Im Kino: Leid und Herrlichkeit

Salvador Mallo (Antonio Banderas) ist einer der großen Autorenfilmer Europas! Zumindest war er das einmal. Inzwischen ist davon nicht mehr ganz so viel übrig. Seit einer Weile schon bringt er so gar nichts mehr aufs Papier – von der Leinwand ganz zu schweigen. Erst als ein alter Klassiker von ihm frisch restauriert wieder aufgeführt wird und er sich dabei mit seinem damaligen Hauptdarsteller Alberto Crespo (Asier Etxeandia) versöhnt, findet er aus seiner tiefen Krise heraus. Denn immer wieder kehren seine Gedanken daran zurück, wie er als Kind (Asier Flores) mit seinen Eltern ein neues Leben begann.

Pedro Almodóvar hat mit seinem autobiografisch gefärbten Werk seinen besten Titel seit vielen Jahren gedreht. Das Publikum bekommt mit „Leid und Herrlichkeit“ all das, was es schon vorher beim Regisseur schätze. Dies geschieht hier in einer sehr ausgefeilten Form, die zwar den gelegentlichen Hang zum Trash vermissen lässt, der das Werk des Regisseurs prägte, aber auch so äußerst unterhaltsam ist. So unterhaltsam sogar, dass man anfangs meint, Almodóvar hätte eine Komödie gedreht.

Ein bisschen kauzig ist es ja schon, das filmische Alter Ego des Altmeisters. Vor allem die Szenen, wenn er sich im fortgeschrittenen Alter doch noch an Drogen versucht oder auch mal vor einem Auftritt drücken will, lassen einen zumindest schmunzeln. Doch auch wenn Almodóvar seiner Figur mit jeder Menge (Selbst-)Ironie begegnet, er macht sich nie über ihn lustig. Momente wie der, wenn er ein Kissen braucht, um sich noch niederknien zu können, hätten leicht zu einer Farce werden können. Stattdessen dürfen wir einen Mann beobachten, der vom Leben gezeichnet ist und dessen leicht arrogante Fassade erste Risse aufzeigt.

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https://www.youtube.com/watch?v=NfDp1JADq4M

Besonders schön wird dieser eher episodenhaft erzählte Film, wenn Almodóvar Verbindungen zu der Vergangenheit aufzeigt. Immer wieder springt „Leid und Herrlichkeit“ zwischen der kargen, aber glücklichen Kindheit und dem schmerzhaften Alter hin und her. Die Zwischenschritte erschließen sich erst mit der Zeit, bleiben oft der eigenen Fantasie überlassen. Sehr zurückgenommen spricht der Regisseur vom ersten (homo-)sexuellen Erwachen, von den langsam aufkeimenden künstlerischen Ambitionen, von all dem, was den Filmemacher später einmal auszeichnen wird. Auch wenn Salvador als großer Künstler dargestellt wird, ausgerechnet dessen Hochphase spielt keine Rolle.

Stattdessen ist das Drama eine bittersüße Erinnerung an früher. Ein von Wehmut und doch auch Wärme gezeichnetes Spätwerk über einen Künstler, der sein Leben Revue passieren lässt. Das ist weitestgehend frei von der Sentimentalität, die ein solches Werk gerne einmal mit sich bringt. Es ist auch nicht so altersmüde, wie es sich anhört. Stattdessen ist „Leid und Herrlichkeit“ eine farbenfrohe Hommage an das Leben und die Liebe, und an die Kunst natürlich auch. Ein sehenswertes Stück, irgendwo zwischen Ballade und Pop, das einen kurz innehalten und nachdenken lässt, nur um dann gut gelaunt wieder zurück in die Zukunft zu schauen, wo vielleicht noch mehr Schmerzen warten werden. Aber eben auch Momente des Glücks, die all das wieder wett machen.

Fazit: Mit „Leid und Herrlichkeit“ greift der spanische Kultregisseur Pedro Almodóvar auf viele bewährte Themen zurück, wenn er einen alternden Regisseur zeigt, der über sein Leben nachdenkt. Das ist teilweise sehr lustig und farbenfroh, aber eben auch etwas wehmütig: eine schöne und sehenswerte Hommage an das Leben, die Liebe und die Kunst.

Wertung: 8 von 10

Regie: Pedro Almodóvar; Darsteller: Antonio Banderas, Penélope Cruz, Asier Flores, Asier Etxeandia; Kinostart: 25. Juli 2019