Im Kino: The Disaster Artist

Greg Sestero (Dave Franco) schreibt sich bei einer Schauspielschule ein, weil er einen großen Traum hat: Hollywood! Dummerweise lässt seine Selbstsicherheit jedoch zu wünschen übrig. Das mit der Bühnenpräsenz will irgendwie nicht so recht klappen. Doch dann trifft er Tommy Wiseau (James Franco), dessen ebenso großer Traum nur noch von dessen Ego übertroffen wird. Gemeinsam ziehen sie nach Los Angeles, um endlich richtig Karriere zu machen. Irgendwann müssen sie jedoch feststellen, dass Hollywood nicht unbedingt auf sie gewartet hat. Aber kein Problem. Wenn die Leute Wiseau keinen Film anbieten, dann macht er den Film eben selbst. Das nötige Geld dafür hat er. Das mit dem nötigen Talent ist jedoch eine ganz andere Geschichte …

15 Jahre wird „The Room“ dieses Jahr alt, jener Film, mit dem Tommy Wiseau Geschichte geschrieben hat – wenn auch vielleicht nicht auf die Weise, wie er geplant hatte. Wenn Zuschauer enttäuscht sind von einem Film, sprechen sie ja ganz gern mal davon, dass er der schlechteste aller Zeiten war. Das ist dann in der Regel übertrieben, bei Wiseaus bizarrem Drama aber sicher nicht unverdient. Die Geschichte ergibt oft keinen Sinn, vergisst komplette Nebenhandlungen, leidet unter extremen Stimmungsschwankungen. Und auch unter einer sehr eigenen Auffassung von Wiseau, was Schauspielerei eigentlich bedeutet.

The Disaster Artist curt München

Letztere wird auch in „The Disaster Artist“ offenkundig. James Franco imitiert auf eine unfassbare Weise die diversen Ticks des Kultfilmemachers. Mit einem fantastischen Gespür von Komik gesegnet, kann man sich gar nicht sattsehen an seiner Performance. Gut möglich, dass sein Porträt des umstrittenen Kollegen und das Quasi-Making-of des Kultstreifens deshalb so überzeugend ist, weil Franco in Wiseau einen Seelenverwandten fand. Die unbedingte Liebe zum Filmemachen, das Desinteresse an Normen oder einem Publikum, der Hang zu Egozentrik und Exzentrik – da haben sich wirklich zwei gefunden. So witzig der realitätsfremde Wiseau in „The Disaster Artist“ auch dargestellt wird, Franco reduziert ihn nicht zu einer Witzfigur. Vielmehr ist der Film eine Hommage. Aber eben eine, bei der man selbst kaum aus dem Lachen herauskommt.

Fans der Kult-Vorlage dürfen sich hier besonders freuen. Während des Abspanns, der Originalszenen und nachgestellte nebeneinanderstellt. Während des Films, wenn wir bei den Dreharbeiten einiger besonders markanten Stellen von „The Room“ dabei sein dürfen. Man muss Letzteren aber nicht gesehen haben, um „The Disaster Artist“ genießen zu können. Ohnehin findet man hier nicht die Antworten, die man sich vielleicht erhofft. Franco verzichtet darauf, Wisneau erklären zu wollen, der bis heute beharrlich verschweigt, wo er herkommt oder woher er das Geld für seinen Film hatte. Aber dieses Mysterium ist Teil des Charmes und des Spaßes. Gerade weil „The Room“ und dessen Mastermind so unerklärlich sind, wie von einem anderen Stern wirken, wird man sich diesen noch in vielen Jahren anschauen, während viele bessere Filme längst in Vergessenheit geraten sind.

Fazit: So schlecht, dass es schon wieder Kult ist: „The Room“ schrieb mit dem unausgegorenen Drehbuch und bizarren Darstellungen Filmgeschichte. „The Disaster Artist“ nimmt sich des Machwerks an und erzählt, wie es eigentlich dazu kam. Richtige viele Antworten findet man darin zwar nicht, dafür macht die Hommage an einen außergewöhnlichen Film höllisch Spaß.

Wertung: 8 von 10


Regie: James Franco; Darsteller: James Franco, Dave Franco, Seth Rogen; Kinostart: 1. Februar 2018