Im Kino: Isle of Dogs – Ataris Reise

Es gibt einfach zu viele Hunde, das steht für Bürgermeister Kobayashi eindeutig fest. Als dann auch noch diverse Krankheiten grassieren, fasst er den Entschluss, sämtliche Hunde aus Megasaki City zu verbannen und auf einer künstlichen Müllinsel auszusetzen. Selbst sein eigener Familienhund Spots, der als Bodyguard auf seinen adoptierten Neffen Atari aufpasst, fällt dieser Maßnahme zum Opfer. Während der Bürgermeister seine nunmehr hundefreie Metropole genießt und sich auf die Wiederwahl vorbereitet, bricht Atari zu der Müllinsel auf, um dort seinen alten Freund wiederzufinden. Unterstützung erhält er dabei durch eine Gruppe ehemaliger Schoßhunde, die ebenfalls dort zurückgelassen wurden und nur zu gerne wieder zurück in die Zivilisation würden.

Isle of Dogs curt München Kino

Hunde, die auf eine Müllinsel verbannt werden? Warum sollte man so etwas tun? Aber die Filme von Wes Anderson waren nie solche, in denen Logik eine besonders große Rolle spielte. Oder Realismus. Die Figuren waren immer skurril, die Schauplätze sind verschwenderisch detaillierte Bühnen, deren starre Perspektiven und strenge Symmetrie in einem reizvollen Widerspruch zu dem Inhalt stehen. Je fester das Umfeld, umso losgelöster das, was darin passiert – so scheint es.

Es wäre daher schade, zu viel schon vorab zu erzählen. Der Reiz von „Isle of Dogs“ liegt darin, dass Andersons Geschichte einerseits sehr simpel ist. Das Mensch-Hund-Abenteuer entdeckt aber immer wieder unerwartete Plätze, bringt seltsame Figuren hervor und das Publikum mit trocken-absurden Witzen zum Lachen. Es ist noch nicht einmal so, dass man sich auf einen durchgängigen Ton verlassen sollte. Während manches hier nicht weit vom Märchen entfernt ist, lauert bereits der nächste Abgrund. Immer wieder schleichen sich morbide bis grausame Momente in das nur auf den ersten Blick so kindliche Abenteuer.

Das steht dann auch in einem ziemlichen Kontrast zu dem Inhalt, der immer mal wieder zu Klischees neigt. Gerade die typisch japanischen Postkartenmotive sowie die Figur einer amerikanischen Austauschschülerin, welche zur Retterin der einheimischen Hunde wird, zogen so manche Kritik auf sich. Aber auch die eigentliche Geschichte folgt erstaunlich vielen ausgetretenen Pfaden. Durch die ständigen Flashbacks und die damit durcheinandergebrachte Chronologie wird die starke Gradlinigkeit zwar etwas verzerrt, aber doch nicht ernsthaft aus dem Konzept gebracht.

Isle of Dogs curt München Kino

Und doch ist „Isle of Dogs“ einer der schönsten und wunderlichsten Filme, die dieses Jahr gesehen hat. Daran hat – wie immer bei Anderson – die Optik einen erheblichen Anteil. Die Animationen sind nicht auf dem Stand der Blockbuster-Konkurrenz. Und auch in puncto Effekte spielt „Isle of Dogs“ nicht in derselben Liga, nutzt sympathisch altertümliche Mittel, etwa bei der Darstellung von Rauch. So wie dort ist vieles, was eigentlich ein Manko sein sollte, am Ende keins. Anderson hat sich hier eine ganz eigene Welt zusammengebastelt, die nicht nach den Regeln spielt, so wie wir sie kennen. Eine Welt, die wunderschön und bizarr ist, in der Zukunft angesiedelt ist und doch völlig unabhängig jeglicher Zeit existiert.

Fazit: Vieles an „Isle of Dogs“ kommt einem bekannt vor. Die Geschichte hält sich an bewährte Wege, baut das eine oder andere Klischee ein und ist sowieso ziemlich simpel und geradlinig. Gleichzeitig wird man kaum einen Film finden, der seltsamer, verschrobener und überraschender ist als dieser hier. Ein Widerspruch? Vielleicht. Aber das wunderschöne Stop-Motion-Abenteuer um eine bizarre Hunderettung lebt wie die vorherigen Werke von Wes Anderson in einer ganz eigenen Welt, in der weder die üblichen Regeln, noch Logik oder Zeit etwas zu suchen haben.

Wertung: 9 von 10


Regie: Wes Anderson; Kinostart: 10. Mai 2018


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