel, das sich selbst genügt. Das weder gelöst werden muss noch soll, sondern einfach nur Spaß dabei hat, jeden vermeintlichen Fortschritt entweder ins Leere oder ad absurdum zu führen.

Wie viel Spaß man als Zuschauer damit hat, das hängt wie so oft bei derartigen Filmen davon ab, ob man die hier zerhackten Vorlagen kennt und im Idealfall genauso liebt, wie Mitchel es offensichtlich tut. Die können musikalischer Natur sein – wie bei „It Follows“ komponierte Disasterpeace den Score, dazu gibt es einen geradezu unverschämt nostalgischen Soundtrack. Filmische Vorbilder verfolgen einen hier ohnehin, bis ins Grab hinein. Und wenn dann auch noch Videospiele aus den 80ern ausgepackt werden, die hier ebenso selbstverständlich dazugehören wie Smartphones, dann sind wir endgültig in einem Wunderland gelandet, in dem alles zusammenkommt, was nicht zusammengehört. Zudem sieht das Popzitatequiz fantastisch aus, macht aus Los Angeles einen Platz der Träume und der finsteren Verschwörungen, einen kunterbunten Abenteuerspielplatz mit Gratis-Schatzkarte.

Under The Silver Lake Kino curt München

Fazit: Oh, das muss ein neuer Hinweis sein! Wenn in „Under the Silver Lake“ ein unterbeschäftigter Nichtstuer seiner verschwundenen Nachbarin nachspürt, dann wird das zu einer abstrusen Schnitzeljagd quer durch Los Angeles und die Geschichte der Unterhaltungsindustrie. Am meisten Spaß macht die Sinnsuche, wenn man die vielen Wegweiser unterwegs zuweisen kann, nostalgisch veranlagt ist und diese Reise nicht des Zieles wegen antritt. Denn das spielt wie so vieles hier keine echte Rolle.

Wertung: 7 von 10


Regie: David Robert Mitchell; Darsteller: Andrew Garfield, Riley Keough, Topher Grace; Kinostart: 6. Dezember 2018