Im Kino: Green Room

Besser als nichts, dachten sich die vier Mitglieder der Punk-Rock-Band Ain’t Rights (Anton Yelchin, Alia Shawkat, Joe Cole, Callum Turner), als ihnen ein Konzert in einem abgelegenen Schuppen angeboten wird, als Ausgleich für einen zuvor versauten Gig. Viel besser ist die Alternative aber nicht, besteht das Publikum doch aus lauter Neonazis, mit denen die Punks grundsätzlich im Clinch sind. Richtig kompliziert wird es jedoch erst, als sie hinter der Bühne Zeugen eines Mordes und zusammen mit Skin-Braut Amber (Imogen Poots) eingesperrt werden. Denn für Nazi-Anführer Darcy (Patrick Stewart) und seine rechte Hand Gabe (Macon Blair) ist klar: Sie können keine Zeugen gebrauchen, vor allem keine lebenden.

Green Room Kino Rezension curt München

„Green Room“ und der letzte Film von Regisseur und Drehbuchautor Jeremy Saulnier, der gefeierte Rachethriller „Blue Ruin“, haben auch über die farbigen Titel einiges gemeinsam: In beiden Fällen sind es unbescholtene Bürger, die eher unfreiwillig mit kriminellen und höchst gewaltbereiten Personen zusammentreffen und sich dabei erstaunlich wehrhaft zeigen. Mit einem Unterschied: War die Hauptfigur in „Blue Ruin“ ein vom Leben gezeichneter Mann, der nichts mehr wirklich zu verlieren hatte und sich entsprechend furchtlos in den Kampf gegen die Verbrecher stürzen konnte, sind es hier einige Jugendliche, die ihr Leben praktisch noch vor sich haben. Und alles dafür tun, dass das auch so bleibt.

Am Blutpegel hat sich deshalb auch nicht viel getan, Saulnier mutet Protagonisten wie Zuschauern einiges zu. Anders als Tarantino jedoch, dessen Gewaltexzesse gleichzeitig immer komisch erhöht waren, ist „Green Room“ realistisch gehalten. Und damit umso schmerzhafter: Wenn hier Menschen getötet oder zumindest verstümmelt werden, dann fühlt sich das auch tatsächlich danach an, geschönt wird nichts, aber auch nicht übertrieben. Jeder Schritt, jede Handlung könnte die letzte sein. Das wissen die Nazis. Das wissen die Punks. Das wissen die Zuschauer. Und es wird für manche auch das letzte Mal sein, eine Überlebensgarantie gibt es auf beiden Seiten nicht.

Dass die eigenen Nerven ziemlich in Anspruch genommen werden, liegt aber auch daran, dass zum einen das Geschehen nahezu ausschließlich innerhalb der dunklen Bar stattfindet, was „Green Room“ etwas unangenehm Klaustrophobisches gibt. Zudem ist der Film wie nur selten in dem Bereich unvorhersehbar. Weder sind die unfreiwilligen Helden gehirnamputiertes Kanonenfutter, welches zielstrebig immer das Falsche macht, noch verkappte Superhelden, die mit offensichtlich lange trainierten Kampffertigkeiten jeden fertigmachen, der es wagt, ihnen zu nahe zu kommen. Stattdessen sind es Normalos, nicht auf den Kopf gefallen, welche sich aus der Not heraus erfinderisch zeigen. Die üblichen Mechanismen funktionieren daher nicht, hier fällt es schwer zu raten, wer nun als nächstes ins Gras beißt. Klar, man muss sich damit abfinden, dass die Situation ein bisschen konstruiert ist, sich nicht alles so ganz genau erklären lässt. Aber das ist hier Nebensache: Im Mittelpunkt steht ein ungleiches Duell, welches sich an Genrevorbildern orientiert, dabei aber eine schön fiese eigene Variante daraus macht und zudem auf beiden Seiten sehr gut besetzt ist.

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Fazit: Sobald es in „Green Room“ zu dem ungeplanten Duell zwischen einer Punkband und Neonazis kommt, bedeutet das Hochspannung bis zum Schluss. Dabei sind es sowohl der klaustrophobische Schauplatz, die realistischen Gewaltdarstellungen wie auch die Unvorhersehbarkeit des Duells, welche die Nerven strapazieren.

Wertung: 8 von 10


Regie: Jeremy Saulnier; Darsteller: Anton Yelchin, Imogen Poots, Patrick Stewart, Alia Shawkat, Joe Cole, Callum Turner, Macon Blair; VÖ: 2. Juni 2016