Im Kino: The Peanut Butter Falcon

!Zak (Zack Gottsagen) hat einen Traum. Er möchte eines Tages Wrestler werden, so wie sein großes Vorbild The Salt Water Redneck. Der Alltag des 22-Jährigen mit Down-Syndrom ist hingegen alles andere als traumhaft. Da es in seiner Umgebung keine passende Einrichtung gibt, wurde er notgedrungen in einem Altersheim untergebracht. Dass ihn dort nichts hält, ist klar. Nach mehreren glücklosen Versuchen gelingt ihm auch tatsächlich die Flucht. Während er nun auf eigene Faust nach Florida unterwegs ist, um dort eine Wrestlingschule zu besuchen, kreuzt sich sein Weg mit dem des Fischers Tyler (Shia LaBeouf), der selbst gerade auf der Flucht ist. Gemeinsam begeben sie sich auf eine aufregende Reise und werden dabei sowohl von Gangstern wie auch Zaks Betreuerin Eleanor (Daktoa Johnson) verfolgt …

Je unterschiedlicher zwei Menschen sind, umso größer ist am Ende die Freundschaft zwischen ihnen. Zumindest Filme folgen dieser Logik ganz gerne, wenn in schön regelmäßigen Abständen dasselbe Szenario durchgespielt wird. Auch „The Peanut Butter Falcon“ nutzt diese Möglichkeit, wenn aus anfänglich zwei getrennten Reisen eine einzige wird. Der Grund für die Zweisamkeit ist vergleichsweise dünn. Wo es sonst meist gemeinsame Interessen gibt, da ist das hier Produkt von Zufällen. Nicht sonderlich glaubwürdigen Zufällen. Das Regie- und Drehbuchduo Tyler Nilson und Michael Schwartz versucht nicht einmal wirklich, das gesamte Unterfangen plausibel zu gestalten. Sowohl bei der Flucht an sich wie auch den späteren obligatorischen Momenten, wenn die beiden von ihren Verfolgern gefunden werden, muss man schon mal ein Auge zudrücken.

Nilson und Schwartz ging es aber auch gar nicht darum, eine möglichst realistische Reise durch den Südosten der USA zu zeigen. Wenn Zak und Tyler durch das Land fahren, laufen oder per Floß durchqueren, dann hat das eher etwas Märchenhaftes an sich. Natürlich lassen sich auch reale Themen in „The Peanut Butter Falcon“ finden. Die Perspektivlosigkeit der einfachen Leute, die nicht einmal genug Geld zum Krabben-Fischen haben. Der Umgang mit einem geistig behinderten Jungen Mann, bei dem keiner weiß, was mit ihm anzufangen ist. Es sind dann auch zwei Außenseiter, die sich hier begegnen und einander einen gewissen Sinn im Leben geben. Doch das zielt mehr aufs Herz ab als auf das soziale Gewissen. Die Verweise auf ein rücksichtsloses Amerika, das sich nicht für die Schwachen interessiert, sind zu nebensächlich.

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https://www.youtube.com/watch?v=psIK5qaJPEA

 

Das könnte man als verpasste Chance auffassen, wäre der Film nicht so verdammt charmant. „The Peanut Butter Falcon“ lässt das Leben wieder zu einem Abenteuer werden, in dem irgendwie alles möglich erscheint. Warum sollte nicht ein 22-Jähriger mit Down-Syndrom Wrestler werden? Hier dürfen wir träumen, egal was andere dazu sagen oder die Welt uns vorschreibt. Vor allem dürfen wir dabei jede Menge Spaß haben. Die Reibung zwischen dem melancholischen Kleinkriminellen Tyler und dem unerschütterlichen Optimisten Zak folgt grundsätzlich zwar den Wegen, die solche Buddy-Roadmovies immer verfolgen. Sie bringt aber kontinuierlich überraschend unterhaltsame Szenen hervor.

Dieser Humor ist untrennbar mit Zack Gottsagen verbunden, der ein unglaubliches Geschick für Komik und das entsprechende Timing mit sich bringt. Klar, einiges ist darauf zurückzuführen, dass ein übergewichtiger, lauter junger Mann in Unterhosen durch die Gegend läuft. „The Peanut Butter Falcon“ gibt ihn dennoch nicht der Lächerlichkeit preis, sondern nutzt ihn, damit auch andere einen Lernprozess durchmachen. Das klappt vor allem in den Szenen sehr gut, in denen die zwei Männer unter sich sind. Die Tragikomödie verzettelt sich gegen Ende hin und verliert auch Teile seiner anarchischen Kraft. Aber es bleibt doch eine vergnügliche Reise mit schönen Bildern, die wie aus einer anderen Zeit wirken, die trotz ihrer Abwegigkeit der Gesellschaft von heute einiges mitzugeben hat.

Fazit: In „The Peanut Butter Falcon“ sind ein 22-Jähriger mit Down-Syndrom und ein melancholischer Kleinkrimineller auf der Flucht, erst getrennt, dann gemeinsam. Die Tragikomödie folgt dabei grundsätzlich den Gesetzen solcher Buddy-Roadmovies, gefällt aber durch das unkonventionelle Duo, den überraschenden Humor und schöne Bilder.

Wertung: 7 von 10

Regie: Tyler Nilson, Michael Schwartz; Darsteller: Shia LaBeouf, Zack Gottsagen, Dakota Johnson, John Hawkes, Bruce Dern; Kinostart: 19. Dezember 2019