Im Kino: Bad Times at the El Royale

Das El Royale hat eindeutig schon mal bessere Zeiten gesehen. Einst beliebtes Ziel der Reichen und Schönen ist das auf der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada gelegene Etablissement nach einem Glücksspielverbot in Vergessenheit geraten. Umso größer ist die Überraschung für Concierge Mike Miller (Lewis Pullman), als an einem Tag im Jahr 1969 gleich vier Gäste vor ihm stehen: der Priester Daniel Flynn (Jeff Bridges), die Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo), Staubsaugervertreter Laramie Seymour Sullivan (Jon Hamm) und eine mysteriöse Unbekannte (Dakota Johnson). Dabei haben nicht nur die Neuankömmlinge ihre kleinen Geheimnisse im Gepäck. Auch das Hotel selbst ist nicht ganz das, als was es erscheint.

Bad Times at the El Royale Kino curt München

Zu sehen gibt es in „Bad Times at the El Royale“ eine ganze Menge. Nicht nur, weil der Film stolze 143 Minuten lang ist. Er ist vor allem auch ein Fest fürs Auge. Schon der erste Blick auf das Hotel nimmt uns mit auf eine Reise in eine Welt des schönen Scheins. Ein golden umrandetes Familienalbum, auf dem sich mit der Zeit eine leichte Staubschicht angesammelt hat. Kitschig bis bombastisch, dabei aber doch voller Nostalgie. Eine melancholische Sehnsucht nach etwas, das nicht mehr ist. Das vielleicht auch nie war.

Das Setting wird natürlich viele Vergleiche zu Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (>> Filmkritik) provozieren, auch im Zusammenhang mit dem später beträchtlichen Body Count. Und doch wäre der Vergleich zu kurz gegriffen. Zum einen zelebriert Regisseur Drew Goddard die Gewalt nicht. Zum anderen zeigt er sich hier erneut als jemand, der ganz gerne mal Erwartungen unterwandert. Denn auch wenn wir hier natürlich früh ahnen, dass da mehr im Gange ist, die Leute nicht unbedingt sind, wer sie vorgeben zu sein, so bringt der Aufenthalt in dem Hotel dennoch jede Menge Überraschungen mit sich.

„Bad Times at the El Royale“ greift dafür auf den beliebten Mechanismus des Flashbacks zurück. Wann immer hier etwas Unvorhergesehenes passiert, kommt wenig später eine Szene aus der Vergangenheit, um etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Goddard nutzt diese Rückblicke aber auch zur Charakterisierung. Nach und nach trägt der Regisseur und Drehbuchautor die Schichten ab, die er den Männern und Frauen zu Beginn auferlegt hat, gibt dabei Einblicke in deren Leben, die mal erschreckend, mal sehr traurig sind.

Gleichzeitig ist der Thriller durchtränkt von schwarzem Humor. Das ist als Mischung sehr eigenartig. Die oft sehr ruppigen Richtungswechsel, sowohl in Bezug auf Inhalt wie auch die Stimmung, können den einen oder anderen Zuschauer schon mal aus dem Kinosessel fegen. Doch das macht „Bad Times at the El Royale“ auch zu einem der spannendsten Filme der letzten Zeit: Goddard versteht es, bekannte Elemente so abzuwandeln, dass man vieles nicht kommen sieht, ohne dabei auf billige Twists zurückgreifen zu müssen. Dass er dabei noch ein hervorragendes Ensemble versammeln konnte, macht den Ausflug in das zwielichtige Hotel zu einer unvergesslichen Nacht, die gleichermaßen als stilvolles Zeitporträt funktioniert.

Bad Times at the El Royale curt München Kino

Fazit: „Bad Times at the El Royale“ schafft es kontinuierlich, Erwartungen zu unterwandern, wenn hier niemand das ist, was er scheint, Hotelgäste und Hotel darum wetteifern, wer die meisten dunklen Geheimnisse in sich trägt. Das ist mal komisch, dann traurig, später auch blutig – aber immer sehr spannend und ungemein stilvoll. Der hervorragend begleitete Abend wird zwar viele Opfer unter den Figuren kennen, für das Publikum ist er jedoch ein einziger Gewinn.

Wertung: 8 von 10


Regie: Drew Goddard; Darsteller: Jeff Bridges, Cynthia Erivo, Dakota Johnson, Jon Hamm, Cailee Spaeny, Lewis Pullman, Chris Hemsworth; Kinostart: 11. Oktober 2018