Im Kino: Detroit

Die schwarze Bevölkerung in Detroit leidet in den 1960en unter ständiger Diskriminierung und willkürlichen Schikanen. Im Sommer 1967 eskaliert die Situation schlussendlich und es kommt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei, aber auch regelmäßigen Plünderungen in Geschäften. Inmitten dieser hitzigen Atmosphäre kommt es in dem überwiegend von Schwarzen bewohnten Algiers Motel zu einem dramatischen Zwischenfall. Als einer der Bewohner einen Schuss mit einer Spielzeugpistole abfeuert, stürmen Polizei und Armee das Gebäude. Sie sind fest entschlossen, den Schützen zu fassen und setzen daher jeden unter Druck, der sich gerade in dem Motel aufhält. Doch die Einschüchterungen bringen nicht das erwünschte Ergebnis. Und so beschließt Krauss, aufs Äußerste zu gehen.

Nicht nur Krauss, auch Kathryn Bigelow mutet ihren Mitmenschen eine ganze Menge zu. Denn auch wenn die Geschichte um den Zwischenfall im Algiers Motel nunmehr 50 Jahre zurückliegt, die Parallelen zur aktuellen Lage in den USA sind kaum zu übersehen. Willkürliche Polizeigewalt und Rassismus, das ist eine Kombination, die in den letzten Jahren immer wieder für Entsetzen gesorgt hat. Warum also nicht eine vorangegangene Episode zeigen und damit der Gesellschaft vor Augen führen, wie wenig sich getan hat? „Detroit“ muss dann auch gar nicht viel Zeit aufwenden, um die Hintergründe zu erläutern. Einige wenige Szenen reichen, um sowohl die angespannte Lage wie auch die Figuren grob zu skizzieren. Ambitionierte Sänger, deren Auftritt abgesagt wurde, widerspenstige Jugendliche, Soldaten außer Dienst – es ist eine bunte Mischung aus Menschen und Schicksalen, die an dem unglückseligen Tag zufällig zusammenfand und durch eine Tragödie zusammengeschweißt wurde.

Die tragischste Gestalt ist dabei sicher die des Wachmanns Melvin Dismukes (John Boyega). Der ist selbst schwarz, genießt aufgrund seines Berufes aber einen Sonderstatus. Wie sehr darf er den drangsalierten Hotelgästen zur Seite stehen, ohne selbst zum Opfer zu werden? Der reale Dismukes litt auch Jahre später noch darunter, hier zwischen den Stühlen gestanden zu haben und dafür von anderen auch kritisiert worden zu sein. Er habe mit den Verbrechern kollaboriert, hieß es. Zumindest in „Detroit“ ist davon aber wenig zu spüren. Vielmehr zeigt der Film den moralischen Zwiespalt auf, so wie insgesamt Schwarz und Weiß zu einem dreckigen Grau verschwimmen.

Das soll nicht bedeuten, dass Bigelow doch mal für Vereinfachungen zu haben wäre. Vor allem die Figur des Philipp Krauss ist alles andere als differenziert gezeichnet. Von Anfang ist sein Hang zur Selbstjustiz und sein Rassismus offenkundig. Größere Schwankungen gibt es da nicht, auch keine weitergehenden Charaktermerkmale. Das macht ihn natürlich zu einem idealen, wenn auch nicht sonderlich interessanten Feindbild. Stoff zum Nachdenken wird auf eine solche Weise zumindest nicht mitgegeben, zumal das eine oder andere auch nicht ganz plausibel erscheint. Wohl aber ist es Stoff, der äußerst schmerzhaft ist. Obwohl das Ergebnis des Vorfalls bekannt ist, so spannt „Detroit“ doch sehr auf die Folter. Der begrenzte Schauplatz des Motels, das Gefühl des Ausgeliefertseins, der Mangel an echten Helden, all das trägt dazu bei, dass einem als Zuschauer die Geschichte durch Mark und Bein ging.

Fazit: „Detroit“ erinnert an einen rassistisch bedingten und tödlichen Vorfall, der 50 Jahre zurück liegt und dabei erschreckend aktuell erscheint. Trotz der einen oder anderen Vereinfachung und Unglaubwürdigkeit ist das Thrillerdrama eine spannende und erschütternde Geschichtsstunde, die durch Mark und Bein geht.

Wertung: 8 von 10

Regie: Kathryn Bigelow; Darsteller: John Boyega, Will Poulter, Algee Smith, Algee Smith, Jacob Latimore, Anthony Mackie, Jack Reynor, Hannah Murray, Kaitlyn Dever; Kinostart: 23. November 2017